﻿Kumidinrot

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Kupfer

benutzt man am besten die Tonkobohnen, auf
deren Oberfläche er sich sehr häufig aus-
kristallisiert findet. Jetzt wird das K. auch
künstlich dargestellt durch Einwirkung von
Essigsäureanhydrid auf Salizylaldehydnatrium
bei Kochhitze, Eingießen des Produktes in
Wasser und Destillation des abgeschiedenen
Öles. Das K. bildet angenehm riechende, farb-
lose Kristallnadeln, welche bei 67° schmelzen
und bei 291° unter Verflüchtigung sieden. Das
künstliche K. wird jetzt viel verwendet.
15 g desselben entsprechen der Wirkung von
1 kg Tonkabohnen. Es wird mit Vanillin zu-
sammen zu Cremes und Pralinds verwendet,
ferner in alkoholischer Lösung zur Verstär-
kung des Geruches des Weichselholzes und
zur Nachahmung des echten, sowie auch als
Parfüm für Toilettenseifen. — Zoll: 80 M.

Kumidinrot (Kumidinponceau, Pon-
ceau 3 R), ein zur Gruppe der Azofarben ge-
höriger Teerfarbstoff, ein dunkelrotes, in Wasser
mit kirschroter Farbe lösliches Pulver, welches
Wolle in sauerem Bade rot färbt und aus
dem Natronsalze der Kumidinazobetanaphtol-
disulfosäure besteht. Ponceau 4 R unter-
scheidet sich von dieser Farbe nur dadurch,
daß zur Herstellung anstatt des gewöhnlichen
rohen chemisch reines kristallinisches Kumi-
din verwendet wird. — Zollfrei.

Kumys (Kumis, Milchwein) ist ein
alkoholhaltiges Getränk, welches aus ge-
gorener Stutenmilch besteht und ursprüng-
lich in der Tartarei, später im südlichen Ruß-
land dargestellt wurde. Jetzt bereitet man es
auch in Deutschland aus Kuhmilch und ver-
wendet es medizinisch. S. Kefir. — Zoll:
S. Tarif Nr. 185.

Kunstwolle (frz. Laine artificielle, engl.
Shoddy and Mungo) wird aus den früher
als beinahe wertlos erachteten Lumpen her-
gestellt und in besonderen Fabriken ver-
arbeitet. Man unterscheidet hauptsächlich
zwei Sorten von Lumpenwolle, Mungo und
Shoddy. Die erstere stammt von gewalkten
Wollstoffen, Tuchen u. dgl. und ist kurz-
haarig, weil das Öffnen dieser Stoffe eine
gewaltsame Bearbeitung erfordert. Zu der an-
deren dienen gestrickte, gewirkte und gehäkelte
Lumpenzeuge, die sich leichter lösen und
einen längeren Faserstoff ergeben. Die Vor-
arbeit besteht in einem gründlichen Aus-
lesen unter Entfernung aller nicht wollenen
Teile. Bei gewissen Geweben, welche Baum-
wolle enthalten, wendet man eine Behandlung
mjt heißen Salzsäuredämpfen in geschlossenen
Räumen an, wodurch die Baumwolle zerstört
wird (Karbonisieren). Hierauf folgt das
Waschen und Reinigen auf der Putzmaschine,
das Sortieren nach den verschiedenen Farben
usf. Die Verarbeitung der maschinenfertigen
Lumpen geschieht auf einem sog. Wolf, von
welchem aus der Mungo direkt in Ballen
verpackt und an die Wollspinner versendet
wird, während der Shoddy noch, unter Ein-
olung mit Baumöl, eine Bearbeitung auf
einer Reißkrempel erhält, welche die Fasern
geradestreckt und zu einer losen Watte ver-
einigt. In manchen Fällen werden die Lum-
Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

pen nicht trocken, sondern naß oder selbst
unter Wasser bearbeitet, so daß also die
zerreißende Maschinerie in einem Wasser-
kasten steht. Neue Lumpen (Schneiderab-
fälle) werden für sich verarbeitet und geben
die beste Sorte Mungo. Gewöhnlich fabri-
ziert man aus einer besonderen Auslese neben
den beiden Kategorien noch eine dritte unter
dem Namen Extrakt. In den Spinnereien
werden dann diese Produkte im Gemisch mit
mehr oder weniger neuer Wolle versponnen,
lange Shoddys aus Strumpflumpen sogar allein,
und die Garne zu allen Geweben verwendet,
zu welchen Streichgarne gebraucht werden.
— K. ist zollfrei, Lumpen ebenfalls. Garne.
Gewebe s. Tarif Nr. 427 ff. 445 ff.

Kupfer (lat. Cuprum, frz. Cuivre, engl.
Copper). Das K., das einzige rote Metall,
steht seiner technischen Bedeutung nach
gleich hinter dem Eisen, welches es in der
Vielseitigkeit seine Anwendung sogar noch
übertrifft. Die Bekanntschaft mit dem Kupfer
und seiner wichtigsten Legierung, der Bronze,
reicht in früheste Zeiten zurück und ist
wahrscheinlich älter als diejenige mit dem
schwerer zu gewinnenden und zu behandeln-
den Eisen. Die Bezeichnung Cuprum. aus
welcher das deutsche K. entstanden ist, leitet
sich von der Insel Cypern oder Kypros (Aes
cyprium) ab, von wo die alten Ägypter und
Griechen ihr K. holten. Das- K. kommt in der
Natur teils gediegen, teils in Form verschie-
dener Erze vor. Gediegen K., das auf Gän-
gen und Klüften in Begleitung von Kupfererzen
und anderen Metallen, zuweilen kristallinisch',
häufiger in Platten, Blechen, verästelt oder
moosförmig auftritt, findet sich nur an zwei
Orten der Erde in größeren Massen, nämlich
am Ural und tiefer in Sibirien, im Kirgisen-
lande und in Nordamerika, am Oberen See.
An letzterem Fundorte sind bisweilen Stücke
von 1000—3500 kg zutage gefördert worden.
Von den Erzen kommen hauptsächlich folgende
inBetracht: Rotkupfererz oderKuprit aus
Australien besteht aus nahezu reinem Kupfer-
oxydul mit gegen 89°/o Metall. Ziegelerz ist
ist ein rotes erdiges Gemenge von Rot-
kupfererz und Brauneisenstein. Malachit
und Kupferlasur, welche in ihren besseren,
schön grün oder blau gefärbten Stücken als
Schmucksteine Verwendung finden, bestehen
aus wasserhaltigem Kupferkarbonat. Alle vor-
genannten Erze können' auf die einfachste
Weise durch Schmelzen mit Kohle, Kalk us_w.
zu Metall reduziert werden. Ihre Menge ist
jedoch im Verhältnis zu derjenigen der
Schwefelverbindungen unbedeutend. Kupfer-
glanz (Graükupfererz, Kupferglaserz,
Redruthit, Chalkosin), nahezu reines
Schwefelkupfer, enthält etwa 80% Metall.
Kupferkies (Chalkopyrit) ist ein Gemisch
von Schwefeleisen und Schwefelkupfer mit
35%’ K., Buntkupfererz (Bornit), eben-
falls ein Gemisch von Schwefeleisen und
Schwefelkupfer mit 56% K. Aus Chile kom-
men große Mengen eines Kupfersandes mit
60—80% Metall unter dem Namen Kupfer-
barilla auf den Markt, und außerdem wird

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