﻿Kobaltchlorür

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Kochsalz

der Erde nicht vor, sondern nur in Form
wenig- verbreiteter Mineralien: Speiskobalt,
Smaltin (Arsenkobalt), Kobaltglanz
(Schwefelarsenkobalt) und Kobaltblüte, ein
aus dem vorigen entstandenes arsensaures K.
Zur Entfernung des Arsens und Schwefels
werden die Erze zunächst geröstet, darauf
mit Soda und Salpeter geschmolzen oder
mit Königswasser behandelt, und die schließ-
lich in schwefelsaure Lösung übergeführten
Metalle nach bekannten Methoden vom Eisen,
Blei, Wismut und Kupfer befreit. Die schwie-
rige Trennung von dem neben K. allein zu-
rückbleibenden Nickel erfolgt durch frak-
tionierte Fällung mit Soda und Chlorkalk,
wobei Kobaltoxyd zuerst ausfällt oder durch
Abscheidung als Kobaltikaliumnitrat mit sal-
petrigsaurem Kalium. Häufiger noch bedient
man sich des trockenen Verfahrens. Das
reine Metall wird durch Reduktion der Oxyde
im Wasserstoffstrom oder mit Kohle in Form
eines grauen Pulvers oder glänzender Blätt-
chen erhalten und liefert, bei 1050—1250° ge-
schmolzen, harte Stücke, welche schöne Poli-
tur und silberweißen, an der Luft beständigen
Glanz annehmen. K. besitzt das spez. Gew.
8,500, ist stark magnetisch und von hoher
Dehnbarkeit und Festigkeit. Die durch direk-
tes Schmelzen gewonnenen Stücke sind wegen
ihres Kohlenstoffgehaltes brüchig und können
weder gehämmert noch gewalzt werden. Nach
Zusammenschmelzen mit Vio°/° Magnesium
aber lassen sie sich in der Hitze schmieden
und dehnen. Von den zwei Reihen von Ver-
bindungen des K. besitzen nur die Oxydul-
salze (s. Kobaltchlorür) wegen ihres Farben-
spiels gewisses Interesse. Das metallische K.
findet beschränkte Verwendung zur Herstel-
lung von Draht und Blech, sowie von luft-
beständigen galvanischen Überzügen auf Obst-
messern, Klischees usf. Die außerordentliche
technische Bedeutung der Kobalterze beruht
auf ihrer Verarbeitung zu Farbstoffen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 864/8.

Kobaltchlorür (Chlorkobalt, lat. Cobal-
tum chloratum, frz. Chloride de cobalt, engl.
Chloride of cobalt), kleine rote Kristallnadeln,
welche beim Erwärmen durch Wasserverlust
blau werden und zur Verfertigung von sym
Pathetischer Tinte Anwendung finden. —• Zoll-
frei.

Kobaltfarben. Um 1550 soll die Ent-
deckung gemacht worden sein, daß die bis
dahin für wertlos gehaltenen Kobalterze Glas-
flüsse schön blau färbten, und dadurch zur
Begründung der Kobaltindustrie Sachsens
und Böhmens geführt haben, jedoch sind
auch aus dem Altertum stammende blaue
Gläser als mit Kobalt gefärbt erfunden wor-
den. Zur Darstellung des wichtigsten Erzeug-
nisses, der S malte, wird feingemahlener
Ouarz mit Pottasche und geröstetem Kobalt-
orz geschmolzen, der entstehende schön blaue
Iuß von der am Boden abgesonderten
chlacke, der sog. Nickel- oder Kobaltspeise,
abgelassen und noch flüssig in kaltes Wasser
gegossen. Die durch das Abschrecken mürbe

gewordene Masse wird auf Stampf- oder Walz-
werken gröblich zerkleinert, zwischen gra-
nitenen Mühlwalzen sehr fein gemahlen und
der blaue Schlamm in vieles Wasser ein-
gerührt. Die zuerst niederfallenden gröbsten
Teilchen bilden das Streublau, in einem
zweiten Bottich setzt sich die tiefste Nuance
des Blaus, die „Farbe“ oder Couleur ab,
in einem folgenden der Esc hei, und zum
Schluß der Sumpfeschel, der entweder als
hellstes und geringstes Blau verkauft oder,
wie meist auch das Streublau, einer späteren
Schmelze wieder zugesetzt wird. Bisweilen
kommt das letztere auch als blauer Streu-
sand in den Handel. Das schöne Blau der
Smalte besitzt eine Dauerhaftigkeit wie we-
nige andere Farben und übertrifft auch seinen
gefährlichsten Konkurrenten, den künstlichen
Ultramarin, an Widerstandsfähigkeit gegen
Säuren und Hitze. Sie wird zur Fresko- und
Zimmermalerei und zu Außenanstrichen be-
nutzt. Als Einbrennfarbe für feinere Ar-
beiten auf Glas und Porzellan wird sie hin-
gegen durch die reineren Oxyde, für Töpfer-
glasuren und Steingutdekorationen aber durch
den Zaffer oder Saflor ersetzt. Der letz-
tere ist das direkteste Hüttenprodukt, wel-
ches in Form grauschwarzer Pulver durch
einfaches Abrösten von Kobalterzen erhalten
wird und erst in Glasfluß schöne blaue Töne
liefert. Kobaltultramarin (Thenards
Blau, Kobaltblau, Leydener Blau) ent-
steht, wenn man mit einer Kobaltsalzlösung
getränkten weißen Ton trocknet und glüht,
oder schöner, indem man eine Mischung von
Alaun und schwefelsauerem Kobaltoxydul zur
Trockne eindampft und 6—8 Stunden auf
heller Rotglut erhält. Die Farbe hat den
Fehler aller Kobaltfarben, bei Lampenlicht
violett zu erscheinen, und wird durch den
Ultramarin allmählich verdrängt. Coeru-
leum (Coelin) besteht aus Kobaltoxydul
und Zinnoxyd. Kobaltgrün (Zinkgrün,
Rinnmanns Grün) entsteht, wenn ein Brei
von frisch gefälltem Kobaltoxydul und Zink-
oxyd getrocknet und geglüht wird. Die Farbe
erscheint bei größerem Kobaltgehalte dunkel-,
bei geringerem grasgrün und findet für Ta-
peten und Zimmermalerei Anwendung, wäh-
rend sie im Glasfluß nichts als Blau erzeugt.
Kobaltgelb endlich ist ein schönes gold-
gelbes Kristallpulver, welches beim Einleiten
von Salpetrigsäuredämpfen in eine Lösung
von Kalisalpeter und salpetersaurem Kobalt
entsteht und für Öl- und Aquarellmalerei
benutzt wird. Im Glasfluß erscheint es eben-
falls blau. — Zollfrei.

Kochsalz (Salz, Chlornatrium, lat. Sal
culinare, frz. Sei commun, engl. Kitchen salt)
ist auf der Erde in ungeheuren Mengen ver-
breitet. Es findet sich in gelöstem Zustande
im Wasser der Meere und zahlreicher Binnen-
seen (Kaspisches Meer, Totes Meer, großer
Salzsee in Utah), bildet in fester Form ge-
waltige Steinsalzlager als Reste verdunsteter
Seen und Meeresteile und wird aus ihnen
durch unterirdische Wässer gelöst als Salz-
quellen zutage gefördert. Alle drei Vor-