﻿Kleesamen

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Kleesamen

frankreich und den Niederlanden seit dem
15. Jahrhundert betrieben, ist aber in Deutsch-
land und weiter östlich erst seit etwa 100 Jah-
ren allgemeiner gebräuchlich geworden. Seit-
dem finden sich die guten Kleearten auf
allen Wiesen und Weiden wildwachsend, so
daß man diese in kleeleere, kleehaltige und
kleereiche trennt. Der Klee und seine ver-
wandten Arten werden entweder in Reinsaat
oder mit Grasgemenge — Kleegrassaat
(vgl. Grassamen) auf den Feldern angebaut
oder auch auf Wiesen und Weiden für Her-
stellung von Grasnarben ausgesät. Zu Zier-
rasen wird Klee nur wenig verwendet. Die
Kleearten verlangen vor allem gut kalk-
haltigen, warm trockenen Boden, reichliche
Düngung mit Kali und Phosphorsäure, und
während des Wachstums guten Wechsel zwi-
schen Regen und Sonnenschein. Der Klee
darf nicht oft auf gleicher Fläche wieder-
kehren (Kleemüdigkeit) und gedeiht nicht alle
Jahre gleich gut, vor allem da gar nicht
sicher, wo es an befruchtenden Insekten (Bie-
nen, Wespen) fehlt. Die Mehrzahl der Land-
wirte gibt sich mit der Samengewinnung nicht
ab, so daß der K. ein wichtiger Handelsartikel
ist, welcher an vielen Plätzen verhandelt wird.
Man bezieht den Samen am liebsten aus
südlicheren Ländern, besonders aus Frank-
reich, welches großartigen Handel damit
treibt. Die Hauptländer für K. sind: Holland
und Belgien, Italien, Schlesien, Böhmen,
Bayern, Baden, Württemberg, Thüringen, die
Rheinlande und die Reichslande, die Haupt-
plätze für den Handel: Berlin, Leipzig, Halle,
Erfurt, Bamberg, Liegnitz, Königsberg, Mainz,
Hamburg, Prag und Wien. Der Handel an
den Produktenbörsen ist Gegenstand von Zeit-
und Differenzgeschäften, wie beim Getreide.
Aufgekauft wird K. von Händlern und direkt
bei den großen Handelsgärtnern und Samen-
handlungen. Wegen des großen Verbrauchs
an K. und seines hohen Preises ist der K.
Verfälschungen durch minderwertige Sorten
in hohem Grade ausgesetzt. Außerdem wird
er häufig durch die gefährliche Kleeseide
verunreinigt. Es ist daher unbedingt erforder-
lich, den Kleesamen nur gegen Garantie zu
kaufen und an einer Samenkontrollstation
untersuchen zu lassen. — Von den 150 Arten
Trifolium kommen für den Anbau haupt-
sächlich folgende in Betracht: 1. Rotklee
(Wiesen-, Kopf-, Saatklee). T. pratense, und
zwar als gebauter Rotklee in den Handelssor-
ten: Brabanter, Holländer oder Bordeaux,
gelblicher, langer, grüner oder steirischer.
Normannischer und Bretagner. Die Samen sind
rundlich, winkelig, oft beilförmig, glänzend
gelbrot bis violett und V-fa— 2Vi mm im
Durchmesser. — 2. Inkarnatklee, T. in-
carnatum. Die Samen sind eiförmig, regel-
mäßig gewölbt, rötlichgelb bis rotbraun und
graugrünrot, mit schwarzbraunen Schwielen
und dichtanliegenden Würzelchen versehen
und haben einen Durchmesser von 2—2,5 mm.
Die wichtigsten Handelssorten sind: dunkel-
graugrüner (früher und später, oder Vilmorins
später rotblühender), weißer (mit weißem

Samen, früh und spät, letzterer auch als
Noisetts später weißer I. bekannt) und fleisch-
roter. — 3. Weißklee, kriechender K.
(Bienen-, Honig-, holländischer, Schafklee),
T. repens, blüht weiß, weißgelb und gelb,
hat hellgelbe bis braunrote, oft grünliche
Samen, gekrümmte Würzelchen und einen
Durchmesser von 1-—1,25mm. — 4. Nieder-
liegender K. (Goldklee, kleiner Honig-,
gelber Feld-, Hopfenklee und Hopfenluzerne),
T. procumbens, mit stark glänzenden, läng-
lich-ovalen, sattgelben Samen und ange-
schmiegten Würzelchen, wird nur in England
angebaut. — 5. Bastardklee (schwedischer
oder Honigklee), T. hybridum, aus Schweden,
„Alsike kloefver“. Die Samen dieser Art
sind größer als diejenigen des Weißklees,
hell- oder dunkelolivengrün oder schmutzig
rotbraun marmoriert, und wenn unreif gelb-
grün. — Von den Luzernearten sind zu
nennen: 1. Die gemeine L. (Ewiger-, Mo-
nats-, Spargel-, Schneckenklee, burgundisches
Heu), Medicago sativa, mit gelbbraunen, läng-
lichen, fast bohnenförmigen, etwas zusammen-
gekniffenen, matten, eckigen oder schrauben-
förmigen, auf dem Rücken oft gekielten
Samen, anliegenden Würzelchen und einem
Durchmesser von 2,5—5 mm. —	2. Die

schwedische (deutsche) oder gelbe L.
(Sichel-, Ackerklee, gelber Steinklee), M.
falcata. Die Samen sind nierenförmig, röt-
lichgelb und ziemlich klein. — 3. Sand-
luzerne (bunte wechselfarbige), M. media,
Samen 2 mm dick, gelbbraun und dunkel-
braun. — 4. Hopfenluzerne (Hopfenklee,
gelber Klee, Hopfenschneckenklee), M. lu-
pulina, Samen nierenförmig, gelb, glatt, mit
abstehender Spitze des Würzelchens. — Der
Steinklee (Honigklee, Riesenklee), Meli-
lotus, dessen Samen oft unter andere Klee-
arten gemengt ist, wird in folgende Sorten
unterschieden:	Gebräuchlicher Stein-

klee, Käseklee (Mottenkraut, Pferdeklee
usw.), M. officinalis, Samen gelb bis braun,
13/4—2 mm, ähnlich dem Weißklee, aber
kleiner. Weißer Steinklee (Pferdeklee),

M.	leucanthus, und Blauer St. (Schabzieger-
klee, Mottenkraut), M. coerulea. — Die
Esparsette kommt, ebenfalls in mehreren
Sorten, mit den schwer trennbaren Hülsen
in den Handel. Der reine Samen ist 3 bis
4 mm lang, 2 mm breit, nierenförmig, hell-
grün bis dunkelgrünbraun, wenn heller, noch
unreif, wenn dunkler, nicht mehr keimfähig.
Dauer der Keimkraft bis 4 Jahre, bestes Saat-
gut 2 jährig. — Von den zahlreichen beob-
achteten Verfälschungen seien besonders
folgende angeführt: Gelbklee kommt unter
Rotklee und Luzerne, Bibernelle unter Espar-
sette, ägyptischer IC. unter Inkarnatklee, Weiß'-'
klee unter Bastardklee, gewöhnliche Luzerne,
Hopfenklee und Melilotus unter der teureren
Sandluzerne, Gelbklee und Hopfenklee unter
gewöhnlicher Luzerne vor. Alter Samen wird
durch Beizen gefirnißt, Unkraut, um die
Mischung nicht zu verraten, durch Abkochen
und Rösten der Keimkraft beraubt. Einen
besonderen Handelsartikel bildet das be-