﻿Lauths’ Violett

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tica seu Pavonia sempervirens), dessen
Rinde und Blätter medizinisch verwendet wer-
den, während die Blätter, ebenso wie die
nach Muskat riechenden Nüsse, als Küchen-
gewürz Verwendung finden. Die Rinde be-
sitzt einen an Sassafras erinnernden Geruch
und aromatischen Geschmack. Sie ist außen
weißgrau, gewöhnlich mit Flechten bedeckt,
innen hingegen graubraun. — Zoll: L.-Öl
s. Tarif Nr. 166/67. Rinde und Blätter zollfrei.

Lauths’ Violett (Thionin), ein seit 1876
im Handel vorkommender T eerfarbstoff, wird
erhalten durch Oxydation von Paraphenylen-
diamin mit Eisenchlorid in saurer schwefel-
wasserstoffhaltiger Lösung und besteht aus
der Chlorwasserstoffverbindung des Imidami-
dothiodiphenylimids. Das schwarzgrüne, me-
tallisch glänzende Pulver ist in kochendem
Wasser mit violetter Farbe löslich. Konzen-
trierte Schwefelsäure gibt eine gelbgrüne Lö-
sung, die beim Verdünnen mit Wasser erst
blau, dann violett wird. —■ Zollfrei.

Lava nennt man alle Gesteinsmassen,
welche in feurigflüssiger Beschaffenheit von
Vulkanen ausgestoßen wurden und dann er-
starrt sind. Die L. ist nicht eine besondere
Gesteinsart, sondern besitzt je nach der Art
ihrer Entstehung wechselnde Zusammen-
setzung. Es gibt so dichte und harte und
anderseits so blasige und weiche Laven, daß
sie zu keinem Gebrauch dienlich sind. An-
dere hingegen eignen sich gut zu Bau- und
Pflastersteinen, zu Mühlsteinen, Trögen und
anderen Steinhauerarbeiten. Einige nehmen
Politur an und werden, wenn sie zugleich
gefällige Farbenmischung zeigen, auch zu
allerhand kleinen Gebrauchsartikeln und
Schmuckwaren, wie Vasen, Dosen, Tischplat-
ten, Siegelsteinen verarbeitet. Die sog. Lava-
gasbrenner sind nicht aus L., sondern aus
Speckstein gefertigt. — Zollsatz: L. roh, s.
Tarif Nr. 234, gesägte L. Nr. 680. 682/3.
L. als Steinmetzarbeit: S. Tarif Nr. 685/7.
Waren aus Lava: S. Tarif Nr. 689.

Lavendelblüten (Lavendel, lat. Flores
lavandulae, frz. Fleurs de lavande, engl. La-
vender flowers) sind die vor dem völligen
Aufblühen gesammelten und getrockneten
Blüten von Lavandula officinalis (vera
oder spica), aus der Gattung der Labiaten.
Die Pflanze ist im wärmeren Europa zu
Plause, wo sie auf sonnigen Hügeln und
an Berghängen wächst und namentlich im
südlichen Frankreich und in England in
großen Mengen angebaut wird. Sie läßt sich
durch Zerteilung der Stöcke, durch Steck-
linge und Samen fortpflanzen. Die getrock-
neten Blüten und ganzen Blütenstengel dienen
für den Hausgebrauch teils als wohlriechendes,
teils als stärkendes oder linderndes Mittel
in Form von Waschungen, Bähungen, Bä-
dern, oder trocken in Kräuterkissen. Durch
das Trocknen schrumpfen die L. sehr zusam-
men und verlieren ihre schöne Farbe, so
daß die Kelche die Hauptsache ausmachen
und dem Ganzen ein gräulichblaues Aus-
sehen geben. Der Geruch ist durchdringend
angenehm aromatisch und beruht auf der

Anwesenheit ihres wichtigsten Bestandteiles
des ätherischen Lavendelöls (s. d.). — Zollfrei.

Lavendelöl (lat. Oleum lavandulae, frz. Es-
sence de lavande, engl. Oil of lavender), das
ätherische Öl des Lavendels, wird durch
Wasserdampfdestillation der frischen, von
Stengeln und Stielen befreiten Lavendel-
blüten, welche besonders bei Mitcham in
der Nähe Londons und bei Hitchin in Her-
fordshire kultiviert werden, in feinster Be-
schaffenheit gewonnen. Wesentlich billiger,
aber auch geringer ist das französische L.,
zu dessen Herstellung auch die Zweigspitzen
mit benutzt werden, und welches die Haupt-
menge der Handelsware ausmacht. Als bestes
französisches Öl gilt die Marke Montblanc.
Das L. ist eine farblose oder schwach gelbe
bis grünlichgelbe Flüssigkeit vom Geruch und
und Geschmack der Blüten. Das spez. Gew.
liegt bei 0,880—0,900, die spez. Drehung be-
trägt —3 bis —9°, der Berechnungsindex
1,4652. Es enthält als wichtigsten Bestand-
teil Linalylazetat (30—40%), daneben Li-
nalool, Geraniol, S esquiterpen, sowie
Spuren Pinen und Cineol. Es muß vor
Licht und Luft geschützt in ganz gefüllten
Flaschen aufbewahrt werden und findet zu
Parfümeriezwecken und als Auflösungsmittel
für feine Firnisse zum Aufträgen von Ein-
brennfarben (Glanzgold) für Porzellan viel-
fache Anwendung. — Eine geringwertige Sorte
bildet das Spiköl (lat. Uleum spicae, frz.
Essence d’aspic, engl. Oil of spike) von La-
vandula latifolia, welches einen kampfer-
artigen Nebengeruch besitzt und als billiger
Ersatz für L. dient. Spiköl enthält Rechts-
Camphen, Cineol, Links-Linalool und
Rechts-Borneol. Es ist rechtsdrehend und
zeigt die spez. Drehung -j-3 bis —j— 90 und
das spez. Gew. 0,905—0,920. — Zoll: 30 M-
Lavendelwasser, Lavendelspiritus: 300 M.

Laxan, Laxatol und Laxen sind Bezeich-
nungen für verschiedene Abführmittel, welche
als wirksamen Bestandteil Phenolphtalein ent-
halten. — Zoll: S. Tarif Nr. 388/89.

Lebertran (lat. Oleum jecoris aselli, Oleum
morrhuae, frz. Huile de foie de morue, engl.
Cod-liver-oil) nennt man alle diejenigen feine-
ren Transorten, welche aus den Lebern
verschiedener Schellfischarten, wie Gadus
morrhua (Kabeljau), Gadus callarias
(Dorsch),Gadus aeglefinus(Schellfisch)
usw. bereitet und namentlich zu medizinischen
Zwecken benutzt werden. Die Gewinnung
des L. wird in großem Maßstabe auf den
Lofoten, in Bergen, in Norwegen, weiter in
Neufundland und Newhaven in Schottland
betrieben. Vom norwegischen L., der für
Deutschland hauptsächlich in Betracht
kommt, unterscheidet man nach der Be-
reitungsweise zwei Arten, den Bauerntran
oder Privatindustrietran, auch naturel-
len Tran und den Fabriktran oder
Dampftran. Ersterer wurde ursprünglich
allein medizinisch benutzt, während jetzt zu
medizinischen Zwecken fast nur noch der
Dampftran verwendet wird. Die Gewinnung
des Bauerntrans geschieht derart, daß die