﻿Koprolithen

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Korallen

nach dem Ausgraben äußerlich und behandelt
sie dann mit Ätzlauge, so kommt die mit
Pusteln versehene Fläche, Gänsehaut, zum
Vorschein, die als ein Zeichen der Güte an-
gesehen wird. Mozambique- und Mada-
gaskar-K. ähneln dem Sansibar-K., sind aber
oft von Fremdkörpern durchsetzt. 2. West-
afrikanische Kopale: Sierra-Leone-K.
kommt in kleinen dunklen, unreinen Stücken
in den Handel, welche an Qualität dem
Sansibar-K. fast gleich sind, Kiesel-K. in
runden, wallnußgroßen Stücken. Kongo-,
Angola-, Benguela-K. bilden unregel-
mäßige, flache und runde Stücke, welche
außen meist mit dunkler Kruste versehen,
innen aber glashell und rein sind. Unechte
oder weiche K., also nicht fossile Harze
darstellend: 1. Kauri-K., ein halbfossiles
Harz, von der Kauri-Fichte, Dammara australis,
wird auf Neuseeland und Neukaledonien ge-
graben, an Stellen, wo früher Dammarwälder
gestanden haben. Es bildet verschieden große,
glashelle bis gelbbraune Stücke. 2. Manila-
K., fälschlich auch westindischer K. genannt,
kommt aus Ostindien in den Handel und
bildet sehr verschieden große, weißlichgelbe
bis braune Stücke. Zerrieben gibt er einen
dillähnlichen Geruch ab. — Die K. werden
verwendet zu fetten Firnissen, die Leinölfirnis
und Terpentinöl enthalten, und namentlich zu
Lacken. Die echten K. lösen sich in den ge-
wöhnlichen Lösungsmitteln nicht, sondern
müssen erst bei einer Temperatur von 300
bis 350° C geschmolzen werden. Kopalpulver,
welches monatelang der Luft und dem Tages-
licht ausgesetzt worden ist, löst sich zum Teil
in Alkohol. Manila-K. löst sich in Alkohol
bis zu 90°/o, unter Hinterlassung eines zähen,
schmierigen Rückstandes. Zur Herstellung
von Schleif-, Wagen- oder Fußboden-, über-
haupt feinen Lacken sind nur die echten K.
zu verwenden, während Kauri- und Manila-K.
u. a. zu Möbellacken gebraucht werden. —
Zoll: K. ist zollfrei. Kopallacke, Kopallack-
firnisse: 25 M.

Koprolithen (Kotsteine) sind die ver-
steinerten Exkremente vorhistorischer Tiere,
bräunliche, zapfenartige Steine von etwa
Pflaumengröße oder größere Klumpen, die
wegen ihres Gehaltes an phosphorsaurem
Kalk als Düngemittel verwendet werden. Sie
finden sich besonders im Süden und Westen
Englands, in den Grafschaften York und
Suffolk und namentlich Cambridge, an gün-
stigen Stellen in etwa 20 cm dicken Schichten
und werden in einer Art abgebaut, die mit der
Bemsteingräberei große Ähnlichkeit hat. Die
Brocken werden auf Maschinen gewaschen,
gemahlen und dann auf Superphosphat ver-
arbeitet (s. d.). In Deutschland kennt man
vereinzelte Lagerstätten, z. B. bei Degerloch
„ he von Stuttgart. — Zollfrei.

Korallen (Corallen, frz. Coraux, engl,
coralsh Unter den zahlreichen, kalkige Ge-
häuse bauenden Polypen hat die Edel- oder
Blutkoralle (Isis nobilis oder Coral-
lum rubrum, frz. Corail) als Lieferant eines
schonen Materials zu Schmuckwaren einen be-

sonderen Wert. Die Heimat der K. ist das
Mittelländische Meer, wo sie sich an den Fest-
lands- und Inselküsten auf Felsengrund und
Vorsprüngen steiler felsiger Küsten meist in
beträchtlicher Tiefe des Meeres ansiedelt.
Der Polypenstock, d. h. der mineralische
Träger einer Menge einzelner Schleimtierchen
wächst durch die nach innen gerichtete Aus-
scheidung von Kalkmasse zu einem ge-
drungenen Bäumchen mit Ästen aus, das
nur 38—40 cm hoch und bis zu 2V2 cm stark
wird. Die Masse der K. besteht haupt-
sächlich aus kohlensaurem Kalk nebst etwas
kohlensaurer Magnesia und Eisenoxyd. Der
rote Farbstoff ist hauptsächlich organischer
Natur. Im lebenden Zustande ist dieses feste
Gerüst mit einem roten, häutigen, aus Kalk
und animalischer Substanz bestehenden Über-
zug umgeben, in welchen die Einzeltierchen,
von unten nach oben sich vermehrend, ein-
gebettet sind. Die animalische, eigentlich aus
den Tierleibern selbst aufgebaute Scheide,
die ein weißer, milchiger Nahrungssaft durch-
zieht, bröckelt außerhalb des Wassers nach
dem Abtrocknen leicht und wird meist sofort
nach dem Einsammeln durch Abreiben und
Waschen entfernt. Die meisten und besten K.
finden sich an der afrikanischen Küste
zwischen Algier und Tunis, außerdem bei den
Balearen, an den Küsten von Spanien, Frank-
reich, Korsika, Sardinien, Sizilien und Neapel.
Die Örtlichkeiten des Vorkommens sind in der
Regel schon seit langen Zeiten bekannt und
werden zur Sicherung eines regelmäßigen Er-
trages immer erst nach zehn Jahren von
neuem abgeerntet. Zum Heraufholen bediente
man sich früher primitiver Schleppnetze, jetzt
aber meist der Taucher. Aus der eingebrach-
ten Ernte werden erst die größten und schön-
sten Exemplare als Kabinettstücke ausgesucht,
und dann das übrige so ausgestückelt, wie
dies die zweckmäßigste Verwendung an die
Hand gibt. Die rohe Ware zerfällt in folgende
Sorten: tote oder faule K., mit minerali-
schem und animalischem Niederschlag über-
zogen, im Werte von 5—20 Fr. pro kg,
schwarze K., durch Lagern in Schlamm ge-
schwärzt, im Werte von 12—15 Fr.; die
gewöhnliche, lebend gefangene Ware, in
Kisten, 45—70 Fr.; auserwählte, besonders
dicke und rosenrote Stücke 400—500 Fr. und
endlich sehr seltene weiße K. Man über-
arbeitet zuvörderst die rohen Stücke aus dem
Groben mit Raspeln und Feilen und schleift
sie dann auf Schleifscheiben mit immer
feinerem Schmirgel. Aus den hinreichend
großen Stücken fertigt man Stockknöpfe,
Messerhefte u. dergl., aus den kleineren
Schmucksachen verschiedener Art, wie runde,
ovale, bimförmige und unregelmäßige Perlen
zu Halsbändern, Paternostern, Knöpfe, Ein-
sätze von Nadeln und Broschen. Die Farben
variieren vom tiefsten blutrot und schönen
zinnoberrot bis zum blaßrosa. Früher waren
die dunkelsten Farben die beliebtesten, später
hat sich der Geschmack hierin geändert. In
Europa hat die Vorliebe für K. ziemlich ab-
genommen, obschon ab und zu versucht wird,