﻿Lerchenschwamm

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Liebstöckelwurzel

0,903. Das L. besteht zu 70—80% aus Zi-
tral und enthält außerdem etwas Methyl-
heptenon, ein demjenigen des Palmarosaöls
ähnliches Geraniol und wahrscheinlich Li-
nalool. Es wird zum Parfümieren von Seifen
benutzt. — Zoll: 30 M.

Lerchenschwamm (Lärchenschwamm,
lat. Agaricus albus, Boletus laricis, frz. und
engl. Agaric) ist der Fruchtträger eines
Löcherpilzes, Polyporus off icinalis.
Man findet den Pilz an dem Stamme einiger
ausländischer Arten des Lerchenbaums,
namentlich von Larix decidua, var. ros-
sica, und zwar nur an kranken, innen in
Fäulnis übergegangenen Stämmen. Man
sammelt die Stücke meist im Spätherbst oder
Winter, schält, um die äußere, mehr holzige
Substanz zu entfernen, klopft und trocknet
diese. Die Ware erscheint in verschieden
gestalteten und ungleich großen, an der Ober-
fläche konvexen Stücken, ist innen feinporig,
weißlichgelb, zäh und leicht stäubend. Der
Staub erregt Husten und Niesen. Der Ge-
schmack ist anfangs süßlich, dann scharf und
anhaltend bitter, der Geruch schwach dumpfig.
Als wirksame Substanz findet sich eine Re-
sinolsäure, die Agarizinsäure (s. d.), da-
neben Pilzzellulose und verschiedene Säuren.
Der L. ist ein stark drastisch wirkendes Mittel
und darf daher im Kleinhandel, als Arznei-
mittel, nicht verkauft werden. Er wird viel-
fach als Zusatz bei der Bereitung bitterer
Liköre verwendet. Man bezieht die Ware
hauptsächlich aus dem nördlichen Rußland
von Archangel über Hamburg, ferner aus
Ungarn, Schweiz, Tirol. Je heller und leichter
die Ware ist, für desto besser gilt sie. —
Zollfrei.

Lessive Phenix, ein mit großer Reklame
angepriesenes Waschmittel, enthält neben
55°/o Natriumkarbonat und 34% Wasser nur
6% Seife und 5% Wasserglas. Es ist an
Wirksamkeit gewöhnlicher Soda gleichwertig,
aber natürlich weit teurer als diese. — Zoll:
S. Tarif Nr. 254. 256.

Letternholz. Im Handel bezeichnet man
mit diesem Namen verschiedene Hölzer, so
das in der Feintischlerei hochgeschätzte und
zu Herstellung von Violin- und Spannbogen
verwendete Holz von Machaerium Schom-
burghii, eines in Guyana heimischen, zu
den Papilionaceen gehörigen Baumes, fer-
ner das Holz der zur Familie der Euphor-
biaceen gehörigen Amanoa guyanensis,
ebenfalls aus Guyana, und endlich das Holz
der zu den Artocarpeen gehörigen, in Süd-
amerika heimischen Piratinera gujanen-
sis. — Zoll: S. Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Letternmetall (Schriftmetall), die-
jenigen Legierungen, welche zur Herstellung
der Schriften oder Lettern für die Buch-
druckereien dienen, werden aus Blei und An-
timon in verschiedenen Verhältnissen, je nach
Größe der Schrift gegossen. Früher war auch
ein Zusatz von Zinn gebräuchlich. — Zoll:
S. Tarif Nr. 853.

Levikowasser, eine durch starken Arsen-
gehalt von 0,008 g in 11, sowie durch Kupfer-

und Eisensulfat charakterisierte Quelle in
Südtirol, wird zu Trink- und Badekuren
benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 190.

Liatrisblätter (Vanilleblätter, lat. Folia
liatris, frz. Feuille de liatris, engl. Liatris
leaves), von Liatris odoratissima, einer
nordamerikanischen Komposite, enthalten
eine nicht unbedeutende Menge Kumarin,
1,5%, und werden als Ersatz der Tonka-
bohnen bei der Schnupftabaksfabrikation
verwendet. — Zollfrei.

Lichtgrün. Diesen Namen führt teils das
Methylgrün (s. d.), teils ein anderer Teer-
farbstoff, der aus dem Natronsalze der Diä-
thyldibenzyldiamidotriphenylkarbinoltrisulfo-
säure besteht und als Lichtgrün S, Licht-
grün SF, Säuregrün, Säuregrün SOF in
den Handel kommt. Der Farbstoff bildet ein
dunkelgrünes, nicht glänzendes Pulver, wel-
ches in Wasser und in Alkohol löslich ist und
Seide und Wolle im saueren Bade grün färbt.
— Zollfrei.

Liebersche Kräuter (Hanfnesselkraut,
Blankenheimer Tee, lat. Herbagaleopsidis
grandiflorae, frz. Herbe de galöopside, engl.
Galeopsis). Unter diesem Namen kommt das
zur Blütezeit gesammelte Kraut von Galeop-
sis Ladanum im geschnittenen Zustande in
den Handel. Die Pflanze gehört zur Familie
der Labiaten, ist in Mittel- und Westeuropa
heimisch und bildet ein beliebtes Mittel gegen
Lungenleiden. — Zollfrei.

Liebstöckelwurzel (lat. Radix levistici, frz.
Racine de livcche, engl. Lovoge root), die
Wurzel einer ausdauernden Doldenpflanze,
Ligusticum levisticum seu Levisticum
officinale, die in Süddeutschland, Italien,
der Schweiz und Frankreich in Berggegenden
wild wächst und bei uns angebaut wird. Alle
Teile der Pflanze haben einen eigentümlichen
aromatischen Geruch und brennend scharfen
Geschmack. Früher wurden Kraut, Samen
und Wurzeln medizinisch verwendet, jetzt nur
noch die letzteren. Diese werden im Frühjahr
von 2—4 jährigen Pflanzen gegraben und be-
stehen aus einer dicken, spindelförmigen, öfter
mehrköpfigen Hauptwurzel, die sich gegen die
Spitze in einige einfache Zweige teilt. Man
spaltet die dicken Wurzelteile bei der Ernte
der Länge nach und hängt die Stücke an
Fäden gereiht zum Trocknen auf. Die ge-
trockneten Wurzeln haben eine weiche,
schwammige Textur mit festerem Kern und
sind äußerlich gelbbraun, innerlich hellgelb-
lich gefärbt. Die dicke Rinde ist höckerig,
querrunzelig und längsrissig und hat zahl-
reiche orangegelbe Balsambehälter, die beim
Drücken ihren aromatischen Inhalt austreten
lassen. L. enthält außer Zucker, balsamisches
Harz und ätherisches Öl als Träger des Ge-
ruches und Geschmackes. Die Droge dient
zur Bereitung von Abkochungen als harn-
treibendes Mittel und hauptsächlich zur Be-
reitung aromatischer Liköre. Die Wurzel ist
sehr dem Wurmfraß ausgesetzt, daher gut
verschlossen aufzubewahren. Verwechselungen,
kommen zuweilen vor mit der Angelikawurzel,
die daran zu erkennen ist, daß die L. keinen