﻿Kleie

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Knochen

kannte Verfälschungsmittel, der sog. Klee-
kies, sorgsam ausgesuchte, in der Farbe den
Sämereien ähnliche oder künstlich gefärbte
Quarzkörnchen, gefärbt mit Kienrußöl und
Leinölfirnis für Rotklee, mit Chromlack für
gelben Samen zur Fälschung von Weißklee,
Gelbklee und Luzerne, grün durch Chrom-
lack und Berlinerblau für Schwedischen und
für Rotklee usw. Gute Sämereien müssen
schwer, voll und glänzend sein. Sie dürfen
keine verschrumpften Körner enthalten und
sich mit dem Fingernagel nicht zerdrücken
lassen, da sie sonst für gefeuchtet zu halten
sind. Die Prüfung der Keimfähigkeit ge-
schieht wie bei anderem Samen durch Auf-
quellen und Feuchthalten bei gelinder Wärme
in einem wollenen Lappen oder Erde oder
mittels besonderer Apparate, Kleeprüfer usw.
in Proben von 50 g, welche sorgsamst aus
dem Gesamtgut zu mischen sind. — Zoll:
5 M.

Kleie (frz. Son, engl. Bran) nennt man die
beim Mahlen des Getreides abfallenden Hül-
len- oder Schalenteile der Körner, welche Je
nach Art des Mahlverfahrens eine verschie-
dene Zusammensetzung zeigen. Die auf den
alten deutschen Mahlgängen gewonnene K.
enthält stets noch viel von den härteren,
kleberreichen Stärkezellen der äußeren
Schichten des Kornes und gilt daher mit
Recht für ein wertvolles Kraftfuttermittel.
Seit Einführung der neuen Mahlverfahren hat
sich die Mehlausbeute aber ständig vergrößert,
und dementsprechend die Qualität der K.
verschlechtert. Besteht sie nur noch aus den
Hülsen des Kornes ohne allen Stärke- und
Klebergehalt, so hat sie selbstverständlich
keinen Futterwert mehr und sollte nur noch
als 'Einstreu oder als Verpackungsmaterial
benutzt werden. Man unterscheidet haupt-
sächlich Weizenkleie, Roggenkleie und
Gerstenkleie, letztere von der Graupen-
fabrikation herstammend. Alle K. muß von
guter Beschaffenheit sein und darf nicht durch
fehlerhafte Lagerung einen dumpfen Geruch
angenommen haben oder feucht und schimm-
Lg geworden sein. Als Verfälschung sind
Zusätze von Reishülsen, Erbsenschalen, Holz-
sägemehl, Sand und Ton beobachtet worden.
Behufs bequemerer Versendung und größerer
Haltbarkeit hat man jetzt angefangen, die K.
mittels hydraulischer Pressen in Kuchenform
zusammenzupressen. ■—• Zoll: S. Tarif Nr. 192.

Klettenwurzel (lat. Radix bardanae, frz.
Racine de bardane, engl. Burdock root), die
daumendicke Hauptwurzel unserer Kletten
(Lappa major und L. tomentosa), bildet
gespalten und getrocknet einen Artikel des

rog-enhau^g]3 un[j w;r(j ajs schweißtreiben-

-„.».naA Laarwuchsbeförderndes Mittel ange-
T„„rne " /-he Wurzel enthält, außer Schleim,

, j,	Gerbstoff, Bitterstoff und Zucker

schmack. D^	»«Blich „bitteren Ge-

u- . Klettenwurzelöl, der Aus-
steMr und Lwird Mi.1 feinem Olivenöl herge-
Parfümiert T?” .belllrbig, möglichst schwach,

' bs ist ein ständiger Artikel der
Zoll: Klettenwurzel

■	----ist ei

Kosmetik geworden.

ist zollfrei. Klettenwurzelöl als Haaröl par-
fümiert s. Tarif Nr. 355.

Knallerbsen, kleine, mit etwas Knallsilber
oder Knallquecksilber gefüllte Feuerwerks-
körper, sind zur Versendung auf der Eisen-
bahn nur bedingt zugelassen. Sie müssen
sorgfältig in Sägemehl verpackt sein, und
auf dem Frachtbriefe ist eine von einem ver-
eidigten Chemiker unterschriebene Beschei-
nigung anzubringen, welche die Ungefährlich-
keit verbürgt. — Zoll: 30 M.

Knallquecksilber und Knallsilber sind die
äußerst explosiblen Salze der Knallsäure,
welche zur Füllung der Knallerbsen Ver-
wendung finden. Sie entstehen bei der Auf-
lösung von metallischem Quecksilber oder
Silber mit konzentrierter Salpetersäure und
nachfolgendem Alkoholzusatz als weiße Kri-
stallpulver, die aber nicht getrocknet werden
können, sondern unter Wasser aufzubewahren
sind. Eine abweichende Zusammensetzung
besitzt das Knallsilber Berthollets, wel-
ches durch Behandlung von Silberoxyd mit
Ammoniak hergestellt wird und in trocknem
Zustande schon bei Berührung mit einer
Federfahne explodiert.

Kneipps Mittel. Unter dieser Bezeichnung
kommen verschiedene Mittel, meist pflanz-
licher Herkunft, z. B. Kräuter, Wurzeln, Öle
usw. in den Handel, die nach Vorschriften des
Pfarrers Kneipp hergestellt sind. Pfarrer
Kneipp lebte in Wörrishofen in Bayern und
hat sich durch seine Wasserkuren und Natur-
heilverfahren bekannt gemacht. Durch ihn
sind auch eine ganze Anzahl schon veralteter
Vegetabilien wieder gangbar geworden. —
Zoll s. bei den einzelnen Artikeln.

Knoblauch (lat. Radix seu bulbus allii, frz.
Ail commun, engl. Garlic), die Zwiebel von
Allium sativum, einer im südlichen Europa
einheimischen Pflanze, welche in Deutschland
vielfach angebaut wird, hat einen eigentüm-
lichen, sehr starken, unangenehmen Geruch
und einen scharfen, etwas süßlichen Ge-
schmack. Man verwendet die Zwiebel in
geringerer Menge als Zusatz zu manchen
Speisen, namentlich auch bei der Bereitung
der Salamiwurst, medizinisch als Klistier
gegen Madenwürmer. K. muß gut abgetrock-
net werden, damit er sich im Winter hält.

—	Zollfrei.

Knoblauchöl (lat. Oleum allii aethereum,
frz. Essence d’ail, engl. Oil of garlic), das
ätherische öl des Knoblauchs, wird durch
Destillation mit Wasserdampf als dunkel-
braungelbe Flüssigkeit erhalten, welche durch
Rektifikation hellgelb wird. Es hat ein spez.
Gew. von 1,050, besitzt einen starken, die
Augen zum Tränen reizenden Geruch, und
besteht aus einem Gemisch verschiedener Sul-
fide und Polysulfide des Allyls und Propyls.

—	Zoll: 30 M.

Knochen (lat. Ossa, frz. Os, engl. Bones)
finden sowohl zur Herstellung von Gebrauchs-
gegenständen durch Drechsler, Schnitzer,
Knopfmacher (Beinarbeiter), als auch von
chemischen Präparaten vielfache Anwendung.
Zu ersterem Zwecke werden die festen