﻿Leder

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Ledersurrogate

weilen auch Schaf- und Ziegenfelle verarbeitet
werden. Da solches L. im Wasser seine Ger-
bung und seine Eigentümlichkeiten nicht ver-
liert, nennt man es auch Waschleder. Die
zugerichteten Blößen werden zunächst ge-
walkt, gut ausgewunden und mit Tran oder
einem anderen Fette eingerieben, darauf zu-
sammengerollt und abermals gewalkt. Dieses
Einfetten und Walken wird so oft wiederholt,
bis die Felle die nötige Menge von Fett und
Öl aufgenommen haben. Schließlich unter-
wirft man sie noch' einer Art Gärung und
entfernt das oberflächlich anhängende, durch
die Gärung teilweise veränderte Fett mittels
einer Pottaschelösung. Bei der Zurichtung
der dickeren Felle für die Sämischgerberei
wird die Narbe meistens mit abgestoßen,
so daß der Unterschied zwischen Narben-
und Fleischseite wegfällt. Derartiges L. er-
langt demzufolge eine wollige Beschaffenheit
und große Weichheit. Die beschriebenen
Gerbmethoden kommen in zahlreichen ver-
schiedenen Abänderungen zur Anwendung,
wodurch besondere Sorten von L. entstehen,
wie z. B. Saffian, Juchten, ungarisches Weiß-
leder usw. Von dem metallgaren L. scheint
sich am meisten das Chromleder einge-
bürgert zu haben, welches vollständig wasser-
fest, sehr geschmeidig, dauerhaft und bil-
liger als lohgares L. ist. Man erhält es durch
Einbringen der geschwellten Häute in eine
wässerige Lösung von rotem chromsauren
Kali, Alaun und Kochsalz, oder in Lösungen
von Chromchlorid, Chromthiosulfat u. a. •—
Bevor das fertig gegerbte L. in den Handel
gebracht wird, muß es je nach dem Zweck,
zu dem es bestimmt ist, noch verschieden-
artig zugerichtet werden. — Sohlleder wird
meist in Bürden von fünf oder sechs Häuten
gepackt und so von den bedeutendsten Pro-
duktionsplätzen Malmedy, Trier, Luxemburg,
Siegen, Eschwege, Berlin und Hannover in
den Handel gebracht. Doch wird es auch von
verschiedenen Fabrikanten zunächst geklopft
oder gewalzt und dann in Rollen gepackt.
— Vächeleder, welches ebenfalls zu Sohlen
verwendet wird, ist platt gestoßen, wird haupt-
sächlich in Frankreich und Belgien, amRhein
und in Thüringen erzeugt und kommt in
Rollen zu fünf bis acht Häuten zum Ver-
kauf. — In der Erzeugung von schwarzem und
braunem Blankleder, welches die Sattler
verwenden, tun sich Mühlheim a. R., Pöß-
neck in Thüringen und Weißenfels beson-
ders hervor; Mühlheim auch in Wagen-
verdeckledern. Zur Herstellung dieser
Ledersorten werden die Häute gespalten, so
daß aus einer Haut zwei werden. Die Ver-
deckhaut wird aus dem Narbenteile gefertigt,
wodurch sie schwächer, biegsamer und größer
wird, der Unterspalt hingegen meist zu
Brandrohleder und ähnlichen Zwecken
verwandt. Auch Fahlleder, welche das
beste Material für Arbeiterstiefel, Ober-
leder bilden und in Thüringen, Bayern und
Sachsen erzeugt werden, spaltet man bis-
weilen. Alle diese Sorten, mit Ausnahme
der Sohlleder, welche vorzugsweise von Wild-

häuten gefertigt werden, stammen von ge-
wöhnlichem Stallvieh, Kühen, Ochsen und
Büffeln. Von größter Bedeutung für die Fa-
brikation von Oberleder ist die ostindische
Kipshaut, welche in großen Mengen in
ganz Deutschland, am meisten in Thüringen
und Sachsen, England, Italien und Spanien
gegerbt wird, und im allgemeinen schwächer
als die Rindshaut, hingegen stärker als das
Kalbfell ist. In der Herstellung von braunem
Kalbleder zeichnet sich Frankreich aus,
in Deutschland der Elsaß, die Rheinlandc
und speziell Gera. Lackleder, Wichs-
leder, sowie überhaupt die feineren Kalb-
leder werden besonders am Rhein, nament-
lich in Worms und Mainz hergestellt. Schaf-
leder werden in großen Mengen, in Kirchhain
in der Niederlausitz und Umgegend, gefertigt
und zwar teils in Alaun, teils in Lohe ge-
gerbt. als gewöhnliches Schuhfutterleder;
Saffiane, d. h. gefärbte und besonders prä-
parierte Ziegen- und Schafleder in Mainz
und anderen rheinischen Städten; sog.
Bockleder, wozu das Material gegerbt aus
Madras und Bombay kommt, in Kim an
der Nahe und Wien. — Roßleder, welches
in früherer Zeit fast ausschließlich zu Wagen-
verdecken oder zu geringeren Sattlerarbeiten
verwendet wurde und keinen hohen Wert
hatte, findet seit einigen Jahrzehnten eine
erheblich bessere Verwendung zu Oberleder,
und zwar das Schild (d. i. dasjenige Stück,
welches einen sogenannten Spiegel hat) zu
Stiefel-Vorderteilen, der Rest zu Hinterteilen
und Schuhleder. Zu erwähnen ist ferner noch
das Alligatorleder aus Mexiko und Mittel-
amerika, von bräunlichgelber Farbe mit ver-
tiefter Musterung, welches zu feinen Leder-
arbeiten verarbeitet wird, und das Kän-
guruhleder aus Australien. Das letztere ist
dünn und geschmeidig, widersteht dem Regen
besser und bricht nicht so leicht als Kalb-
leder. Auch aus der Haut des Katzenhais
(s. Fischhaut) macht man jetzt ein weiches und
sehr geschmeidiges hellgraues L. — Beim Ein-
kauf von L. hat man sich zu hüten, daß man
nicht beschwertes L. erhält, welches vor
der Fettung mit einer Lösung von Bittersalz
oder von Chlorbaryum imprägniert worden
ist. — Zoll: L. aller Art s. Tarif Nr. 544/54.

Lederholz, die starken, lederartigen Bast-
fasern der Schößlinge von Dirca palustris,
einer zu den Seidelbastgewächsen (Daph-
noideen) gehörigen Pflanze des südlicheren
Nordamerika, sind 1—1,5 m lang und werden
zur Anfertigung von Stricken und Matten
verwendet. — Zoll: L., als Bast ist zollfrei.
Bastgeflechte: S. Tarif Nr. 588.

LedersurrogatesindKunstprodukte, welche
wenigstens in gewissen Fällen Ersatz für das
Leder bieten und, was die Widerstandsfähig-
keit gegen das Wasser und die Witterung an-
langt, dieses zum Teil noch übertreffen. Sie
bestehen meist aus mit Kautschuk, Gutta-
percha, Leinölfirnis, Asphalt und anderen
Stoffen imprägnierten Geweben, denen man
durch gravierte Walzen mittels Aufpressen
einer künstlichen Narbe das Aussehen von