﻿Legierungen

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Leim

Leder gegeben hat. Hierher gehören z. B.
das sog. Ledertuch oder Krokettleder-
tuch und verschiedene andere als vegeta-
bilisches Leder empfohlene ähnliche Fa-
brikate aus Jute, Baumwolle oder Leinen,
die mit den genannten Stoffen imprägniert
und überstrichen sind. Auch hat man schon
vielfach versucht, aus Lederabfällen ein
künstliches Leder wieder herzustellen. Das
neuerdings vielgenannte Pegamoid besteht
aus einer zelluloidähnlichen Masse aus ni-
trierter Baumwolle. — Zoll für Ledertuch: S.
Tarif Nr. 504. Lederimitationen s. Tarif Nr. 554.

Legierungen. Diesen Namen führen alle
Verbindungen zweier oder mehrerer Me-
talle, mit Ausnahme derjenigen, in denen
das Quecksilber einen Bestandteil ausmacht,
da für diese der besondere Name Amal-
game besteht. Im gewöhnlichen Leben wird
statt Legierung oft der Ausdruck Kompo-
sition gebraucht. Die Darstellung von Le-
gierungen erfolgt in der Regel durch einfaches
Zusammenschmelzen und Umrühren der Be-
standteile, in einzelnen Fällen auch in der
Weise, daß man das eine Metall in Dampf-
form an das andere treten läßt. Nach dem
letzteren Verfahren, durch welches jedoch nur
eine unvollkommene, oberflächliche L. ent-
steht, wurde früher viel Messing dargestellt,
indem man Zinkdämpfe auf Kupfer einwirken
ließ. In gleicher Weise wurde das giftige
Weißkupfer dadurch erhalten, daß man
Kupfer den Dämpfen von Arsenik aussetzte.
— Die L. verhalten sich physikalisch ganz wie
einfache Metalle, zeigen aber oft Eigen-
schaften, die sich aus denen der Einzelmetalle
nicht Vorhersagen lassen. Dies gilt sowohl
hinsichtlich der Farbe, als der Härte, Dehn-
barkeit oder Sprödigkeit, des spezifischen
Gewichts und des Schmelzpunktes. Insbe-
sondere ist der letztere häufig niedriger, als
die durchschnittliche Berechnung aus den
Schmelzpunkten der Einzelbestandteile ergibt.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch die
Metalle wie die anderen Elemente sich nach
festen Verhältnissen miteinander verbinden,
und daß zwischen zwei Metallen mehrere
solcher Verbindungen in verschiedenen Men-
genverhältnissen möglich sind. Die Praxis
hingegen kann ihre Kompositionen nur nach
Erfahrungsregeln herstellen und wählt die Be-
standteile und ihre Mengenverhältnisse so.
daß ein bestimmter Zweck in möglichst wenig
kostspieliger Weise erreicht wird. Ihre Pro-
dukte sind demnach als Gemische aus wirk-
hchen Legierungen und möglicherweise über-
schüssigem Metall anzusehen. Sie werden
uur durch gutes Rühren gleichmäßig, ent-
mischen sich aber wieder, wenn den flüssi-
gen Massen durch langes Stehen im flüssigen
Zustande Zeit gelassen wird, sich nach dem
Gesetze der Schwere zu trennen. Die
schwerste Verbindung wird dann die unterste
ßtelle einnehmen, und ein so entstandenes
jjußstück dann in der Regel zu unterst einen
höheren Grad von Dichte und Härte zeigen
als in den oberen Partien. Nicht alle bekann-
ten L. haben auch einen praktischen Nutzen.

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

Andere, namentlich diejenigen, bei welchen
es nur auf eine möglichst annähernde Nach-
ahmung der Goldfarbe abgesehen war, hat
man unter mancherlei fremden, bald wieder
vergessenen Namen einzuführen gesucht, ob-
schon sie im Grunde nicht viel anders sein
konnten als Messing. Da die gebräuchlichen
L. teils bei den betreffenden Metallen, teils
für sich1 (Argentan, Bronze, Messing) auf-
geführt sind, so genügt es, hier eine all-
gemeine Übersicht über die wichtigsten dieser
Legierungen zu geben. Es entstehen aus:
Kupfer und Zinn: Glocken- und Kanonen-
metall, echte oder antike Bronze. Kupfer
und Zink: Messing, Tombak und sonstige
goldähnliche Mischungen. Kupfer und Alu-
minium: Aluminiumbronze. Kupfer, Zinn
und Zink: Hoch- und rotgelbe Statuenbronze,
Mannheimer Gold. Kupfer, Zinn und An-
timon: Britanniametall. Kupfer, Zink und
Nickel: Unechtes Blattsilber. Zinn und
Blei: Schneilot, Zinngießermetall, Orgel-
pfeifenmetall. Zinn und Antimon: Bri-
tanniametall. Blei und Antimon: Schrift-
gießermetall. Blei und Arsenik. Jagdschrot.
Zink und Silber: Dopplers Spiegelmetall.
Silber und Gold: Grünes, gelbes und
Emailliergold. Zinn, Blei und Wismut:
Leichtflüssige Metallgemische (Roses, New-
tons Metall), namentlich zur Herstellung von
Zeugdruckformen und zu Matrizen für die
Galvanoplastik. Durch Einführung von etwas
Kadmium in solche Mischungen läßt sich
der Schmelzpunkt noch sehr, bis auf 66 °C,
herabsetzen, so daß die Schmelzung schon
in heißem Wasser erfolgt, während die er-
kaltete L. immer noch ein ziemlich festes
Metall bildet (Woods Metall). — Kupfer end-
lich mit Gold oder Silber verschmolzen gibt
diejenigen L., welche anfänglich allein diesen
Namen trugen und sich noch jetzt in jeder
Silber- und Goldmünze und in allen goldenen
und silbernen Gebrauchswaren vorfinden. —
Zoll: S. die betreffenden Artikel, sowie Tarif
Nr. 881 ff.

Leguminosen nennt man im Handel die
Samen der Hülsenfrüchte, besonders
Bohnen, Erbsen und Linsen, welche wegen
ihres hohen Stickstoffgehalts die wertvollsten
Nahrungsmittel des Pflanzenreiches darstellen
und zu Leguminosenmehl, Kaffeesurrogaten
und zahlreichen diätetischen und Nährprä-
paraten verarbeitet werden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 217/18.

Leim (lat. Gluten, frz. Code, engl. Lime,
Glue). Eine Reihe tierischer Stoffe, wie Kno-
chen, Knorpel, Häute und Bindegewebe be-
sitzen die Eigenschaft, obgleich _ selbst in
kaltem und heißem Wasser unlöslich, durch
anhaltendes Kochen mit Wasser unter Verlust
ihrer organisierten Struktur in eine klebende
Lösung, die beim Erkalten gallertartig erstarrt,
überzugehen, und werden daher als leirn-
gebende bezeichnet. Die Leimsiederei ver-
wendet demnach als Ausgangsmaterial die
Abfälle von Fleischwaren, Gerbereien und
Abdeckereien, wie Hautabschnitzel, Flechsen,
Gedärme, Kalbs- und Hammelfüße, Ohr-

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