﻿Kokain

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Kokosöl

rakteristische Bestandteile enthalten sie die
Alkaloide:	Kokain, Zinnamylko kain,

Kokamin, Isokokamin, Benzoylpseu-
dotrope'in, Benzoylekgonin und Hy-
grin, ferner Methylsalizy 1 at, Glukoside
und Gerbsäure. Der Alkaloidgehalt unter-
liegt ziemlich großen Schwankungen und be-
trägt im Mittel 0,7%. Die K. werden von den
Indianerstämmen Perus mit Asche oder Kalk
gekaut, wodurch eine Erregung des Nerven-
systems und Stillung des Hungers, bei un-
mäßigem Genuß aber ebenso schädliche Wir-
kungen wie durch Alkohol und Opium hervor-
gerufen werden. Die K. dienen zur Darstel-
lung des Alkaloides und zur Herstellung des
Kokaweins. — Zollfrei.

Kokain (Cocain, lat.Cocainum,frz. Cocaine,
engl.Cocaina), das wichtigste Alkaloid der Koka-
blätter, wird durch Benzin- oder Petroläther-
extraktion der mit Sodalösung befeuchteten
Blätter und nachherige Ausschüttelung mit
verd. Schwefelsäure, Fällung mit Soda und
Umkristallisieren aus Alkohol rein dargestellt.
Es bildet färb- und geruchlose Prismen, die
bei 98° schmelzen, in Alkohol, Äther und
den meisten anderen organischen Lösungs-
mitteln leicht, in Wasser hingegen nur wenig
löslich sind. Beim Erhitzen mit Salzsäure
spaltet sich das K. in Ekgonin, Methylalkohol
und Benzoesäure und ist daher als Methyl-
benzoylekgonin anzusprechen. Aus den
genannten Bestandteilen läßt sich chemisch
reines K. synthetisch darstellen, welches nicht
die unangenehmen Nebenwirkungen des na-
türlichen Alkaloides zeigt. Das K. wirkt
äußerlich lokal anästhesierend und findet da-
her ebenso wie das salzsaure Salz, Koka in -
hydrochlorid, ausgedehnte medizinische
Anwendung' in der Chirurgie, Zahnheilkunde
und Augenheilkunde, da die Bepinselung von
Schleimhäuten mit K. völlige Unempfindlich-
keit hervorruft und schmerzlose Operationen
ermöglicht. Zurzeit wird das rohe K. meist
schon in Peru dargestellt, aber erst in Europa

weiter verarbeitet. — Zollfrei.

Kokos. Die Früchte der in fast allen
-lropen]gn(jern an jQjsten und auf Inseln
wild wachsenden und angepflanzten Kokos-
palme (Cocos nucifera) bilden sowohl in
ganzem Zustande, wie in ihren einzelnen Tei-
len überaus wichtige Handelsartikel. Die Ko-
kosnüsse sind bis zu kopfgroße Steinfrüchte,
welche unter einer 4—6 cm dicken Faser
hülle das von einer harten Steinschale um-
gebene weiße und mit einer milchartigen
Flüssigkeit angefüllte Endosperm enthalten.
Die Faserhülle besteht aus längslaufenden,

dicht

zusammenhängenden Fasern, welche zu-

gerichtet als. Kokosfaser (Coir) bezeichnet
. fn' Zu ihrer Gewinnung wird die Außen-
^ lc t (Roya) völlig reifer Früchte von
ocos nucifera var. rutila und cupuli-
,0ämaS rnebrere Wochen in Wasser gelegt
r’rr n all\xr T'* ^opfern oder zwischen ge-
i e en alzen bearbeitet, wodurch sich die
asern vereinzeln und in verschiedene Stärken
sortiert werden können. Sie besitzen dann
ine bräunliche Färbung, eine Länge von

15—33 cm und eine Dicke von 0,05—0,30 mm.
Die Kokosfaser findet vielseitige Verwendung
als Polstermaterial, zur Herstellung von ge-
flochtenen Teppichen, gleichartig gewebt zu
Fußdecken, Unterlagen und Abtretern, zu
Bürsten und Pinseln, gesponnen zu Seiler-
waren, selbst Schiffstauen und neuerdings zu
Maschinentreibbändern. Die harte Kernschale,
Kokosnußschale, mit welchem Namen
übrigens häufig auch die Schale der brasi-
lianischen Palme Attalea funifera (co-
quilla) belegt wird, dient zu kleinen Drechsler -
und Schnitzarbeiten. Das Endosperm end-
lich, der Kokoskern, findet in frischem
Zustande als Nahrungsmittel beschränkte An-
wendung, wird aber zur technischen Verwer-
tung, besonders zur Gewinnung des Fettes
unter dem Namen Copra in ungeheuren
Mengen verarbeitet. Die Copra enthält nach
König 5,81% Wasser, 8,88% Stickstoffsub-
stanz, 67,0% Fett, 12,44% stickstoffreie Ex-
traktstoffe, 4,06% Rohfaser und 1,81% Asche.
Die nach dem Auspressen des Kokosöles
(s. d.) hinterbleibende Rückstände, welche
zirka 20% Stickstoffsubstanz enthalten, bil-
den als Kokos- oder Coprakuchen ein
wertvolles Futtermittel. — Zoll: K.-Nüsse
4 M., K.-Faser s. Tarif Nr. 28. 470. 475.

I 477. Copra und K.-Kuchen zollfrei. Kokos-
j holz Nr. 77. Schnitz- und Drechslerwaren aus
i K.-Schale s. Tarif Nr. 615 ff.. Fußdecken,
Zeugwaren usw. aus K.-Fasern Nr. 484 ff.

Kokosöl (Kokosfett, Kokosbutter,
lat. Oleum cocos, frz. Huile ou Beurre de
cocos, engl. Cocoa nut oil, Cochin oil), das
fette Öl der Samenschale von Cocos nuci-
fera, wird entweder schon im Ursprungslande
oder in Europa aus der nach hier eingeführten
Copra ausgepreßt. Die Hauptproduktions-
länder sind Vorder- und Hinterindien und
Ceylon, nach1 welchen die besten Sorten den
Namen Cochin-Copra, die minderwert-
vollen den Namen Ceylon- und Indische
Copra führen. Außerdem kommt K. aus
Sansibar und Westindien und bildet neuer-
dings einen wichtigen Ausfuhrartikel unserer
Südseekolonien (Samoa). Zur Gewinnung des
Fettes verfahren die Eingeborenen in der
Weise, daß sie die Kerne einfach in Wasser
kochen und das obenschwimmende Fett ab-
schöpfen, oder auch, daß sie, wie auf Ceylon,
die getrocknete Copra zwischen heißen Me-
tallplatten auspressen. In Europa wird das
Fett nach rationelleren Methoden durch hy-
draulische Pressen oder Lösungsmittel abge-
schieden. Das reine IC ist weiß, von cha-
rakteristischem, nicht unangenehmem Geruch
und Geschmack, der aber leicht ranzig wird,
und löst sich in Äther und siedendem Alkohol.
Das spez. Gew. bei 18° beträgt 0,925. Es
schmilzt bereits bei 22°, hat aber trotzdem
eine ziemlich harte Beschaffenheit. Seiner
chemischen Zusammensetzung nach ist das
K. ein Gemisch1 von Triglyzeriden der Palmi-
tinsäure, Kapron-, Kaprin-, Kapryl-, Laurin-
und Myristinsäure, von denen besonders die
letzteren seine charakteristischen Eigenschaf-
ten, die hohe Verseifungszahl von 240—250