﻿Kümmellikör

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Kumarin

verbleibt zwei Jahre im Felde. Die Samen
werden entweder zeitig im Frühjahr oder bes-
ser schon im Herbst vorher in Samenbeete
gesät, und die Pflanzen reihenweise in den
Acker versetzt, der dann bis zur Ernte im
nächsten Sommer wiederholt behackt und
gereinigt werden muß. Der K. reift sehr un-
gleich und fällt sehr leicht aus. Man zieht
daher die Pflanzen, wenn die Körner der
obersten Zweige reif sind, behutsam aus,
klopft sie etwas über Tüchern ab und erhält
so den vollkommensten und schwersten Sa-
men. Dann werden die Pflanzen gebündelt,
zum Nachtrocknen aufgestellt und schließlich
ausgedroschen. K. baut man im großen in
Holland und in einigen Gegenden Deutsch
lands, namentlich bei Halle, Lützen, Erfurt.
Hamburg, Nürnberg. Auch Polen, Rußland
Schweden und Norwegen sowie Finnland
liefern K., jedoch geringere kleinkörnige
Ware, welche meistens über Stettin und Lü-
beck eingeführt wird. Die Hallische und
nach ihr die holländische gilt als die beste
und teuerste. Die wichtigsten Bestandteile
sind ätherische Öle, Stärke, Zucker und Ex-
traktstoffe. Verwendet wird K. bei Blähungen
und zur Bereitung des Kümmelöls, ferner na-
mentlich als Gewürz zu Speisen und Gebäck
und zur Bereitung von Kümmelschnäpsen und
Likören, jedoch wird er für letzteren Zweck
mehr und mehr durch das Kümmelöl ver-
drängt. Beim Einkauf muß vor einer sehr
häufig vorkommenden Verfälschung mit be-
reits ausgedämpftem, zur Ölbereitung benutz-
tem und wieder getrocknetem K., der selbst-
verständlich geruchlos und geschmacklos ist,
gewarnt werden. — ZolJ: 4 M., s. Tarif Nr. 22.

Kümmellikör (Kümmelschnaps, Küm-
mel) wird fast nur auf kaltem Wege aus
Kümmelöl oder aus Karvol, Feinsprit, weißem
Zuckersirup und Wasser, selten noch direkt
aus Kümmelsamen durch Destillation be-
reitet. Man unterscheidet einfachen und
Doppelkümmel, von denen der letztere stärker
und süßer ist und auch mehr Kümmelöl ent-
hält. Durch Zusatz anderer ätherischer öle
oder Pflanzenauszüge wird der Geruch und
Geschmack dieses Likörs etwas verändert, die
dann entstehenden Sorten führen besondere
Namen, wie z. B. Berliner Getreidekümmel.
Münsterländer Kümmel usw. — Zoll: S. Tarif
Nr. 178/79. ..

Kümmelöl (lat. Oleum carvi, frz. Essence
de carvi, engl. Caraway oil), das ätherische
öl der Kümmelfrüchte, bildet einen Haupt-
artikel der Fabriken ätherischer öle. Es ist
frisch bereitet eine wasserhelle, ölige Flüssig-
keit von intensivem Kümmelgeruch und -ge-
schmack. Das spez. Gew. schwankt zwischen
0,905—0,910, die spez. Drehung beträgt +70
bis + 80 . Seiner chemischen Zusammen-
setzung nach ist das K. ein Gemenge eines
Kohlenwasserstoffs, Karven (Rechtslimonen)
mit einem sauerstoffhaltigen öl Karvon (Kar-
vol). Beide lassen sich durch fraktionierte
Destillation trennen, wobei das Karven zuerst,
das schwerer flüchtige Karvon später über-
geht. Das letztere bildet einen besonderen

Handelsartikel und wird unter dem Namen
leichtlösliches K. zu höherem Preise ver-
kauft. Die Bezeichnung „leichtlöslich“ be-
zieht sich darauf, daß Karvon sich in einer
Mischung von gleichen Teilen 95prozentigem
Alkohol und destilliertem Wasser klar und
ohne Trübung auflöst. Wegen dieses Ver-
haltens bleiben die mit Karvon bereiteten
Liköre völlig klar, während mit gewöhnlichem
K. hergestellte trübe werden und filtriert
werden müssen. Es ist daher ratsam, stets
nur die feinsten Qualitäten K. zu verwenden.
Außer zu diesem Zwecke benutzt man das
K. auch noch medizinisch gegen Magen-
krampf, äußerlich zu Einreibungen, sowie mit
anderen Ölen gemengt zum Parfümieren von
Seifen. In einigen Gegenden, namentlich in
Thüringen, wird auch aus dem wild wach-
senden Kümmel Öl destilliert und unter dem
Namen Wiesenkümmelöl verkauft, sowie
aus dem bei der Ernte des Kümmels ent-
stehenden Abfall eine sehr geringwertige
Sorte, das Kümmelspreuöl, hergestellt.
Das letztere findet in der Seifenfabrikation
Verwendung. Das K. ist sehr häufig Ver-
fälschungen unterworfen. Außer der Bei-
mengung der schon genannten geringwer-
tigen Öle finden sich Zusätze von Alkohol,
Tannenzapfenöl, Fichtennadelöl und rektifi-
ziertem Terpentinöl. Reines K. muß sich
in seinem gleichen Gewichte Alkohol von
85°/o klar lösen, zwischen 175 und 230° C
überdestillieren (ohne Wasser) und eine
Rechtsdrehung von 75—80° zeigen. Es ist
in sehr gut verschlossenen, möglichst voll
gefüllten Flaschen aufzubewahren, da es sehr
leicht verharzt, gelb wird und dann an Ge-
ruch und Wert verliert. — Zoll: 30 M.

Kürbis (lat. Fructus cucurbitae, frz. Ci-
trouille, Courge, engl. Gourd), die Frucht
der zu den Cucurbitaceen gehörigen
Pflanze Cucurbita pepo, enthält nach
König neben 90,3% Wasser noch 1,09%
Stickstoffsubstanz, 0,11% Fett, 1,12% Zucker,
1,09% Extraktstoffe, 0,75% Rohfaser und
0,45% Asche. Im Hinblick auf den hohen
Wassergehalt hat K. für die menschliche
Ernährung nur geringe Bedeutung und wird
höchstens als Kompott, meist aber als Vieh-
futter verwandt. Auch die von Muchel
vorgeschlagene Verwendung zur Spiritus-
fabrikation scheint keine Bedeutung erlangt
zu haben. — Zollfrei. K. eingemacht für den
Tafelgebrauch s. Tarif Nr. 216.

Kürbiskerne (Kürbissamen, lat. Semen
cucurbitae, frz. Semences de citrouille, engl.
Gourds seeds) enthalten 30—40% eines fetten
Öles (Kürbiskernöl), welches zu den lang-
sam trocknenden Ölen gehört, bei —15° er-
starrt und in frischem Zustande als Speiseöl
benutzt wird. Die gemahlenen Kerne finden
als Bandwurmmittel Anwendung, büßen
aber bei der Aufbewahrung ihre Wirksam-
keit ein. — Zollfrei. Kürbisöl s. Tarif Nr. 166/7.

Kumarin (lat. Cumarinum). Kumarin ist
der Stoff, welcher dem Waldmeister, den
Tonkabohnen, dem Steinklee den ange-
nehmen Geruch erteilt. Zu seiner Darstellung