﻿Kümmel

Krotonöl	255

Farbe, ist ein Natroneisenoxydulsilikat und
wird seit 1882 in den Achatschleifereien zu Idar
und Oberstein verarbeitet und als Schmuck-
stein benutzt. Man findet ihn bei Golling
im Salzkammergut, bei Stavärn in Norwegen,
in Grönland und im Kaplande. — Zollfrei.

Krotonöl (Crotonöl, lat. Oleum crotonis,
frz. Huile de croton Tiglium, engl. Croton oil),
das fette Öl der bohnengroßen Samen mehrerer
ostindischer, baumförmiger Wolfsmilch-
arten, besonders Croton Tiglium undElu-
teria, (Granatill- oder Purgierkörner),
kommt entweder direkt von Ceylon, Madras,
Bombay und Java, oder auf dem Umwege
über England in den Handel. Das direkt ein-
geführte öl besitzt, weil aus gerösteten Kör-
nern heiß gepreßt, eine dunkle Bernstein-
farbe, während in Deutschland und England
durch kalte Pressung ein helleres Produkt
erhalten wird. K. ist ein fettes, dem Rizinusöl
an Konsistenz ähnliches, aber bald dicker
werdendes Öl von unangenehmem Geruch
und anfangs mildem, später brennend schar-
fem Geschmack. Es ist in dem doppelten
Volum absoluten Alkohols völlig, in 90proz.
Alkohol nur teilweise löslich und durch sein
hohes spez. Gew. 0,940—0,960 von den übri-
gen Fetten unterschieden. In chemischer
Hinsicht enthält K. neben bekannten Fett-
säuren auch Tiglinsäure und als wirksame
Bestandteile Krotonol und Harz. Es wirkt
auf Schleim- und Oberhaut ätzend und Ge-
schwüre erregend, innerlich als heftiges Ab-
führmittel, in größeren Dosen aber brechen-
erregend und giftig. Zur medizinischen Ver-
wendung gelangt daher fast nur eine Ver-
dünnung mit anderen Ölen. K. wie auch die
Samen und alle Abfälle sind mit äußerster
Vorsicht zu handhaben, unter den starkwirken-
den Mitteln aufzubewahren und nur auf ärzt-
liche Verordnung abzugeben. — Zoll: S. Tarif
Nr. 166/67. Samen zollfrei.

Kryolith (Eisstein, frz. Kryolithe, engl.
Kryolite), ein technisch außerordentlich wert-
volles Mineral von der Südküste Grönlands in
Arksudfjord, besteht aus eis- oder porzellan-
ähnlichen weißen Massen von blättrig-kristal-
linischem Gefüge und ist in chemischer Hin-
sicht als eine Doppelverbindung von Fluor-
natrium-Fluoraluminium anzusprechen. Beim
Glühen oder Kochen mit Kalk entsteht neben
unlöslichem Fluorkalzium Natriumaluminat,
welches das Ausgangsmaterial zur Herstellung
von Tonerde und Natriumverbindungen lie-
fert. Kocht man nämlich die Lösung des Na-
triumaluminates mit neuen Kryolithmengen,
so fällt reine Tonerde aus, und Fluornatrium
geht in Lösung, um dann durch Kochen mit
Kalk neben dem wertlosen Fluorkalzium Ätz-
natron zu geben. Leitet man andererseits
in die Natriumaluminatlösung Kohlensäure
ein, so erhält man in Lösung direkt Soda,
neben ungelöster reiner Tonerde. Die letz-
tere dient zur^ Darstellung von Alaun und
met. Aluminium. Ohne weitere Vorberei-
tung findet der K. in der Seifenfabri-
kat lori Anwendung, die eine aus heißer
Kryolithlösung und Kalk hergestellte Lauge

direkt mit Fetten versiedet, sowie auch zur
Herstellung von Milchglas und Email. —
Zollfrei.

Kubeben (Kubebenpf eff er, Schwanz-
pfeffer, Schwindelkörner, lat. Cubebae
seu Fructus cubebae seu Piper caudatum, frz.
Cuböbes, engl. Cubebs) sind die nicht völlig
reifen Früchte einer besonderen Pfefferart,
Piper Cubeba, die als ein rankender
Strauch in Ostindien und auf einigen zu-
gehörigen Inseln wächst und namentlich auf
Java im großen kultiviert wird. Sie bilden
schwärzlichgraue, dem eigentlichen Pfeffer an
Größe ähnliche Körner, die jedoch nicht so
schwarz gefärbt und netzartig gerunzelt sind.
Von ihrem gedrehten, nicht leicht abzu-
brechenden Stiel, der etwas länger als die
Frucht ist, haben sie den Beinamen ge-
schwänzter Pfeffer erhalten. Die Frucht
wird vor der völligen Reife gesammelt und
gewöhnlich gepulvert in den Handel gebracht.
Das rotbraune Pulver riecht stark und eigen-
tümlich gewürzhaft, schmeckt ebenso und da-
bei pfefferartig brennend, widerlich und lange
anhaltend. Als charakteristische Bestandteile
enthält es harzartige Kubebensäure, Ku-
bebin und ein ätherisches Öl (12—16°/o).
Das Kubebenöl (lat. Oleum Cübebarum) ist
farblos und hat ein spez. Gew. von 0,915 bei
15 C. Die K. finden in Pulverform und als
Extrakt medizinische Anwendung gegen Trip-
per, haben aber unangenehme Nebenwirkung
auf das Verdauungssystem und rufen in stär-
keren Dosen Vergiftungserscheinungen her-
vor. Bisweilen werden an Stelle der K.
ähnlich aussehende Früchte anderer Pflanzen,
z. B. Kreuzdornbeeren u. a. verkauft. Beson-
ders auf dem englischen Markte tauchten
vor einigen Jahren falsche K. auf, die aus
China und Kotschinchina stammten und nur
daran zu erkennen waren, daß sie sich leicht
in ihre beiden öligen Samenlappen zerteilen
ließen. Sie sollen von Daphnidium Cube-
bae herrühren. Alle diese untergeschobenen
Produkte sind frei von Kubebin und unter-
scheiden sich von den echten dadurch, daß
sie sich1 nicht, wie letztere mit konz. Schwefel-
säure rot färben. — Zollfrei. Kubebenöl 30 M.

Kümmel (lat. Fructus seu Semen carvi, frz.
Semences de carvi. engl. Caraway seed)besteht
aus den auseinandergefallenen Teilfrücht-
chen von Carum Carvi. der Kümmel-
pflanze, die zwar auf allen Wiesen und
Triften zu finden ist, meist aber von angebau-
ten Pflanzen gesammelt wird, um den Bedarf
decken zu können. Die Kümmelpflanze ist ein
zweijähriges Doldengewächs, und ihre Frücht-
chen, deren Geruch und Geschmack erst am
trockenen K. völlig hervortreten, unterscheiden1
sich kaum von denen anderer Umbelliferen.
Das riechende und schmeckende Prinzip ist
das ätherische Öl, welches seinen Sitz zwischen
den Rippen der Früchtchen in besonderen
Behältern der Oberhaut hat. Der angebaute
K. ist größer, ölreicher und wohlschmecken-
der als der wilde. Die Pflanze verlangt
einen guten, tiefgründigen Boden, in den sie
mit starker Pfahlwurzel tief hinabgeht und