﻿Lebertran

Lezithin

269

ungereinigten Lebern mit den Gallenblasen |
in Fässer gebracht werden, und nach län-
gerer Zeit das freiwillig ausfließende Fett
abgezapft wird. Dieses bildet die beste Sorte
des naturellenL., den blanken oder gelben
L. (Oleum jecoris aselli flavum s. citrinum).
Die später nach Eintritt einer fauligen Gä-
rung austretenden Anteile sehen dunkler
aus und werden als braun blanker oder
gelbbrauner L. (Oleum jecoris fuscum) be-
zeichnet. Durch Auskochen der Rückstände
mit Wasser erhält man dann eine dritte
Sorte L., welche dunkelbraun aussieht. — Der
Fabrik- oder Dampftran schmeckt und
riecht besser als der Bauerntran und wird aus
frischen Lebern gewonnen. Diese werden
unmittelbar nach dem Fange aus den Fischen
genommen, gewaschen, von der Gallenblase
befreit, zerkleinert und darauf in doppel-
wandige, durch Wasserdampf erhitzte Kessel
gebracht. Der ausfließende Tran, welcher
am vorzüglichsten ist, wenn die Erwärmung
50° nicht überschreitet, sieht blaßgelb aus
und wird weißer L. (Oleum jecoris aselli
album vapore paratum) genannt. Durch
stufenweises höheres Erhitzen und Abpressen
erhält man noch mehrere dunkler gefärbte
Sorten. — Der reine Medizinallebertran stellt
ein eigentümlich riechendes und schmeckendes,
hellgelbes Öl dar, vom spez. Gew. 0,920—0,930.
Die Verseifungszahl schwankt zwischen 170
bis 195, die Jodzahl zwischen 140—155. Der
L. gehört zu den trocknenden Ölen. Unmittel-
bar nach der Darstellung ist er von neu-
traler Beschaffenheit, enthält aber nach län-
gerer Zeit kleinere oder größere Mengen
freier Fettsäuren. Guter L. darf mit Weingeist
befeuchtetes blaues Lackmuspapier nur
schwach röten, andernfalls enthält er größere
Mengen freier Fettsäuren und ist ranzig.
Ferner muß reiner L. vollständig klar und
durchsichtig sein und darf nur einen sehr
schwachen Fischgeruch besitzen. Der L. be-
steht in der Hauptsache aus Glyzeriden der
Ölsäure (70%) und der Palmitinsäure (25%),
außerdem enthält er geringe Mengen Stearin-
säure und Glyzeride niederer Fettsäuren.
Ferner finden sich in dem L. Cholesterin,
0,003% Jod, weiter Brom, Chlor. Schwefel,
Eisen in organischer Bindung, mehrere flüch-
tige Basen, wie Trimethylamin, Amylamin,
zwei für L. charakteristische Basen Asellin
und Morrhuin und endlich mehrere Säuren,
Asellinsäure, Morrhuinsäure, Jeko-
leinsäure. — Der wichtigste Stapelplatz für
die deutsche Versorgung von L. ist Bergen
m Norwegen. Zu einem Hektoliter L. ge-
hören in guten Jahren 250—400 Lebern, in
schlechten aber bis 1000 Stück. Der zu den
besten Medizinaltranen zählende Dampfleber-
tran von H. Meyer in Christiania kommt
ißPlorobierten Blechtrommeln mit hölzernen
Überfässern oder in kleinen Flaschen in den
Handel, ebenso der blanke Bauerntran von
Man hat unter dem Namen
„weißer L. auch künstlich gebleichten L.
auf den Weltmarkt gebracht. Das Entfärbungs-
mittel besteht entweder aus Knochenkohle oder

in ein paar Prozent Natronlauge, welche man
mit dem L. zusammenschüttet. Die Masse
bleibt 1—2 Wochen an einem kühlen Orte
stehen und wird dann filtriert. Diese und
ähnliche chemische Bleichmittel veranlassen
übrigens in der Regel ein rasches Verderben
der Ware. Andere Lebertransorten, wie der
Neufundländer-, Labrador- und Japanische L.,
haben für den europäischen Kontinent nur
untergeordnete Bedeutung. Die zum medi-
zinischen Gebrauch dienenden Lebertransorten
werden häufig verfälscht. Als Verfälschungs-
mittel benutzt man andere Tranarten (Robben-
tran, Haifischtran), Rüböl, Vaselinöl usw.
Letztere beiden können leicht nachgewiesen
werden, ersteres durch die Ela'idinprobe,
Vaselinöl durch die Verseifungszahl. Außer-
dem zeigen Verfälschungen sich äußerlich
schon durch die Kälteprobe an, indem rei-
ner L. bei —2° C noch klar bleiben soll,
während Zusätze von anderen Tranen und
Ölen bei dieser Temperatur sich schon aus-
scheiden oder fest werden. Die Schwefel-
säureprobe von Pettenkofer ist eine gute
Identitätsprobe für L. Läßt man in einem
weißen Schälchen einige Tropfen konzen-
trierter Schwefelsäure zu 1—2 g L. langsam
laufen, so entsteht an der Berührungsfläche
eine braunrote, mit violetter Zone um-
gebene Färbung, beim Mischen wird die
Masse rotbraun. Tritt diese Reaktion nicht
ein, so liegt überhaupt kein L. vor. Mit der
Salpetersäureprobe von Kremei kann man
Verfälschungen mit fremden Tranen bis zu
25% herab entdecken. Man bringt 10—15
Tropfen L. auf ein Uhrglas und läßt 3—5
Tropfen rauchende Salpetersäure (1,500 spez.
Gew.) zufließen. Bei echtem Dorschlebertran
tritt an der Berührungsstelle eine rote Fär-
bung ein, die beim Umrühren in Feurigrot
und schließlich in Zitrongelb übergeht. Hai-
fischtran und japanischer Tran färben sich
an der Berührungsstelle blau, werden beim
Umrühren braun und nach 2—3 Stunden gelb.
Robbentran nimmt eine braune Farbe an,
jedoch erst nach längerer Zeit. Der weiße L.
wird in der Medizin als Nähr- und Heil-
mittel angewendet. Der Heilwert des L.
beruht jedoch nicht auf seinem Gehalt an
Jod, wie früher angenommen wurde, sondern
auf seiner anerkannt leichten Verdaulichkeit.
Infolge des Widerwillens vieler Kranker gegen
das Einnehmen wird L. neuerdings oft als
Emulsion (Scotts Emulsion) verordnet. —
Die braunen Lebertransorten werden zur
Bereitung von Schmierseife, als Stiefelschmiere
und in der Sämisch-Gerberei verwendet. —
Die Aufbewahrung erfolgt in nicht zu großen,
aber vollständig gefüllten Gefäßen an einem
kühlen Ort. In Originalfässern bezogener L.
muß erst einige Wochen lagern, ehe er ab-
gezogen wird. Zur Verwendung gelangt der
L. in Fässern, Blechtonnen und in Flaschen.
— Zoll: S. Tarif Nr. 131.

Lezithin ist eine für den Lebensprozeß
außerordentlich' wichtige Substanz, welche
sich im Gehirn und dem Eigelb in besonders
reichlicher Menge, aber auch im Blut, Nerven