﻿Kochsalz

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Kochsalz

kommnisse werden zur Salzgewinnung benutzt
und liefern die als Seesalz, Steinsalz und
Quellsalz bezeichneten, nach Aussehen und
Reinheit verschiedenen Sorten. Zur Ge-
winnung des Seesalzes überläßt man das
Wasser, besonders in den wärmeren Gegen-
den (Mittelmeerküsten), vielfach der frei-
willigen Verdunstung, indem man es in sog.
Meersalinen oder Salzgärten, garten-
beetartig angeordneten flachen Bassins, den
Sonnenstrahlen aussetzt, oder man konzentriert
es auch durch Gefrierenlassen. In beiden
Fällen scheiden sich zuerst die schwer lös-
lichen Karbonate des Kalks und der Magnesia,
sowie der Gips aus. Darauf kristallisiert das
Kochsalz aus, und zum Schluß bleiben die
leichter löslichen Chloride des Kalziums, Mag-
nesiums, Strontiums, sowie Chlor-, Brom- und
Jodkalium in der Mutterlauge zurück. Das
Meerwasser enthält wechselnde Mengen, 0,7
bis 3,8%, Mineralstoffe, von denen 0,5—3, im
Mittel 2,5% als Kochsalz anzusprechen sind.
Das Steinsalz wird entweder, wie in Wie-
liczka, Bochnia, Cardona in Spanien (hier
im Tagebau) direkt bergmännisch gewonnen,
oder man führt es, wie in Hallein und
Berchtesgaden durch Zuleitung von Wasser
in eine konzentrierte Lösung über, die heraus-
gepumpt und weiter verarbeitet wird. Zur
Entfernung des Gipses und der Magnesium-
salze fällt man zunächst mit genau bemes-
senen Mengen Kalkmilch, zieht die klare Lö-
sung von dem Niederschlage ab und kon-
zentriert sie durch Eindampfen in offenen
Pfannen oder im Vakuum. Die natürlichen
Salzquellen (Solen) werden erst bei
einem Gehalte von 4% Kochsalz ausgebeutet,
sind aber auch dann noch zu schwach, um
direkt versotten zu werden. Man leitet sie
daher zur teilweisen Entfernung des Wassers
auf Gradierhäuser, aus Reisig und Dornen
aufgebaute, bis zu 15 m hohe Wände, und läßt
nun die rohe Sole allmählich in feiner regen-
artiger Verteilung hindurchträufeln. Sie ver-
liert dabei nach zwei- oder dreimaligem Durch-
gang soviel Wasser, daß ihre Konzentration
bis auf 20% ansteigt. Gleichzeitig reinigt sie
sich von einem beträchtlichen Teil ihrer mine-
ralischen Beimengungen, besonders dem Gips,
der die Dornen in dichter Schicht, als sog.
Dorn-enfetein überzieht und nach dem Bren-
nen direkt als Düngemittel benutzt werden
kann. Von den Gradierwerken gelangt die
Sole in die Pfannen, in denen sie bis zur
Kristallisation eingedampft wird. Hierbei
scheidet sich der Rest des Gipses als sog.
Pfannenstein fest am Boden anhaftend aus,
während die fast reinen Kochsalzkristalle
ausgedrückt und, solange sie noch weiß er-
scheinen, auf eine gleich über der Pfanne
befindliche Traufe zum Trocknen geworfen
werden. Von da kommt das Salz auf Horden
in die Trockenkammern. Die nach den ver-
schiedenen Verfahren gewonnenen Kochsalz-
sorten bestehen alle der Hauptmasse nach
aus Natriumchlorid, enthalten daneben aber
noch mehroder weniger fremde Beimengungen,
welche ihren Gebrauchswert beeinflussen. In

dem, meist zu Bädern benutzten, rohen Meer-
salz (Sal marinum, Boysalz) finden sich
nach L. Schneider 1,71% Kalziumsulfat,
0,11% Magnesiumsulfat, 0,19% Magnesium-
chlorid und 0,11% Eisenoxyd und Tonerde;
aber auch das gewöhnliche Kochsalz (Sal
commune) der Salinen enthält meist 1—3%
Verunreinigungen, von denen besonders ein
Gehalt an Magnesiumchlorid dauerndes
Feuchtbleiben bedingt. Hingegen besteht das
Steinsalz aus nahezu chemisch reinem Chlor-
natrium. Für die wichtigste Verwendung des
K. zu Konservierungs- und Speisezwecken
wird in erster Linie das See- oder Quellsalz
benutzt, weil das Steinsalz wegen seiner grö-
ßeren Härte meist zu langsam wirkt. Hin-
gegen findet das letztere vielfache Anwendung
in der chemischen Großindustrie, zur Fabri-
kation von Glas und Soda, zum Aussalzen von
Seifen, in der Töpferei zur Herstellung von
Glasuren, in der Weißgerberei und Farben-
fabrikation, zum Einsalzen von Häuten, zur
Bereitung von Kunsteis, als Vieh- und Dünge-
salz. Von allem für Speisezwecke bestimmten
K. wird eine Steuer von 12 M. pro 100 kg
erhoben, während das zu technischen Zwecken
dienende sog. Gewerbesalz nur mit 0,20 M.
belastet ist, vorausgesetzt, daß es durch eine
Denaturierung zum menschlichen Genuß un-
tauglich gemacht wird. Als Denaturierungs-
mittel kommen nach dem Zollgesetz in Frage
je Vi0/0 Wermut- oder Holzkohlenpulver und
Eisenoxyd für Viehsalz, 1 % Kienruß für
Düngesalz, ferner t/4% Petroleum, 1% Seifen-
pulver, 1% Schwefelsäure oder 4% Eisen-
vitriol. Die Denaturierung kann jedoch unter-
bleiben, wenn das Salz unter steueramtlicher
Kontrolle verwandt wird. Zum Bezug von
denaturiertem Salz ist die Beschaffung eines
Berechtigungsscheins durch die Steuerbehörde
erforderlich. Dieser wird aber für Betriebe,
welche menschliche Nahrungs- und Genuß-
mittel herstellen, wie Tabak- und Mineral-
wasserfabriken, nicht erteilt. Der Verbrauch
an K. betrug 1906/7 auf den Kopf der Be-
völkerung im Deutschen Reiche 21,8 kg, ent-
sprechend einer Gesamtmenge von 1346211 t.
Davon wurden beinahe zwei Drittel, nämlich
864777 t = 14 kg pro Kopf steuerfrei gelassen
und nur 4814341 = 7,8 kg pro Kopf ver-
steuert. Diese Menge hat in den letzten
10 Jahren nur sehr wenig, nur 61000 t, d. h.
im Verhältnisse der Volksvermehrung zuge-
nommen. Hingegen ist der Verbrauch an
steuerfreiem Salz in der gleichen Zeit um
300 000 t angewachsen. Allein in Soda- und
Glaubersalzfabriken wurden 431227 t, d. h.
die Hälfte der ganzen steuerfrei gelassenen
Menge verarbeitet. In chemischen Fabriken
wurden 128494 t, in der Lederindustrie
53192 t, in der Metallwarenindustrie 25 714 t,
zur Seifen- und Kerzenfabrikation 13 857 t,
in der Weberei 33727 t, zur Viehfütterung
117747 t verbraucht. Anderes unversteuertes
K. gelangt als Düngemittel, zu Bädern, zum
Pökeln usw. zur Verwendung. Der Ertrag der
Salzsteuer betrug 57,3 Millionen M. = 93 Pfg,
pro Kopf. — Zoll: S. Tarif Nr. 280.