﻿Kolonialwaren

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Koniferin

chen Geschwüren, für welche Zwecke man
ihm aber meist einen geringen Zusatz von
Terpentinöl oder Rizinusöl gibt, da das dann
entstehende Häutchen weit elastischer ist
(Collodium elasticum). Auch wird K. im
Gemisch mit Medikamenten wie Quecksilber-
sublimat oder Kantharidentinktur als ätzen-
des oder blasenziehendes K. angewandt.
Die Technik benutzt es zur Herstellung klei-
ner Luftballons, in der Fabrikation künst-
licher Blumen und für photographische
Zwecke. — Zoll: S. Tarif Nr. 381.

Kolonialwaren. Mit diesem Sammelnamen
bezeichnet man die große Klasse der Genuß-
mittel und Gewürze, z. B. Kaffee, Tee, Kakao,
Pfeffer, Zimt usw. Die Besprechung erfolgt
bei den einzelnen Artikeln.

Kolophonium (Colophonium, Geigen-
harz, frz. Colophone, engl. Colophony), das
gereinigte, von ätherischem Öl (Terpentinöl)
und Wasser befreite Harz von Fichten und
anderen Nadelhölzern, hinterbleibt bei dem
völligen Abtreiben des Terpentinöls aus dem
Terpentin durch Destillation mit oder ohne
Wasserdämpfe. Der Rückstand wird in offe-
nen Kesseln unter beständigem Umrühren so
lange geschmolzen, bis aller Wassergehalt
verdunstet ist, dann der Ruhe überlassen, und
das klare Harz vom Bodensatz abgeschöpft.
Das meist bräunlichgelbe bis gelbraune, bei
den französischen Sorten auch hellgelbe Harz
ist spröde und von glänzendem Bruch, er-
weicht bei 70°, schmilzt bei zirka 100° und
verbrennt mit rußender Flamme. Das spez.
Gew. beträgt 1,070. K. ist in Wasser unlöslich,
teilweise löslich in Petroläther, in fast allen
übrigen organischen Lösungsmitteln aber völ-
lig löslich. Seine Hauptbestandteile sind Harz-
säuren, besonders Abietinsäure oder bei
französischem Harz Pimarsäure. Bei der
trockenen Destillation entstehen neben Essig-
säure und Pinolin, welches unter dem Na-
men Harzessenz als Terpentinölersatz be-
nutzt wird, besonders Harzöle, die als
Schmiermaterial dienen, und Pech. K. findet
vielfach Anwendung zur Darstellung von
Seife (s. d.), zum Leimen von Papier (s. d.),
zum Pichen der Fässer, zur Fabrikation von
Siegellack, zum Löten, zu Firnissen und Pfla-
stern. Neuerdings werden aus K. durch
Kochen mit Blei- oder Manganoxyden auch
schnell trocknende Resinate (Sikkative) her-
gestellt. — Zollfrei.

Koloquinten (lat. Fructus colocynthidis, frz.
Coloquintes, engl. Colocynth apples), die ge-
trockneten und meist geschälten Früchte der
Koloquintengurke (Cucumis Colocyn-
this), einer einjährigen, zur Gurken- und
Kürbisfamilie gehörigen Pflanze, die in
Syrien, Arabien, Ägypten, Cypern und Spanien
wild wächst, auch zum Teil angebaut wird, be-
sitzen die Größe einer Apfelsine und sind mit
einer gelblichen oder bräunlichen pergament-
artigen Schale bedeckt. Geschält und ge-
trocknet erscheinen sie ganz weiß oder gelb-
lich und auffallend leicht, da die trockene
Fleischmasse eine dem Holundermark ähn-
liche Struktur hat. Die im Inneren mit zahl-

reichen gurkenkernähnlichen Samen ange-
füllten Früchte finden sich im Handel, sowohl
in ganzer unversehrter Form, als stark zu-
sammengedrückt und mit Bruchstücken ge-
mengt. Die Droge ist ausgezeichnet durch
ihren Gehalt an dem bitter schmeckenden
Glukoside Kolozynthin, das sich mit an-
deren Stoffen durch Wasser wie durch Alkohol
ausziehen läßt und die heftig purgierende,
in größeren Gaben stark giftige Wirkung be-
dingt. Wegen ihrer Giftigkeit werden die
K. kaum noch als Purgiermittel, sondern
hauptsächlich in Abkochungen zum Töten
von Wanzen in Bettstellen und zur Fern-
haltung derselben unter Tünche und Tapeten-
kleister usw. verwendet. Man unterscheidet
im Handel ägyptische Ware als die beste,
mit den größten, wenig Samen enthaltenden
Früchten, ferner syrische und cyprische, die
kleiner, schwerer und vielsamiger sind. Zur
Erleichterung des Pulverisierens werden die
von den unwirksamen Samen befreiten
Früchte mit Tragantschleim vermengt, wieder
getrocknet und dann zerstoßen. Neuerdings
benutzt man aber meist das alkoholische Ex-
trakt. — Zollfrei.

KolumboWurzel (Ruhr wurzel, Cal umba-
wurzel, lat. Radix Columbo, frz. Racine
de Colombo, engl. Calumba root) ist die
rübenförmige Wurzel eines rankenden Ge-
wächses, Menispermum palmatum (Ja-
trorrhiza palmata), das in den Wäldern der
Ostküste Südafrikas wild wächst und jetzt
in Ostindien, auf Isle de France, den Sechel-
len- und Maskareneninseln auch kultiviert
wird. Die Ware kommt meistens in Quer-
scheiben geschnitten in den Handel, die 2Vz
bis 31/2 cm Durchmesser und 3—9 mm Dicke
haben und durch das Trocknen doppelt kon-
kav geworden, wie sonst durch Einschrumpfen
deformiert sind. Das Innere der Wurzel ist
sehr mehlig, ihr Geschmack schleimig und
intensiv bitter, dabei aromatisch und etwas
scharf. Die Droge ist ein gesuchter Handels-
artikel geworden, der als Mittel gegen Ruhr
und Diarrhöen beliebt ist. Es kommen daher
auch Beimengungen andrer Pflanzenwurzeln
vor, die bei Kenntnis der echten leicht auf-
zufinden sind. Man verwendet die K. in
Form von Abkochungen und Extrakt. Als
charakteristische Bestandteile enthält sie
einen kristallisierbaren, indifferenten Bitter-
stoff, das Kolumbin (aus einem Kilo Wurzel
bis zu 4 g), ferner eine eigentümliche Säure,
die Kolumbosäure, jedoch entgegen den
früheren Angaben kein Berberin. — Zollfrei.

Kongorot, ein Teerfarbstoff aus der
Gruppe der Azofarbstoffe, wird durch Kom-
bination von Benzidin und Naphtionsäure
erhalten. In Wasser und in Alkohol ist das
K. mit roter Farbe löslich, die Lösungen wer-
den durch Zusatz von Säuren blau. Baum-
wolle, in der wässerigen Lösung mit oder
ohne geringen Seifenzusatz gekocht, färbt sich
waschecht rot. — Zollfrei.

Koniferin (lat. Coniferinum), eine zur
Gruppe der Glukoside gehörige chemische
Verbindung, wird aus dem Kambial-Safte der