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Leder

Leder

und Pflanzensamen vorfindet. Es bildet eine
wachsähnliche kristallinische Masse, ist in
Alkohol und Äther leicht löslich und quillt
mit Wasser zu einer opalisierenden Flüssigkeit
auf, aus welcher es durch. Salze wieder
gefällt werden kann. In chemischer Hinsicht
ist L. als eine esterartige Verbindung von
Cholin und Glyzerinphosphor säure anzu-
sprechen, in welcher 2 Hydroxylgruppen durch
Palmitin-, Stearin- oder Ölsäure vertreten sind.
Zum Nachweise und zur quantitativen Be-
stimmung des L. bedient _ man sich der Er-
mittlung der alkohollöslichen Phosphor-
säure nach Juckenack. L. wird neuerdings
als Zusatz zahlreicher diätetischer Präparate
in den Verkehr gebracht, die aber z. T. nur
problematische Bedeutung besitzen. — Zoll:
S. Tarif Nr. 217.

Leder (frz. Cuir, engl. Leather). Diesen
Namen führen die durch den Prozeß des Ger-
bens in ihren Eigenschaften vorteilhaft ver-
änderten und haltbar gemachten tierischen
Häute. Die letzteren sind bekanntlich
im frischen, noch feuchten Zustande weich
und geschmeidig, nehmen aber beim Aus-
trocknen eine harte, hornartige, wenig bieg-
same Beschaffenheit an. während sie, feucht
gehalten, bald in Fäulnis übergehen. Durch
das Gerben erlangt jedoch die tierische Haut
Eigenschaften, die sie zu den verschiedensten
Zwecken verwendbar erscheinen , läßt, große
Festigkeit neben Biegsamkeit, Geschmeidig-
keit und Elastizität und vor allem bedeutende
Widerstandsfähigkeit gegen den Einfluß der
Feuchtigkeit und Dauerhaftigkeit. Je nach
der Methode, die man beim Gerben anwendet,
unterscheidet man verschiedene Ledersorten,
die gewöhnlich in drei Gruppen: lohgares,
weiß gar es (oder alaun gares) und sämisch-
gares L. eingeteilt werden. Hieran reihen
sich noch die in neuerer Zeit hier und da in
Aufnahme gekommenen metallgaren L.,
wie chromgares, eisengares und auf andere
Weise erhaltenes L. Trotz der Verschieden-
heit, der bei diesen Gerbprozessen in An-
wendung kommenden Materialien und Me-
thoden beruht die Erzeugung aller Leder-
sorten nach den Untersuchungen von Knapp
doch im wesentlichen nur auf physikalischen
Prinzipien. Nach Knapp ist L. nichts anderes
als Haut, innerhalb welcher man durch irgend-
ein Mittel das Zusammenkleben der Fasern
beim Trocknen verhindert hat. Man erreicht
dies durch die Einwirkung der zum Gerben
dienenden Stoffe auf die das Bindegewebe
bildenden Fasern der inneren Hautschicht
(des Corium). Diese Stoffe schlagen sich auf
den Fasern des Bindegewebes nieder, hüllen
sie ein und verhüten so das Zusammenkleben
beim Trocknen. Bei der Weißgerberei durch
Alaun ist zwar die Haut zuerst nach' dem
Trocknen dicht und hornartig, der Zusammen-
hang der Fasern jedoch kein inniger und
die Haut erlangt durch nachheriges Ziehen
und Dehnen (Stollen) vollständig die Eigen-
schaften des Leders. — Dem eigentlichen
Gerbprozesse müssen einige vorbereitende Ar-
beiten vorangehen. Diese bestehen zunächst

in einem Einweichen oder Wässern der
Häute und dann in der Bloßlegung der eigent-
lichen Lederhaut (Corium), welche allein zur
Lederbereitung geeignet ist. Es muß dem-
nach sowohl das Unterhautzellengewebe oder
die Fetthaut, welche sich auf der inneren oder
Fleischseite der Häute befindet, als auch
die Epidermis oder Oberhaut mit den Haaren
entfernt werden. Die dann zum Vorschein
kommende, kleine Vertiefungen zeigende obere
Seite der Haut heißt die Narbenseite.
Die Reinigung der Fleischseite geschieht mit-
tels des Schabeisens auf dem Schabebaum,
wodurch außer dem Unterzellgewebe auch
noch anhängende Fleischteilchen, Nerven.
Blutgefäße usw. entfernt werden. Hierauf
folgt die Entfernung der Haare auf der
anderen Seite (das Abhaaren oder Ent-
haaren). Die Haare sitzen zwar nicht in
der inneren Schicht der Haut, dem Corium,
sondern in der äußeren Epidermoidalscliicht,
sind aber in Vertiefungen oder Einstülpungen
dieser letzteren Haut befestigt, die tief in das
Corium hinabreichen. Würde man nun die
Haare einfach glatt abrasieren, so würden die
Haarwurzeln mit den unteren Teilen sitzen
bleiben und dadurch den Wert des Leders
verringern. Es ist daher unbedingt nötig,
die ganze Oberhaut (Epidermoidalschicht) mit
den Haaren zu entfernen. Das Abhaaren er-
folgt auf verschiedene Weise, entweder durch
das Schwitzen oder durch das Kalkeh,
oder endlich durch Anwendung ätzender Ent-
haarungsmittel (Rhusma). Das in Deutsch-
land bei der Sohllederbereitung hauptsächlich
gebräuchliche Schwitzen besteht darin, daß
man die Häute in Kufen einsalzt oder auch
feucht zusammenlegt. Nach dem hierdurch
eingeleiteten oberflächlichen Fäulnisprozeß,
durch welchen die Oberhaut aufgelockert
wird, kann sie samt den Haaren durch das
Schabeisen auf dem Schabebock entfernt
werden (Abpälen). Das Kalken wird be-
sonders bei dünneren Häuten angewendet,
indem man die Pläute einige Tage lang in
eine schwache Kalkmilch legt und hierdurch
namentlich auch vorhandenes Fett verseift.
Dickere Häute müssen drei bis vier Wochen
in den Kalkgruben liegen, ehe sie in die Lohe
gebracht werden, doch ist dieses Kalken bei
ihnen weniger gebräuchlich, weil der Kalk
sich nur schwierig wieder entfernen läßt und
auch' das L. etwas spröde und hart macht.
Das Abschaben (Abpälen) der Oberhaut ge-
schieht nach dem Kalken ebenso wie nach
dem Schwitzen. Die dritte Art der Ab-
haarung durch Anwendung ätzender Ent-
haarungsmittel verwendet man gewöhnlich
nur bei den Fellen kleinerer Tiere, die weder
das Schwitzen noch das Kalken vertragen.
Als Enthaarungsmittel dienen hierbei ent-
weder Operment (ein arsenige Säure ent-
haltendes Schwefelarsen) mit Kalk, oder
auch neuerdings Kalziumsulfhydrat (Schwefel-
wasserstoffschwefelkalzium). Anstatt des letz-
teren gebraucht man jetzt häufig auch den
| Gaskalk (d. h. den Kalk, der zum Reinigen
des Leuchtgases gedient hat), und zwar selbst