﻿Leinengarn	275	Leinengarn

düng, zu Leimfarben, für Hutmacher, zum
Appretieren von Strohhüten, zur Papier-
leimung, zur Herstellung von Hektographen-
roasse, zum Ausfällen des Gerbstoffs aus Farb-
holzabkochungen, dunklere als Tischler- und
Buchbinder-L. — Von besondere L.-Präpa-
raten seien noch folgende erwähnt: Elasti-
scher Leim für die Schwärzwalzen der
Buchdrucker und für Formen der Galvano-
plastik und Gipsgießerei besteht aus gleichen
Teilen L. und Glyzerin. — Flüssiger L. wird
durch Zusatz von Säuren, hauptsächlich Sal-
petersäure, Essigsäure, Salzsäure zu lconz.
Leimlösung dargestellt. Besonders bewährt
haben sich folgende Vorschriften: 100 L.,
100 Wasser, 6—12 rohe Salpetersäure, oder
40. L., 40 Essig, 10 Spiritus und 5 Alaun.
Bei aller Handlichkeit findet der flüssige L.
doch nur beschränkte Anwendung, weil durch
die Säure die Klebkraft leidet und Farben
angegriffen werden. Die im Handel befind-
lichen Präparate enthalten übrigens oft gar
keinen Leim, sondere bestehen aus Lösungen
von Gummi arabikum mit ein paar Prozent
Aluminiumsulfat. — Mundleim, der in Tä-
felchen zum Verkauf kommt und nur mit dem
Speichel benetzt zu werden braucht, entsteht
durch Auflösen von 2 Teilen L. oder Gela-
tine und 1 Teil Zucker in 3 Teilen Wasser
und Eindampfen auf 4 Teile. — Chromleim
endlich erhält man durch Mischen einer konz.
Lösung von 1 Teil Kaliumdichromat mit der
erwärmten Lösung von 5 Teilen L. in 45
Wasser. Er dient zum Kitten von Glas, zum
Leimen von Pergamentpapier und zum
Wasserdichtmachen von Kofferüberzügen, in-
dem er dem Sonnenlichte ausgesetzt, mit
dem L. eine unlösliche Chromoxydverbindung
liefert. Wegen seiner Lichtempfindlichkeit
spielt er ebenfalls beim Pigment- und Licht-
druck und der Photogalvanographie eine
Rolle. — Eiweißleim s. Kleber. — Zoll:
Leim s. Tarif Nr. 375. L. elastischer Nr. 377.
Eiweißleim Nr. 174. Rohleim Nr. 374.

Leinengarn. Der aus der Faser des Flach-
ses (s. d.) gesponnene Faden wird Flachs-
garn, häufiger Leinengarn genannt, wäh-
rend die daraus gefertigten Gewebe stets als
Leinen bezeichnet werden. Das Gare wurde
früher lediglich als Handgarn auf dem Spinn-
rade und zum Teil noch mit der Spindel
gesponnen und in Deutschland in solchem
Umfange erzeugt, daß große Mengen als
Laden und als Gewebe ausgeführt werden
konnten. Durch die später eingetretene Kon-

'veit mehr Maschinen- als Handgarn erzeugt
W]rd, und die Handspinnerei auf dem Rade
nur noch in gewissen Weberdistrikten bei
sehr armen Familien zu finden ist. Die Ver-
spinnung des Flachses auf Maschinen, welche
erst seit etwa 50 Jahren nach dem Vorbilde
-nglands und meist mit englischen Maschinen
-ingang gefunden hat, bietet bei der Länge
und härteren ungekräuselten Beschaffenheit
der Flachsfaser weit mehr Schwierigkeiten
als die Verarbeitung der Baumwolle. Die

durch das Hecheln gereinigten, von kurzen
Fasern befreiten, verfeinerten und geordneten
Risten gelangen auf das endlose Zuführtuch
der Anlege, um in Bänder von 100—150 cm
Breite verwandelt zu werden. Diese Bänder
werden auf einem System von Streckwalzen
immer mehr ausgezogen und abwechselnd
wieder dupliert, wie unter „Baumwollengarn“
angegeben, und gelangen dann auf die Vor-
spinnmaschine, ein Streckwerk mit Spin-
deln, welch letztere der Lunte durch eine
leichte Drehung mehr Zusammenhalt geben.
Zum Schluß gibt die Feinspinnmaschine dem
lockeren Faden den letzten Auszug und die
verlangte Drehung und windet ihn schließlich
auf Holzspulen. Die Feinspinnmaschinen für
Flachs unterscheiden sich in Trocken- und
Naßspinnmaschinen. Die ersteren liefern
einen gröberen, rauhen und unansehnlichen
Faden, der nur zu gröberen Geweben ver-
wendet werden kann, während die letzteren
einen viel feineren, gleichmäßigeren und
glatten Faden ergeben. Das Werg oder die
Hede, d. i. die beim Hecheln ausgekämmte
wirre Fasermasse, unterliegt zunächst einer
Bearbeitung in Krempeln, und zwar einer
Vor- und Feinkrempel, wie bei der Baum-
wolle, welche die Masse entwirren, reinigen,
die Fasern möglichst parallel legen und zu
einem Bande vereinigen. Die Bänder wer-
den dann wie vorhin weiter behandelt, liefern
aber gröberes, sog. Towga-rn. — Für die
Bemessung und Numerierung der Maschinen-
garne ist in den meisten Spinnereien des
Kontinents das englische System eingeführt.
Hiernach hat die Weife 2J4 Yards Umfang,
120 Umläufe machen also 300 Yards oder
1 Gebind, 10 Gebinde 1 Strähne und 20
Strähnen 1 Bündel englisch. 6 Bündel bei
feineren und 3 bei den gröberen Nummern
bilden 1 Paket. Die Zahl der Gebinde,
welche auf 1 engl. Pfund gehen, ergibt die
Garnnummer. Es hält sonach 1 Pfund Garn
von Nr. 30 einen Faden von 9000 Yards
Länge, Nr. 70 21000 Yards usw. Bei Hand-
garn gelten Ellen und Schocke auch heute
noch an manchen Orten. — Zwischen Ma-
schinen und Handgespinst bestehen wesent-
liche Unterschiede. Jede der beiden Arten
hat ihre besonderen Vorzüge und Mängel,
welche für die Verwendung maßgebend sind.
Das Maschinengarn ist immer gleichmäßig
voll und gerundet, das Handgare dagegen
häufig stellenweise dünner oder dicker, kan-
tig und nicht frei von Knötchen. Dagegen
ist es weit glatter als jenes, das durch hervor-
stehende feine Härchen rauh und wollig er-
scheint. Aus diesem Grunde ist das faden-
gleiche Maschinengarn überall eingeführt, wo
auf diese Eigenschaft etwas ankommt, wie bei
Zwirn, glatten Bändere, Leinen. Die Ge-
webe daraus entbehren aber des eigentüm-
lichen Leinenglanzes, erscheinen nach der
Bleiche rauh und reiben sich beim Tragen
noch wolliger auf. Sie unterliegen daher auch
schneller der Abnutzung, tragen sich weniger
angenehm und schmutzen leichter. Wo also
der Leinenglanz, der sog. Spiegel, zur Gel-