﻿Kokosstricke

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Kollodium

und die hohe Reichert-Meißl'sche Zahl
von 7—9 bedingen. Wegen seines leichten
Ranzigwerdens fand das K. früher fast nur zur
Herstellung gefüllter Seifen (s. d.) auf dem
Wege der kalten Verseifung Anwendung.
Seitdem man aber später gelernt hat, es von
den übelriechenden Beimengungen zu be-
freien, findet es in steigendem Maße als
Speisefett Eingang. Die zur Reinigung des
K. benutzten, zum Teil geheimgehaltenen Me-
thoden beruhen auf der Entfernung der freien
Fettsäuren durch Magnesia oder Alkalien und
nachfolgendes Auswaschen mit siedendem
Wasser, ferner zur Beseitigung gewisser
Riechstoffe auf einer Behandlung mit über-
hitztem Wasserdampf, Kohlensäure oder Alko-
hol. Das auf diese Weise völlig gereinigte,
rein weiße und unbegrenzt haltbare Produkt
ist für alle küchenmäßigen Zwecke ausgezeich-
net verwendbar. Nur hat sich leider der
Übelstand herausgebildet, daß es meist nicht
mit seinem richtigen Namen, sondern unter
allen möglichen Phantasiebezeichnungen wie
Palmin, Vegetalin, Kunerol, Laureol,
Myrholin, Nukolin und zahlreichen ande-
ren in den Handel kommt, die zum Teil wie
Nußbutter u. a. unter Umständen zu einer
Täuschung des Publikums geeignet sind.
Auch macht sich immer mehr das Bestreben
geltend, aus K. durch besondere Bearbeitung,
Emulgieren mit Wasser, künstliche Gelbfär-
bung u. dgl. schmalz- oder butterähnliche
Produkte herzustellen, welche dann nach der
neueren Rechtsprechung den für Kunstspeise-
fett oder Margarine erlassenen Vorschriften
unterliegen. Neben der direkten Verwendung
als Speisefett dient K. auch als Zusatz zu
Margarine, zur Verfälschung von Butter und
Schweineschmalz und zur Herstellung von
Surrogaten für Kakaobutter (s. d.). — Zoll: K.
für Genußzwecke ist wie Margarine nach
Tarif Nr. 205 mit 30 M. zu verzollen; für
Genußzwecke unbrauchbar nach Nr. 171 mit
2 M.

Kokosstricke (Cocosfaserstricke) aus
Kokosfaser, werden von Hinterindien (Cochin)
in drei Stärken importiert. Die stärksten,
von dem Umfang eines kleinen Fingers, die-
nen zum Garbenbinden anstatt der Stroh-
seile und haben vor diesen den Vorzug, daß
sie weder der Fäulnis, noch den Angriffen
der Mäuse ausgesetzt und überdies billiger
sind. 50 kg oder zirka 5000 m kosten 27 M.,
schwächere 24 M. Die schwächste Sorte
(50 kg = 10 000 m für 34 M.), wird in Gärt-
nereien und Baumschulen verwendet. —
Zoll: S. Tarif Nr. 484.

Kokumbutter (Kokumöl, Goabutter,
frz. Beurre de cocum, engl. Cocum fat), das
aus den Samen von Garcinia indica ge-
wonnene talgartige, etwas brüchige Fett von
weißlicher bis blaßgelblicher Farbe, riecht
frisch der Kakaobutter ähnlich, wird aber
leicht ranzig. Es schmilzt bei 42—45°, erstarrt
bei 32° und besteht aus Oleodistearin.
K. dient zur Seifenfabrikation sowie zur Ver-
fälschung von Sheabutter. — Zoll: S. Tarif
Nr. 171.

Kolanüsse (Colanüsse, Gurunüsse, lat.
Nuces colae, frz. Noix de coula, engl. Cola
nuts), die Sam en der in Westafrika, besonders
auch Deutsch-Kamerun, heimischen Stercu-
lia acuminata, sind zu je 5 in dem safti-
gen Fruchtfleische eingebettet und besitzen
eine runzelige, rotbraune, bisweilen schwarz
gefleckte Schale. Die 3—5 cm langen und
2—3 cm breiten Samen sind innen hellbraun,
besitzen einen bitter aromatischen Geschmack
und enthalten nach König 9,22% Protein,
1,35% Fett, 2,75% Gerbstoff, 2,75% Zucker,
43,83o/o Stärke, 15,06% Extraktstoffe, 7,85%
Rohfaser, 3,05% Asche. Als charakteristische
Bestandteile finden sich 0,05% Theobromin,
2,16% Kaffein und ein Glukosid (Kolanin),
das unter der Einwirkung eines Fermentes,
schon beim Trocknen, in Kaff ein, Theobromin
und Gerbstoff, sowie ein Spaltungsprodukt
des letzteren, das Kolarot, zerfällt. K. wer-
den im Ursprungslande als nervenerregendes
Genußmittel zur Vertreibung von Hunger und
Ermüdung verzehrt und neuerdings in Eu-
ropa als Zusatz zu Schokoladen und Likören
vielfach verwandt. Verschiedene Arten sog.
falscher Kola von Heritiera littoralis, Gar-
cinia-Kola u. a. unterscheiden sich von der
echten durch die geringere Größe der Stärke-
körner, die mehr kreisrunde und abgeplattete
Form der Samen und das gänzliche Fehlen
des Kaffeins. — Zollfrei.

Kolchizin (lat. Colchicinum, frz. Colchicine),
der giftige Stoff der Herbstzeitlose, Col-
chicum autumnale, gehört zu den Alka-
loiden und wrird gewöhnlich aus dem Samen
der Pflanze dargestellt. Das K. konnte bisher
nur als gelblichweißes Pulver von sehr bitte-
rem Geschmack erhalten werden. Es ist
leicht löslich in Wasser, Weingeist und
Chloroform, schmilzt bei 143—147° und er-
starrt beim Erkalten zu einer glasartigen
Masse. Leicht zu erkennen ist das K. daran,
daß seine Salpetersäure Lösung durch sehr
vorsichtiges Hinzufügen einiger Tropfen
Schwefelsäure eine vorübergehende violette
Färbung annimmt. Es wird in kleinen Mengen
medizinisch verwendet. — Zollfrei.

Kollodium (Collodium) nennt man die
Auflösung von K.-Wolle (Dinitrozellu-
lose) in Äther-Alkohol. Die Kollodiumwolle
(Kolloxylin) wird in ähnlicher Weise wie die
Schießbaumwolle (Pyroxylin) herge-
stellt, jedoch läßt man die entfettete Baum-
wolle nur solange in dem Nitrierungsgemisch
von Salpeter- und Schwefelsäure liegen, bis
sie sich eben in Äther-Alkohol löst, da bei
längerer Einwirkung die Trinitrozellulose
(Pyroxylin) entsteht. Die Kollodiumwolle
wird dann mit Wasser von den Säuren be-
freit und getrocknet und darauf sofort in Al-
kohol-Äther gelöst. Das IC. ist eine dickliche,
wasserhelle oder schwach gelbliche Flüssig-
keit, welche beim Verdunsten an der Luft ein
dünnes, in Wasser unlösliches, durchsichtiges
und fest anhaftendes Häutchen hinterläßt.
Auf dieser Eigenschaft beruht seine Verwen-
dung in der Medizin zur Bedeckung von
Schnittwunden, Hautabschürfungen und fla-