﻿Kockeiskörner

241

Kognak

Kockeiskörner (Fischkörner, Läuse-
körner, Tollkörner, lat. Fructus cocculi,
frz. Coque de Levant, engl. Cockles) sind die
Früchte eines in Ostindien, besonders auf Ma-
labar und den Inseln Java, Sumatra, Ceylon,
als Kletterpflanze wachsenden Strauches
Menispermum cocc'ulus oder Anamirta
cocculus (Wight et Arh'Aan welchem sie
zu mehreren Hunderten in eine Traube ver-
eint wachsen. Frisch sind sie purpurrot und
fleischig, getrocknet schwärzlichbraun, runzlig,
etwas größer als Erbsen, an der Anheftungs-
stelle eingedrückt und daher etwas nieren-
förmig gestaltet. Unter der Oberhaut findet
sich eine hellbräunliche, holzige, zerbrechliche
Schale, welche einen einzelnen halbrunden,
auf dem Querschnitt halbmondförmigen Sa-
men enthält, der den Hohlraum nur teilweise
ausfüllt. Neben 50°/o fettem Öl enthalten die
Kerne einen eigentümlichen, sehr bitteren
und narkotischen Giftstoff, das Pikrotoxin,
während sich in dem nicht giftigen Frucht-
gehäuse Menispermin und Parameni-
spermin vorfinden. Die Samen und noch
mehr das isolierte Gift bewirken innerlich ge-
nommen Ohnmacht, Zittern, Schwindel und
Konvulsionen. Die Körner werden zur Ver-
tilgung von Ungeziefer, namentlich zu Läuse-
pulvern und Salben verwendet und haben
daher den Beinamen Läusekörner erhalten.
Außerdem werden sie gegen Krätze verordnet,
doch ist hierbei zu beobachten, daß bei of-
fenen Wunden leicht Vergiftung eintreten
kann. Die Verwendung zur Betäubung von
Fischen ist strafbar. — Zollfrei.

Kodein ist einer der wirksamen Bestand-
teile des Opiums (s. d.), welcher jedoch
medizinisch nur höchst selten verwendet wird.
Etwas häufiger benutzt man jetzt das Chlor-
wasserstoffkodei'n oder salzsaure K. (lat.
Codeinum hydrochloratum, Codeinum muria-
ticum, frz. Hydrochlorate de code'ine, engl.
Hydrochlorate of codein), welches wie die
freie. Base farblose Kristalle bildet. — Zollfrei.

Königsblau nennt man sowohl die beste
Kobaltfarbe, das Eschel, wie auch eine
Sorte Berlinerblau und verschiedene mit
Orseille und Karmin auf Geweben erzeugte
und hierauf mit Indigo blau geküpte Farben.
— Zollfrei.

Königsgelb ist eine Handelsbezeichnung
für Chromgelb, Bleiglätte, Kasseler Gelb (s.
Bleifarben) und Auripigment. — Zollfrei.

Königskerzen (Wollblumen, lat. Flores
verbasci, frz. Fleurs de molöne, engl. Mullein
flowers). Die vorsichtig getrockneten Blüten
verschiedener Verbascumarten (.V Thap-
sus und V. phlomoides) werden teils von
wildwachsenden, teils von angebauten Pflanzen
bei uns gesammelt, kommen aber zum größten
feile, wohl zu drei Viertel der gesamten
Handelsware, aus Ungarn. Man pflückt die
Blüten bei gutem Wetter ohne die Kelche,
trocknet sie rasch an der Sonne und ver-
wahrt sie luftdicht, recht fest verpackt, da
sie sonst leicht wieder Feuchtigkeit anziehen
und mißfarbig werden. Sie sind nur verkäuf-
Uch, wenn sie ihre gelbe Farbe gut erhalten
Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

haben. Die frischen Blüten haben einen fein
aromatischen Geruch, der beim Trocknen
verloren geht. Sie enthalten hauptsächlich
Schleim, Gummi und Zucker, die sich beim
Kauen verraten, und dienen als Zusatz zu
Brusttee. — Zollfrei.

Königswasser (lat. Aqua regis, frz. Eau
rdgale, engl. Nitromuriatic acid) heißt die
Mischung von Salzsäure und Salpetersäure
(Salpetersalzsäure), welche allein imstande ist,
Gold und Platin zu lösen.

Kognak (Cognac) ist der durch Destil-
lation von Wein hergestellte Edelbranntwein,
der, als eine Unterabteilung des Franz-
branntweins, ursprünglich nach der gleich-
namigen Stadt im Departement Niedercha-
rente benannt wurde und noch jetzt in ihrer
Umgebung in besonderer Güte als „Fine
Champagne“ hergestellt wird. Weniger wert-
volle, als „Eau de vie“, „Petit Champagne“,
„Armagnac“ bezeichnete Sorten stammen
aus den Departements Angouleme, Chäteau-
neuf, Languedoc. Auch in Ungarn, Spanien
und Portugal, sowie neuerdings vor allem
in Deutschland wird viel K. destilliert. Das
frische Weindestillat ist eine völlig farblose
Flüssigkeit von meist 50—60°/o Alkoholgehalt,
welche erst im Verlaufe der Lagerung auf
eichenen Fässern ihre gelbe Farbe und das
prächtige Bukett annimmt. Neben mini-
malen Spuren von Furfurol finden sich ge-
ringe Mengen Fuselöl, flüchtige Säuren, Al-
dehyde und Ester, deren Gehalte aber zu
großen Schwankungen unterliegen, als daß
darauf eine sichere Beurteilung gegründet
werden könnte. Im Laufe der Zeit hat sich
der Begriff des K. nun außerordentlich ver-
schoben. An Stelle des reinen Weindestillates
tauchten Mischungen mit Kartoffelspiritus
(sog. Weinsprit) in immer größerer Menge
auf, und nach einer vom Verbände öffent-
licher Chemiker in Verbindung mit Vertretern
der Industrie aufgestellten Definition soll K.
nichts sein als ein „mit Hilfe von Wein-
destillat hergestellter Trinkbranntwein“, ohne
Rücksicht auf den Gehalt an Weindestillat.
Nur die Bezeichnung „Weinbrand“ soll den
reinen Weindestillaten Vorbehalten sein. Als
Folge dieser Beschlüsse macht sich in zu-
nehmendem Maße das Auftauchen von Ver-
schnitten mit Spiritus bemerkbar, die'z. T.
künstlich gefärbt und aromatisiert und einem
künstlichen Alterungsprozeß unterzogen wor-
den sind. Ja, es werden ganz offen als
Kognakessenz Auflösungen von echtem
oder künstlichem Weinbeeröl (s. d.) zur Dar-
stellung von K. auf kaltem Wege, d. h. durch
einfaches Vermischen mit Spiritus angepriesen.
Gegen die hierdurch hervorgerufenen Miß-
stände scheint sich inzwischen _ unter den
reellen Produzenten eine Reaktion bemerk-
bar zu machen, von der vielleicht eine Besse-
rung der bestehenden Verhältnisse zu er-
warten ist. Zurzeit wird man wohl folgende
Gesichtspunkte als geeignete Grundlage einer
Beurteilung empfehlen können: Als französi-
scher K. oder unter diesem Begriff ent-
sprechender Bezeichnung darf nur ein aus

16