﻿Lignum

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Lindenblüten

strahligen Querschnitt zeigt. — Zoll: L. ist
zollfrei; Liebstöckellikör s. Tarif Nr. 178/79.

Lignum, Holz. Im Drogenhandel hat man
folgende Holzarten mit ihren lateinischen Be-
nennungen: L. campechianum, s. Blau holz;

L. citrinum, s. Gelb holz; L. guajaci seu
L. sanctum, Franzosen- oder Pockholz, s.
unter Guajak; L. juniperi, s. Wacholder;

L. quassia, Quassienholz (s. d.); L. rhodii,
s. Rosenholz; L. santalinum, s. Sandel-
holz; L. sassafras, s. unter Sassafras; L.
suberinum, s. Kork u. a.

Liköre (Liqueure; frz. und engl. Li-
queures) nennt man gezuckerte und gewürzte
Branntweine in sehr verschiedenen Sorten,
Feinheits- und Stärkegraden. Ihre Grund-
lage ist feiner, fuselfreier Branntwein (Fein-
sprit). Der Zucker, der dem Getränk die
Fülle, Süßigkeit und den öligen Charakter
geben soll, wird in Form eines farblosen
Sirups zugesetzt, nachdem der Branntwein
aromatische Zusätze erhalten hat. Die letz-
teren bestehen aus ätherischen Pflanzenölen
und aus Bitterstoffen. Zur Darstellung der
L. wurde früher der Branntwein über die be-
treffenden Samen oder andere Pflanzen-
bestandteile destilliert, während die Bitter-
stoffe durch Digestion mit Spiritus ausge-
zogen wurden. Heutzutage lassen sich zahl-
reiche gewürzte Schnäpse weit einfacher mit
Hilfe ätherischer Öle und Essenzen darstellen, .
die Fabrikation beschränkt sich daher auf die I
Anfertigung geeigneter Gemische von Sprit,
Wasser, Öl oder Essenz und Zucker lediglich
auf kaltem Wege. Meist erhalten die L. auch
eine künstliche Färbung, besonders rot mit
Koschenilletinktur, grün mit Gemischen aus
Safran- und Indigtinktur, oder auch mit den
entsprechenden Anilinfarben. Die am stärk-
sten versüßten und darum dickflüssigen L.
mit den feinsten Würzstoffen heißen Cremes
oder Huiles (Vanillecreme, Huile de rose),
danach kommen die Doppelliköre und die
einfachen oder Aquavite. Starke, mit süßen
Obstsäften versetzte L. heißen Ratafia
(Kirsch-, Quittenratafia). — Zoll: S. Tarif
Nr. 178/79.

Limburger Käse (Belgischer Back-
steinkäse) wird in der belgischen Provinz
Limburg und zwar hauptsächlich in der Um-
gegend von Ilerve gefertigt. Die Stücke
haben 12—15 cm im Quadrat, sind 6—8 cm
hoch und besitzen ein Gewicht von 0,75 bis
1 kg. L. gehört zu den Fettkäsen (s. Käse)
und wird in bezug auf Dicklegen, Salzen und
Reifen ähnlich wie Edamer behandelt. —
Zoll: S. Tarif Nr. 135.

Limettenöl (lat. Oleum limettae, frz. Essence
de limette, engl. Oil of limetta), das aus den
Fruchtschalen von Limettaarten ge-
preßte ätherische Öl, wird nach der Herkunft
in 2 Sorten geschieden: Westindisches L.
von Citrus medica var. acida besitzt gold-
gelbe Farbe, ein spez. Gew. von 0,882 und
eine spez. Drehung von +35 bis +38°. Es
besteht hauptsächlich aus Zitral. Italieni-
sches L. von Citrus limetta (Risso) ist
bräunlichgelb und enthält erhebliche Mengen

Limonen neben Linalool und Linalylazetat.
Das spez. Gew. beträgt 0,872, die spez.
Drehung +58°. Das L. wird zu Parfümerie-
zwecken verwandt, im Kleinhandel aber meist
durch Zitronenöl ersetzt. — Zoll: 30 M.

Linaloeholz (Linalue, Linanue), das
Holz verschiedener Burseraceen, wie Bur-
sera aloexy Ion, Delpe chiana Po iss., fer-
ner von Elaphrium graveolens, nach an-
deren von Licaria canali oder auch von
Amyris Linaloe, ist sehr reich an ätheri-
schem Öl und besitzt deshalb einen starken,
sehr angenehmen Geruch. Im frischen Zu-
stande ist es gelblichweiß, wird aber nach
mehrjähriger Lagerung hellbräunlich und ge-
ruchlos. Das PIolz wächst in den heißen
Tälern der westlichen mexikanischen Kor-
dilleren, namentlich häufig in der Gegend
von Misteca bei Matomoros, kommt aber
neuerdings auch aus Cayenne, wo es zur
Destillation von Linaloeöl benutzt wird. —
Zollfrei.

Linaloeöl (Lignaloeöl, lat. Oleum l'ina-
loes, frz. Essence de bois de Linaloes, engl.
Oil of Linaloes wood), das ätherische Öl des
Linaloeholzes, wird durch Wasserdampf-
destillation aus letzterem in Menge von 10
bis 12°/o gewonnen. Es ist eine wasserhelle
oder schwach gelbliche Flüssigkeit, welche
sich in 2 Teilen 70proz. Alkohol auflöst.
Das spez. Gew. beträgt je nach dem Aus-
gangsmaterial 0,870—0,895, die spez. Drehung
— 7 bis —T6°. Das L. besteht im wesent-
lichen aus Linalool, zu dessen Herstellung es
Verwendung findet. Es dient in der Par-
fümerie zur Darstellung des Maiglöckchen-
parfüms. Daneben sind noch geringe Mengen
von Methylheptenon und Geraniol vorhanden.
Hingegen steht noch nicht fest, ob das von
einigen Autoren aufgeführte Licareol von
Linalool verschieden ist. — Zoll: 30 M.

Lindenbast (frz. Tille, engl. Bast of linden
tree) dient zur Herstellung von geflochtenen
Matten, welche hauptsächlich von Rußland
beständig in sehr großer Menge geliefert
werden und zum Verpacken von Kaufmanns-
gütern besonders gesucht sind, sowie zur An-
fertigung von Körben und Decken. Der Bast
wird in der Saftzeit geschält und ähnlich wie
Flachs behandelt. — Zoll: Lindenbast ist zoll-
frei. Waren aus Bast s. Tarif Nr. 588.

Lindenblüten (lat. Flores tiliae, frz. Fleurs
de tilleul, engl. Linden flowers). Die duftigen
Blüten unserer Linden, Tilia ulmifolia s.
parvifolia, T. platyphyllos s. grandi-
folia, sind getrocknet, aber dann fast geruch-
los, ein Artikel im großen und kleinen Kräuter-
handel. Man sammelt die Blütenstände teils
mit, teils ohne die Bracteen (cum seu sine
bracteis), das sind die mit dem gemeinsamen
Blütenstiel bis zur Hälfte verwachsenen, hell-
gelblichgrünen, saftarmen, trocken erscheinen-
den Deckblätter. Verwendet werden L. als
schweißtreibendes Mittel und zu Bädern. Um
das Aroma der Blüten abzuscheiden, destil-
! liert man die L. im frischen Zustande mit
i Wassei-, welches die geringe Menge alko-
1 holisches Öl auf nimmt und so das Linden-