﻿Knochenasche

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Kobalt

Röhrenknochen größerer Tiere, wie Rinder,
Pferde und Hirsche, zur Entfernung des Fettes
mit Wasser ausgekocht, dann an den Enden
abgesägt, an der Sonne oder in Pottasche-
lösung gebleicht und schließlich in Stücken
von 50—60 cm Länge und ca. 4 kg Gewicht
in den Handel gebracht. Außerdem werden
noch Gänseflügelknochen und zu langen
Filetnadeln auch Giraffenknochen direkt
verarbeitet. Alle sonst nicht verwertbaren
Knochen und Abfälle werden auf die in den
folgenden Abschnitten besprochenen Präpa-
rate verarbeitet. — Zoll: S. Tarif Nr. 156.
Knochen, entkalkte, Nr. 374. Knochenwaren,
Schnitzstoffe Nr. 601 ff.

Knochenasche, Weißes Spodium, auch
weißgebranntes Elfenbein genannt, ent-
steht, wenn Knochen im offenen Feuer völlig
verbrannt werden. Sie dienen dabei selbst
als Heizmaterial, und nach Zerstörung der
organischen Bestandteile hinterbleiben die
Mineralstoffe in Form harter, aber poröser
weißer Stückchen. Die pulverisierte K., ein
Gemisch von durchschnittlich 80—85°/o Tri-
kalziumphosphat, 10—12% Kalziumkarbonat
und geringen Mengen Magnesiumphosphat
und Kalziumfluorid, findet vielfache Anwen-
dung als Düngemittel, Putzpulver und Polier-
mittel, sowie zur Herstellung von Phosphor,
Phosphorsäure, Superphosphaten, Milchglas
und Glasuren. — Zoll: S. Tarif Nr. 158.

Knochenkohle (Tierkohle, Bein-
schwarz, Spodium, gebranntes Elfen-
bein, lat. Carbo ossium, frz. Noir d’os, engl.
Bone black) hinterbleibt beim Glühen entfet-
teter Knochen unter Luftabschluß in eisernen
oder tönernen Retorten, während gleichzeitig
gasförmige und flüssige Zersetzungsprodukte,
wie Kohlenwasserstoffe, Ammoniumkarbonat,
Pyridin- und Chinolinbasen, sowie Pyrrol über-
gehen und als Knochenteer, Franzosen-
öl, Tieröl, Dippelsches Stinköl kon-
densiert werden. Der aus den Retorten her-
ausgenommene Rückstand, welcher bei Inne-
haltung der richtigen Temperatur ein mattes
Schwarz zeigt, enthält neben rund 90%
Mineralstoffen 10% Kohlenstoff in feinster
Verteilung. Er wird gröblich zerkleinert und
nach der Korngröße sortiert. Das abgesiebte
Pulver findet zur Herstellung von Wichse und
schwarzer Farbe, sowie von Polierpulver für
Silberarbeiter Anwendung. Die gekörnte, gut
gebrannte K. hat infolge ihrer großen Poro-
sität in noch höherem Maße als Holzkohle die
Eigenschaft, zahlreiche organische und an-
organische Stoffe, besonders färbende Be-
standteile, Bitterstoffe, Kalk- und andere Salze
aus Flüssigkeiten abzuschneiden, und bildet
daher ein unentbehrliches Hilfsmittel bei
Reinigungs- und Klärungsprozessen, beson-
ders in Zuckerfabriken (s. d.), Glyzerin- und
Paraffinfabriken. -— Zoll: S. Tarif Nr. 158.

Knochenmehl. Die Knochen bilden wegen
ihres hohen Gehaltes an Stickstoff und Phos-
phorsäure ein vielbenutztes Düngemittel und
werden zu diesem Zwecke in verschiedener
Weise verarbeitet. Durch einfaches Zer-
stampfen der Knochen in Stampfmühlen er-

hält man das rohe IC, das aber wegen der
ungenügenden Zerkleinerung und des hohen
Fettgehaltes nur eine äußerst langsame Wir-
kung äußert. In neuerer Zeit wird daher
ausschließlich gedämpftes K. hergestellt.
Die gereinigten und gröblich zerbrochenen
Knochen werden zunächst durch Extraktion
mit Benzin oder durch Kochen mit Wasser
entfettet und darauf in geschlossenen Behäl-
tern mit Wasserdampf behandelt (gedämpft).
Hierbei geht ein Teil der zu Leim verwan-
delten Knorpelsubstanz in das Wasser über,
welches abgelassen wird und zur Gewinnung
des Knochenleims dient. Die nach dem
Dämpfen und darauf folgendem Trocknen
nunmehr sehr spröden Knochen werden zu
einem feinen Pulver vermahlen, welches 20
bis 25% Phosphorsäure und 3—5% Stick-
stoff, aber nicht mehr als 6% Fett enthalten
soll. Es findet sowohl als Düngemittel, wie
als Futterzusatz Anwendung und dient außer-
dem zur Herstellung von Superphosphat (s.d.).
Durch völlige Entleimung und den Zusatz
von Mineralphosphaten wird der Düngewert
bisweilen sehr verringert. Es empfiehlt sich
daher, stets eine KontroIIanalyse ausführen
zu lassen. — Zoll: S. Tarif Nr. 360.

Knochenöl (Knochenfett). Von dem bei
der Fabrikation des Knochenmehles abfallen-
den Fett ist das durch Auskochen frischer
Knochen erhaltene Sudfett das wertvollere.
Es bildet eine schwach bräunlich gefärbte
und fast geruchlose Masse, während das mit
Benzin extrahierte sog. Extraktionsfett
dunkelbraun und außerordentlich übelriechend
ist. Zur Entfärbung und Desodorisierung be-
handelt man das Fett mit Oxydationsmitteln
(Chromsäure) und verwendet das gereinigte
Produkt in der Seifenfabrikation. Das durch
Ausfrieren und Abpressen von den fetten An-
teilen befreite flüssige K. ist außerordentlich
kältebeständig und dient als Schmiermittel
für feine Instrumente. —Zoll: S. Tarif Nr. 130

Knoppern (frz. Galles ä l’^pine, engl. Gall-
nuts) nennt man die durch eine Gailwespe
(Cynips calicis) zwischen Fruchtknoten und
Bechern gewisser Eichen hervorgerufenen
Gallen, welche besonders aus Ungarn, Dal-
matien, der Bukowina und Slawonien in den
Handel kommen. Es sind unregelmäßige,
stark gefurchte, eckige und stachlige Ge-
bilde, welche meist die verkümmerte Eichel
noch umschließen und braun oder gelb ge-
färbt erscheinen. Die Einsammlung erfolgt
im September und Oktober, wenn die K.
von den Bäumen fallen, und gibt bei gün-
stiger, d. h. warmer und trockner Witterung
bis zu 125 kg von einem einzigen Baum. Die
K. enthalten bis zu 45% Gerbstoff und finden
sowohl in gemahlenem Zustande als K.-Mehl,
wie in Form von K.-Extrakt zum Gerben,
besonders von Sohlleder, und zum Färben
als Ersatz für Galläpfel Anwendung. — Zoll:
Knoppern 3 M. Knoppernextrakt s. Tarif
Nr. 384.

Kobalt (lat. Cobaltum, frz. und engl. Co-
balt), ein dem Nickel nahe verwandtes
I Metall, kommt in elementarem Zustande auf