﻿Läusekörner

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Lanolin

den. Als Brennholz steht es im Werte
zwischen Kiefer und Fichte. — Als Brenn-
holz zollfrei, als Bauholz s. Tarif Nr. 74 ff.

Läusekörner (Stephanskörner, lat.
Semen staphisagriae, frz. Semence de staphis-
aigre, engl. Stavesacre seeds), die Samen einer
Art Rittersporn (Delphinium staphisag-
riae), der im südlichen Europa wild wächst
und bei uns zuweilen in Blumengärten vor-
kommt, sind graubraun, flach, dreieckig, zu-
weilen viereckig, runzlich und besitzen einen
unangenehmen Geruch, sowie sehr bitteren
und scharfen Geschmack. Sie wurden früher,
wie die Sabadillsamen, zur Vertilgung von
Kopfungeziefer gebraucht, sind aber hierfür
durch das unschädliche Insektenpulver ent-
behrlich geworden. Zurzeit dienen sie nur
noch zur Darstellung von Delphinin (s. d.).

—	Zollfrei.

Lahn (frz. Lame, engl. Finsel) besteht aus
flach gewalztem echten und unechten Gold-
und Silberdraht (s. Draht) und wird zu
Spitzen und Borten, Bändern (aus Lahn und
Seide), Stoffen für Maskerade und Theater-
anzüge und allerhand anderen Schmuck-
sachen verarbeitet. Vergl. auch Kantillen.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 769/70. 774. 890.

Laktukarium (Tridace, lat. und frz. Lac-

tucarium, engl. Lettuce opium) ist der durch
Einschnitte ausgetretene und eingetrocknete
Milchsaft verschiedener Arten der Gattung
Lactuca (vergl. Giftlattich). Den wirksamen
Stoff des L. bildet ein indifferenter Bitter-
stoff, das Laktuzin, welches in weißen, perl-
glänzenden Kristallschuppen erscheint. Außer-
dem finden sich noch Laktuzerin, Lak-
tukasäure, Kautschuk u. a. L. findet als
unsicheres Schlafmittel bisweilen Verwendung.

—	Zollfrei.

Lamas, flanellähnliche Stoffe aus
Streichwolle, die meist schlicht gewebt, doch
zuweilen auch geköpert und gemustert sind,
haben eine schwache Haardecke, durch welche
das Gewebe sichtbar ist. Sie sind einfarbig
oder bunt, gestreift, karriert oder geflammt
und dienen als Futter für Winterkleider, zu
Mänteln usw. Mitunter gibt man den Namen
auch besseren Stoffen, die gewöhnlich Na-
politaine heißen. Vergl. ferner Alpaka. —
Zoll: Gern. Tarif Nr. 427ff.

Lambik, ein belgisches, durch Selbstgärung
erzeugtes, säuerlich schmeckendes Bier, ent-
hält nach König 3,66 Extrakt, 5,02 Alkohol,
0,43 Protein, 0,56 Maltose, 1,68 Gummi und
Dextrin, 0,89 Milchsäure und 0,20 Kohlen-
säure. — Zoll: 6 M.

Lametta, die zur Schmückung von Weih-
nachtsbäumen benutzten gold- und silber-
ähnlichen Metallfäden, deren Herstellung trotz
des billigen Preises eine ziemlich komplizierte
ist, werden nach Gewicht gehandelt. Aus L.
werden vielfach hübsche Christbaumschmuck-
gegenstände angefertigt, die ihren Fabriksitz
in Nürnberg, Thüringen, im Erzgebirge usw.
haben. — Zoll: 10 M.

Laminariastieie (gefingerter Seetang,
lat. Laminaria digitata, frz. und engl. Lami-
naria) bestehen aus den fingerdicken oder

stärkeren, am oberen Ende wie Finger ge-,
teilten Ästen mehrerer an den Küsten der
Nordsee wachsender getrockneter Tange
(Laminaria Cloustonii, L. stenophylla).
Vermöge ihrer Eigenschaft, in der Nässe ihre
ursprünglichen Dimensionen wieder anzu-
nehmen und beträchtlich aufzuquellen, haben
sie sich bei den Chirurgen rasch eingebürgert
als ein Mittel zur Erweiterung von Wunden
und Fisteln, wozu früher der sog. Preß-
schwamm gebraucht wurde. Die für diese
Zwecke daraus hergestellten Bougies und
Quellkegel sind fertig im Handel. — Zollfrei.

Lairitzsches Waidwollöl ist ein gegen
Rheumatismus angepriesenes Destillat aus
Koniferenwolle.

Lanolin (gereinigtes Wollfett, lat. La-
nolinum, Adeps lanae, frz. Lanoline, engl.
Lanolin). Schon im Altertum wurde rohes
Wollfett als Oesypus medizinisch verwendet.
Später geriet es in Vergessenheit und wurde
erst 1885 wieder von Liebreich als ge-
reinigtes Wollfett in den Arzneischatz ein-
geführt. Das rohe Wollfett findet sich im
Wollschweiß der Schafe und wird beim
Waschen der Wolle in den „Wollwäsche-
reien“ erhalten. Zur Bereitung des L. be-
nutzt man entweder das Wollwaschwasser
oder das daraus durch Zusatz von Säuren
abgeschiedene rohe Wollwaschfett. In letz-
terem sind außer den Bestandteilen des
Schafschweißes auch noch freie Fettsäuren
vorhanden, die durch die Zersetzung der
Seife des Wollwaschwassers mittels Säuren
hineingelangten, während in dem Wollwasch-
wasser die zum Waschen der Wolle ver-
wendete Seife noch unverändert vorhanden
ist. Zur Verarbeitung verfährt man gewöhn-
lich so, daß man das Wollwaschwasser, wel-
ches eine natürliche Emulsion darstellt, zen-
trifugiert, nachdem man zuvor die darin
enthaltenen Seifen in unlösliche Kalkseifen
umgewandelt hat. Bei Verarbeitung von
rohem Wollfett verwandelt man dieses zu-
nächst ebenfalls durch Zusatz von Wasser
in eine Emulsion und die Seife in Kalkseife.
Nach dem Zentrifugieren wird das erhaltene
Rohlanolin durch Zusammenschmelzen mit
Marmorkalk, völliges Befreien von Wasser,
mehrfaches Umschmelzen und schließlich
durch Extrahieren mit Azeton in reines Woll-
fett übergeführt. Dieses, im D. A. B. als
wasserfreies Wollfett (lat. Adeps lanae
anhydricus) bezeichnet, stellt eine hellgelbe,
salbenartige Masse dar von schwachem, eigen-
tümlichen Geruch. Es ist im Wasser unlös-
lich, aber imstande, die 2—3 fache Menge
seines Gewichtes an Wasser aufzunehmen,
ohne die salbenartige Beschaffenheit zu ver-
lieren, und schmilzt bei 40° C. Von der tieri-
schen Haut wird das Wollfett resorbiert und
zeigt wenig Neigung zum Ranzigwerden.
Reines Wollfett soll unter Hinterlassung eines
minimalen Aschenrückstandes völlig ver-
brennen und darf keine Alkalien, Chloride
und Glyzerin enthalten. Ebenso ist nur ein
minimaler Säuregehalt gestattet, ln chemi-
scher Hinsicht ist das Wollfett als ein Ge-