﻿Kupfer

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Kupfer

im Mansfeldischen und in Kurhessen ein
toniger und kalkiger, durch Kohle geschwärz-
ter Schiefer (Kupferschiefer) verhüttet,
welcher in feiner Verteilung geschwefelte
Kupfererze neben etwas Silber und Zink,
sowie Spuren von Nickel und Kobalt enthält.
Die Verarbeitung der Kupferschiefer, wie der
schwefelhaltigen Erze, beginnt mit einem
wiederholten Rösten und Schmelzen unter
Zusatz schlackenbildender Zuschläge. Hier-
durch wird der Schwefelgehalt so weit er-
niedrigt, wie der Bindung als Kupfersulfür
entspricht. Das erhaltene Zwischenprodukt,
der sog. Stein (Rohstein, Dünnstein,
Konzentrationsstein) wird dann durch
Schmelzen mit Kohle in Schwarzkupfer
übergeführt, das noch alle fremden Metalle
der Erze enthält. Zur völligen Entfernung
des Schwefels ist ein gewisser Gehalt an
Eisen erforderlich, der unter Umständen
durch absichtlichen Zusatz erhöht wird. Das
Schwarzkupfer kann neben kleinen Mengen
Schwefel, Eisen, Blei, Antimon, Arsen, Wis-
mut, Zink und Nickel, im günstigen Falle
auch etwas Silber enthalten, welches unter
Umständen durch Aussaigern (s. Silber)
gewonnen wird. Das rohe Schwarzkupfer
ist unverkäuflich und muß durch Glühen in
einem Flammenofen in Gar-K. übergeführt
werden. Hierbei werden die flüchtigen Me-
talle (Arsen, Antimon, Zink) in Dampfform
verjagt, die anderen zu abfließenden Schlacken
oxydiert, während das K. der Oxydation am
längsten widersteht. Das geschmolzene K.
wird nun gerissen, d. h. mit Wasser be-
sprengt, und die durch Abkühlung an der
Oberfläche entstehende feste Scheibe sofort
mit Haken fortgezogen. Durch abwechselndes
Bespritzen und Fortziehen, bis der Ofen er-
schöpft ist, erhält man das Rosettenkupfer.
Auch dieses ist trotz seines schönen roten
Aussehens noch nicht völlig rein und kann
nicht technisch verarbeitet werden, da ihm die
Hämmerbarkeit fehlt. Zur Beseitigung dieses
Übelstandes, welcher auf einem geringen Ge-
halte an Kupferoxydul beruht, folgt das in
einem nochmaligen Umschmelzen mit Kohle
bestehende Hammergarmachen. Das so
geläuterte K. wird sogleich zu prismatischen
Blöcken von 30—90 cm Länge ausgegossen,
welche Hartstücke heißen und in der Regel
mit der Marke des betreffenden Hüttenwerkes
gestempelt sind. Auf den Kupferhämmern,
die aber jetzt größtenteils Walzwerke sind,
werden die Blöcke zu Platten, Blechen
und Schalen verarbeitet. — Neben diesen
alten Kupferhüttenprozessen hat sich neuer-
dings in zunehmendem Maße ein nasses
Verfahren eingebürgert, welches auf der
Behandlung der Erze mit Säuren, Eisenchlorid
oder Ferrisulfat beruht. Aus den erhaltenen
Lösungen von Kupfersalzen wird durch Zu-
satz von Eisen oder auf elektrolytischem
Wege das metallische K. als sog. Zement-
kupfer abgeschieden. Schließlich wird die
Elektrolyse auch zur direkten Gewinnung des
K. aus seinen Erzen, sowie zur Raffination
des Schwarzkupfers verwandt. — In Europa

wird von den meisten Staaten mehr oder
weniger K. gewonnen. Die reichsten europäi-
schen Kupfergruben sind in England (Corn-
wall und Devonshire), doch wird ihre Aus-
beutung immer kostspieliger, weil der Be-
trieb mehr in die Tiefe geht. Die großen
englischen Hüttenwerke (Swansea) verarbei-
ten daher, ebenso wie die deutschen, neuer-
dings vielfach Kupferkiese aus Chile und
Bolivia. Große Mengen K. finden sich in
Australien, sowie in Nordamerika und Japan.
— Das K. besitzt als einziges von allen
Metallen eine schöne rote Farbe und er-
scheint in dünnen Blättchen im durchfallen-
den Lichte grün. Sein spez. Gew. beträgt
8,900, sein Atomgewicht 63,3. Das IC. schmilzt
bei Gelbglühhitze, gegen 1080°, eignet sich
aber nicht zum Gießen, abgesehen von ganz
einfachen Stücken, da es die Formen nur
unvollständig auszufüllen vermag und dem-
nach keine scharfen Formen liefert. Bei
höheren Temperaturen verdampft es etwas,
und die Dämpfe verbrennen mit schön grüner
Flamme. Das K. ist härter als Gold und Silber
und fast ebenso dehnbar wie diese, läßt sich
daher zu den feinsten Blättchen ausschlagen
und zu den dünnsten Drähten ausziehen. Kalt
gehämmert und getrieben wird es hart und
federnd, nimmt aber immer wieder seine
ursprüngliche Weichheit an, wenn es ge-
glüht und in Wasser abgelöscht wird. Die
hohe Leitfähigkeit für den elektrischen Strom
macht es für telegraphische Anlagen geeignet.
Das Metall nimmt schöne Politur an, die
in trockner Luft ziemlich beständig ist, an
feuchter Luft aber bald matter wird, weil sich
zunächst eine Schicht von nichtglänzendem
roten Kupferoxydul, später ein Überzug von
basischem kohlensaurenK. (Grünspan) bildet.
Beim Glühen an der Luft geht es in schwarzes
Kupferoxyd über. Von verdünnter Salzsäure
und Schwefelsäure wird K. nur wenig an-
gegriffen, hingegen von verd. Salpetersäure
unter Entwicklung von Stickoxyd und von
heißer konz. Schwefelsäure unter Entwick-
lung von schwefliger Säure gelöst. Auch
Ammoniak löst metallisches K. auf. — Das
K. findet außerordentlich mannigfaltige und
ausgedehnte technische Verwendung. Das
Rosetten- und Blockkupfer des Handels dient
zum Wiedereinschmelzen, zur Darstellung des
Messings, der Bronzen, des Rotgusses
oder Tombaks, des Argentans (s. d. Ar-
tikel) und anderer Legierungen, der Platten
und Bleche zu den Arbeiten der Kupfer-
schmiede, von Drähten zu Drahtwaren, Stiften
und Nägeln, sowie hauptsächlich zu elektri-
schen Leitungen. Als Metallgeld findet sich K.
nicht nur in den Kupfermünzen, sondern
auch als regelmäßiger Bestandteil in den
Gold- und Silbermünzen. Auch werden alle
goldenen und silbernen Gerätschaften mit
einem gewissen Gehalte an Kupfer legiert.
Große Mengen von K. werden für den Schiffs-
bau in Form von Bolzen und Nägeln ver-
braucht, weil Eisen in Verbindung mit Holz
einer raschen Zerstörung unterliegt. Zur Ab-
haltung von Schaltieren und Seegewächsen