﻿Kohlensäure

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Kokablätter

Frankreich importierter und im Original-
zustand belassener K. verkauft werden. Für
K. schlechthin ist eine Färbung mit Karamel,
sowie ein Zusatz von Zucker innerhalb ge-
wisser Grenzen als zulässig anzusehen. Das
gleiche gilt von einer Verdünnung hoch-
gradiger Destillate mit Wasser, solange der
Alkoholgehalt nicht unter 38 Vol. °/o herab-
gedrückt wird. Hingegen sollte ein mit In-
dustriesprit vermischter K. nur als Ver-
schnitt-K., und ein aus Spiritus und Essenzen
zusammengegossener Branntwein nur als
Fasson- oder Kunst-K. bezeichnet werden.
— Zoll: S. Tarif Nr. 178/9.

Kohlensäure (Kohlensäureanhydrid,
Kohlendioxyd, lat. Acidum carbonicum,
frz. Acide carbonique, engl. Carbonic acid)
bildet zwar nicht im gasförmigen Zustande,
wohl aber als komprimierte, sog. flüssige
K. einen wichtigen Handelsartikel. Sie gehört
zu den verbreitetsten Stoffen der Erdober-
fläche. Als regelmäßiges Produkt der Ver-
brennung organischer Stoffe, sowie der tieri-
schen und pflanzlichen Atmung findet sie
sich beständig in der Atmosphäre in Menge
von ca. 0,039%. Ferner wird sie von den
tätigen Vulkanen ausgestoßen, entströmt aus
Erdrissen und Spalten und gelangt, in Wasser
gelöst, in Form von Säuerlingen zutage. Ihre
Verbindungen mit Basen, die Karbonate, wie
Kalkstein, Marmor, Kreide, Dolomit und
Magnesit, sind verbreitete Mineralien, die
sogar gesteins- und gebirgsbildend auftreten.
Zur Darstellung der K. zersetzt man Kar-
bonate (Marmor, Magnesit) entweder mit
verd. Säuren oder durch Glühen, oder gewinnt
sie durch Verbrennung von Koks. Die reine
K. ist ein färb- und geruchloses Gas, von
deutlich* saurem Geschmack. Sie vermag weder
selbst zu brennen, noch die Verbrennung
zu unterhalten, löscht vielmehr brennende
Körper aus und führt eingeatmet Erstickung
herbei. Sie dient in den Zuckerfabriken, in
denen sie beim Glühen des Kalksteins als
Nebenprodukt entsteht, zum Saturieren, ferner
zur Darstellung von Ammoniaksoda und von
Bleiweiß. Auf ihrer hohen Löslichkeit in
Wasser (1 Vol. Wasser nimmt bei 0° 1,8 Vol.
K. auf) beruht ihre Verwendung zur Herstel-
lung kohlensaurer Getränke. Zu letzterem
Zwecke führt man sie jedoch zunächst in
den flüssigen Zustand über. Das nach den
angegebenen Methoden dargestellte oder auch
natürlich* vorkommende K.-Gas wird durch
Überführung in Bikarbonat oder Waschen
mit Kaliumpermanganat gereinigt, getrocknet
und in Zylindern aus Schmiedeeisen oder Stahl
bei 50—60 Atmosphären komprimiert. Die
schmiedeeisernen Flaschen haben 9 mm dicke
Seitenwände und 15 mm dicken Boden und
sind auf einen Überdruck von 250 Atmo-
sphären geprüft. Sie enthalten 8, 10, 20 oder
30 kg K. zum Preise von je 25—30 Pfg. und
werden den Abnehmern leihweise überlassen.
Die Flüssige K. ist eine wasserhelle, be-
wegliche Flüssigkeit, welche bei —78,2° sie-
det und sich bei schneller Verdunstung in eine
lockere schneeähnliche Masse, die feste IC,

verwandelt. Die flüssige K. findet äußerst
mannigfaltige Verwendung. Sie dient in den
Gastwirtschaften zum Bierausschank, ferner
zur Fabrikation von kohlensaurem Wasser,
beim Gießen von Gußstahl und anderen Me-
tallen zur Erzielung dichter, blasenfreier Guß-
stücke, zum Betriebe von Feuerspritzen und
als Feuerlöschmittel. Krupp in Essen benutzt
sie außerdem bei Kanonenreparaturen zum
Loslösen der konischen Mantelrohre von dem
zylindrischen Kemrohre. Die Beförderung der
flüssigen K., die früher auf Feuerzüge be-
schränkt war, ist jetzt auf allen Eisenbahn-
zügen gestattet, aber an folgende Bedingun-
gen geknüpft: Die Behälter müssen aus
Schweißeisen, Flußeisen oder Gußstahl her-
gestellt und amtlich auf einen Druck von
250 Atmosphären geprüft sein. Ein amtlicher
Vermerk auf den Flaschen muß darauf hin-
weisen, daß diese Prüfung, und zwar innerhalb
der letzten 3 Jahre erfolgt ist. Zum Schutze
der Ventile müssen Kappen aufgeschraubt
sein, die mit einem Kranze zur Verhinderung
des Rollens versehen sind. — Zollfrei.

Koipufelie (Nutria). Das Koipu, eine
biberartige große Seeratte, lebt in großer
Menge in den südamerikanischen La-Plata-
staaten. Sein Fell, welches ohne den wert-
losen Schwanz	dm oder mehr in der

Länge mißt, wird teils zu Pelzwerk, teils bei
der Hutfabrikation verwendet, jedoch kommt
in beiden Fällen nur das Unterhaar zur Gel-
tung, während das meist braunrote Oberhaar
entfernt wird. Das Unterhaar hat bräunliche,
aschgraue oder graugelbliche Färbung und
kommt an Feinheit demjenigen des Bibers
nahe. Gerupft und gegerbt liefern die Felle
ein sehr hübsches Pelzwerk. Zum großem
Teile wird das Unterhaar jedoch abge-
schoren und als Zutat zu feinen Hüten ver-
arbeitet. Die in England gebräuchliche Be-
zeichnung Affenfelle ist falsch, ebenso wie
der Name Nutria, welcher der Fischotter zu-
kommt. — Zoll: S. Tarif Nr. 155. 563 ff.

Kokablätter (Cocablätter, lat. Folia co-
cae, frz. Feuilles de coca, engl. Coca leaves)
stammen von einem baumartigen Strauche
Erythroxylon Coca, der auf den östlichen
Abhängen der Anden wild wächst, in großem
Maßstabe aber auch wie Wein angebaut wird.
Der Strauch gibt jährlich drei, bei reichlichem
Begießen sogar vier Ernten von Blättern,
welche den Blättefn von Sauerkirschen in
.Gestalt und Größe ähneln und an der Sonne
getrocknet werden. Sie riechen wie gutes
Heu, besitzen einen teeähnlichen, schwach
bitter-aromatischen Geschmack und bewirken
beim Kauen starke Speichelabsonderung. Ihre
Haltbarkeit ist gering, da sie bei Einwirkung
von Feuchtigkeit rasch dumpfig und un-
brauchbar werden. Sie müssen daher in gut
schließenden Blechkisten oder gepulvert in
gelben Flaschen mit Glasstöpsel aufbewahrt
werden. Als wichtigste Handelssorten sind
zu erwähnen: Bolivia, Huanuco, Huanta,
Cuczko, Truxillo und Lima- oder Peru-K.,
doch kommen neuerdings auch K. aus Ceylon,
Java und Kamerun in den Handel. Als cha-