﻿Kreosot

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Kresolrot

mit papiernem Überzüge, benutzt. Der Ver-
brauch von K., besonders geschlämmter, ist
sehr bedeutend und mannigfaltig. Man ge-
braucht sie für sich, wie anderen Farbstoffen
zugesetzt zu Anstrichen, und zwar meist als
Leimfarbe; ferner dient sie als sog. Leim-
oder Kreidegrund zur Unterlage von Vergol-
dungen und Lackfarbenanstrichen, zu Kitten,
Kreidepapier, als Grundmasse zu Schüttgelb
usw. Auch in der chemischen Großindustrie
wird K. gebraucht, besonders bei der Glas-
bereitung, in den Färbereien und zur Ent-
wicklung von Kohlensäure. Feine, mehrmals
geschlämmte K. dient zum Putzen von Silber-
geschirr. — Bologneser K. ist eine sehr
leichte und feine Masse, die in Stücken von
der Form und Größe von Backsteinen ver-
sandt wird, ähnlich die Champagner-K. —-
Außerdem führen im Handel noch einige
andere, nicht aus kohlensaurem Kalk be-
stehende Naturprodukte den Namen K.
Die sog. spanische K. (venetianische,
Briangoner), zum Fleckenausmachen die-
nend, ist eine Art Speckstein (s. d.), gelbe
und rote K. nennt man zuweilen den gelben
Ocker und den Rötel. Schwarze K.
(frz. Crayon noire) ist eine feinmassige, durch
Kohlenstoff schwarz gefärbte Art Tonschiefer,
der in der Mineralogie den Namen Zeichen-
schiefer führt und auf dem Längenbruch
schiefrig, im Querbruche feinerdig und bald
gräulich, bald bläulichschwarz erscheint. Sie
findet sich unter anderem bei Ludwigsstadt
im Fichtelgebirge, um Nürnberg, Osnabrück,
in Frankreich, Spanien, am schönsten in
Italien. Aus den nutzbaren Stücken werden
mit Spalthammer und feinen Sägen die zum
Zeichnen dienenden Stängelchen geformt. Sie
arbeiten am besten, müssen aber zur Ver-
meidung des Hartwerdens an einem feuchten
Orte aufbewahrt werden. Zu den gewöhn-
lichen Stiften wird das Mineral gepulvert,
geschlämmt und mit Gummiwasser zu einem
Teig angemacht. Die hieraus geformten run-
den oder vierkantigen Körper, die nach dem
Trocknen lackiert werden (Pariser Stifte),
färben wegen des Bindemittels nicht so gut
ab als die naturellen. — Zoll: Kreide roh
ist zollfrei. Kreide geschlämmt 0,40 M.
Kreidestifte s. Tarif Nr. 340. Spanische K.
ist zollfrei. Spanische K. geschnitten oder
geformt 6 M. Schieferstifte sind zollfrei.

Kreosot (lat. Kreosotum, frz. Cröosote,
engl. Creosote) ist eine aus dem Holz-
teer, namentlich dem Buchenholzteer
durch fraktionierte Destillation gewonnene
Flüssigkeit von starkem, der Karbolsäure ähn-
lichem Gerüche und brennend scharfem Ge-
schmack. K. stellt im frischen Zustande ein
farbloses öl dar, wird aber durch Einwirkung
des Lichtes und der Luft bald gelblich und
schließlich rötlichbraun. Es besteht seiner
Hauptmasse nach aus Guajakol und Kreo-
sol, neben welchen in kleinerer Menge
Kresol, Methylkresol, Xylenol u. a. Vor-
kommen. Unter dem Namen Kre osotöl
oder Steinkohlen-Kreosot kommt das
rohe, schwere Steipkohlenteeröl in den Handel,

welches zur Darstellung von Karbolsäure und
Kresol, sowie zum Kreosotieren des Holzes
verwendet wird. Das K. wirkt nämlich ebenso
konservierend wie die Karbolsäure und wird
außerdem, speziell das Buchenteerkreosot,
als ausgezeichnetes Mittel, z. B. gegen tuber-
bulöse Krankheiten, medizinisch verwendet.
— Zollfrei.

Kreolin nennt man eine dunkelbraune,
dickflüssige, ölige, der Karbolsäure ähnlich
riechende Flüssigkeit, die wie jene als Des-
infektionsmittel Verwendung findet und vor
der Karbolsäure den Vorzug hat, daß sie nicht
so reizend auf die Haut wirkt. Sie besteht als
ein Nebenprodukt der Karbolsäurefabrikation
aus den in Natronlauge schwer löslichen höhe-
ren Phenolen und Phenoläthern des Teers,
sowie aus kleineren Mengen Pyridinbasen und
Naphthalin und erhält meist einen Zusatz
von Seife, um eine bessere Verteilung in
Wasser zu ermöglichen. Der Name ist der
Firma Pearson geschützt. — Zollfrei.

Kreosol (Creosol), nicht zu verwechseln
mit Kresol (s. d.), ein im Buchenholzteer
enthaltener Phenoläther bildet eine farblose,
stark riechende Flüssigkeit vom Siedepunkt
220° C. -— Zollfrei.

Kreosotal (Kohlensaures Kreosot,
lat. Kreosotum carbonicum) entsteht durch
Einwirkung von Chlorkohlenoxyd auf Kreosot-
natrium als ein gelbes öl, welches nur sehr
wenig nach Kreosot riecht und schmeckt,
außerdem nicht ätzt und daher mit Vorteil
als Ersatz des Kreosots in der Medizin be-
nutzt wird. — Zollfrei.

Kresol (Cresol, Kresylsäure, Kresyl-
alkohol), eine dem Phenol sehr ähnliche
und nahestehende Substanz, ist einer der
Hauptbestandteile des Buchenholzteerkreosots
und findet sich neben dem Phenol im Braun-
kohlen- und Steinkohlenteer. Phenol und K.
lassen sich nur durch wiederholte sorgfältige
fraktionierte Destillation voneinander trennen
(vergl. Karbolsäure). Reines K. ist frisch be-
reitet eine farblose, ölige Flüssigkeit von
starkem Kreosotgeruche. Man hat im Teer
drei verschiedene Kresole, die gewöhnlich in
der Handelsware gemengt vorhanden sind,
und von denen das Orthokresol bei 188°,
das Parakresol bei 199° und das Meta-
kreosol bei 201° siedet. Sie mischen sich
nicht mit reinem, lösen sich aber leicht in
ammoniakhaltigem Wasser. Am Lichte und
der Luft färbt sich das K. bald rot und
braun, und in der Regel erhält man es im
Handel schon als braune Flüssigkeit. Man
verwendet das reine K. zur Darstellung von
Saffransurrogat (s. d.), von Kresotin-
säure und Viktoriaorange, phenolhaltiges
K. dagegen zur Fabrikation von Korallin
(s. d.) und einiger anderer Farben. Die
Hauptanwendung beruht aber in der Her-
stellung von Desinfektionsmitteln, wie Kre-
solseifen, Saprol, Solveol, Lysol, Sana-
tol. Seine bakterientötende Wirkung ist
größer als die des Phenols. — Zollfrei.

Kresolrot (Cresolrot), ein zur Gruppe der
Azofarben gehöriger, seit 1878 im Hände.)