﻿Lindenholz

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Lithium

blütenwasser (lat. Aqua tiliae, frz. Eau
destillee de tilleul, engl. Linden flowers water)
darstellt. Nach mehrfacher Destillation des-
selben Wassers über neue Portionen von
Blüten unter Zusatz von Salz sammeln sich
beim Stehen des Destillates Öltröpfchen auf
der Oberfläche an, welche ausgeschüttelt wer-
den. Das in den Blüten nur zu einem kleinen
Prozentsatz enthaltene Lindenblütenöl ist
schwach gelblich, leichter als Wasser und
von starkem Geruch. — Zoll: Lindenblüten
sind zollfrei. Lindenblütenwasser s. Tarif
Nr. 357. Lindenblütenöl 30 M.

Lindenholz (lat. Lignum tiliae, frz. Bois
de tilleul, engl. Linden wood), das Holz der
verschiedenen Lindenbäume, stammt am
häufigsten von der kleinblättrigen oder
Winterlinde, Tilia parvifolia, welche
über ganz Europa verbreitet ist und nament-
lich in Rußland, sowie auch im gemäßigten
Asien große Wälder bildet, während die
großblättrige oder Sommerlinde (Ti-
lia grandifolia) einen viel beschränkteren
Verbreitungsbezirk hat und hauptsächlich in
Süddeutschland und Österreich angetroffen
wird. Das L. ist weiß, etwas ins Graue und
Rötliche spielend, sehr weich und leicht, aber
doch auch zähe, dicht und von sehr gleich-
mäßigem Gefüge. Es besitzt wenig hervor-
tretende Jahresringe, spaltet leicht, aber nicht
eben, läßt sich nach verschiedenen Rich-
tungen hin leicht bearbeiten, ohne auszu-
bröckeln, und eignet sich daher vorzüglich zu
Bildhauerarbeiten. L. nimmt, wenn auch
schwierig, eine schöne Politur an und steht
im Trocknen sehr gut, geht aber bei Feuch-
tigkeit bald zugrunde und ist dem Wurm-
fraße sehr ausgesetzt. Es wird auch zu
Zeichenbrettern, als Modellierholz, von In-
strumentenmachern, Drechslern und Tischlern
viel benutzt. Das Holz der Winterlinde ist
etwas dunkler, zäher und härter als das
der Sommerlinde. Die aus L. bereitete Holz-
kohle, Carbo tiliae, wird als Zahnpulver
benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 74ff. 615ff.

Linoleum nennt man einen Stoff, der aus
Korkmehl und Leinölfirnis gefertigt und zum
Belegen der Stubendielen an Stelle der Tep-
piche verwendet wird. Es wird in Rollen von
verschiedener Breite gefertigt, auch in ver-
schiedenartigen Mustern und Farben geliefert
und bildet einen sehr brauchbaren, dauer-
haften und zweckmäßigen Fußbodenbelag. —
Zoll: S. Tarif Nr. 508/10.

Linon (frz. Linon, engl. Lawn), Schleier-
leinwand, ist ein feines weißes, leichtes
und locker gewebtes Leinenzeug, welches
die Mitte zwischen Batist und Schleier hält
und auch mitunter Batistlinon genannt
wird. Man fabriziert es gleich den Batisten in
Frankreich, Belgien, Bielefeld, Böhmen und
Schlesien. Wie die meisten Leinenstoffe in
Baumwolle nachgemacht werden, gibt es na-
türlich auch baumwollene Linons und Batist-
linons. Die Stoffe werden sowohl glatt als
gestreift, gegittert und geblümt gearbeitet und
für leichte Kleider, Hüte, Häubchen u. dgl.

benutzt. — Zoll: L. aus Leinengarn s. Tarif
Nr. 472 ff.

Linsen (lat. Semen ervi, frz. Lentilles, engl.
Lentils )sind die Samen der gemeinen Acker-
oder Saatlinse, Ervum lens, welche be-
reits im Altertum und Mittelalter als Nah-
rungsmittel geschätzt wurden, seit dem Anbau
der Kartoffel in Deutschland aber an Bedeu-
tung verloren haben, während sie in Frankreich
auch jetzt noch viel verbraucht werden. Die
einjährige, nur bis 0,3 m hohe Pflanze ist
ziemlich anspruchsvoll, verlangt fleißiges
Jäten und gibt nur unsichere Erträge. Sie
trägt in hohlen, fast rautenförmigen Hülsen
je zwei platte zusammengedrückte Samen von
gelber, weißer, brauner oder schwarzer Farbe,
welche den übrigen Hülsenfrüchten, Bohnen
und Erbsen, an Nährwert gleichkommen und
wie diese 25—26°/o Stickstoffsubstanz ent-
halten. Die L. werden meist zu Suppen und
als Gemüse, im Orient auch zur Herstellung
von Brot verwendet. Medizinisch werden sie
bei Geschwüren und Drüsenleiden als Um-
schlag benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 11.
Linsenmehl s. Nr. 162.

Liquor (deutsch: Flüssigkeit) ist ein Sammel-
name für mehrere, meist aus wäßrigen Lösun-
gen bestehende chemische oder pharmazeu-
tische Präparate, z. B. L. ammonii acetici,
essigsaure Ammoniakflüssigkeit; L. ammonii
caustici, Ätzammoniak, Salmiakgeist; L. am-
monii sulfurati, Schwefelammonium; L. ano-
dynus mineralis Hoffmanni, Hoffmannsche
schmerzstillende Tropfen, Schwefelätherwein-
geist; L. cupri perchlorati, Chlorkupferspiri-
tus; L. ferri acetici, flüssiges essigsaures Eisen-
oxyd; L. ferri chlorati, Eisenchloridlösung;
L. kali acetici, essigsaure Kalilösung; L. kali
carbonici, kohlensaure Kalilösung, Pottaschen-
lauge; L. kali caustici, Ätzkalilauge; L. natri
caustici, Ätznatronlauge usw. — Zoll: Im all-
gemeinen sind pharmazeutische Präparate nur
dann zollpflichtig, wenn sie Äther oder Wein-
geist enthalten, wie z. B. Hoffmanns Tropfen.
Zu den Ausnahmen gehören von den vor-
genannten Präparaten kohlensaure Kalilösung,
Ätznatron- und Ätzkalilauge. S. d. betr. Artikel.

Lithium, ein dem Kalium und Natrium
sehr ähnliches Metall, findet sich in der
Natur in großer Verbreitung, aber stets in
geringer Menge, so im Meer- und Flußwasser,
in Pflanzenaschen und namentlich in vielen
Mineralquellen, deren Heilwirkung man ihrem
Gehalt an diesem Elemente zuschreibt. Als
Ausgangsmaterial der Darstellung des L. und
seiner Verbindungen dient besonders der
Lithionglimmer (Lepidolith), ein Alu-
minium-Lithiumsilikat, welches sich in Sachsen
bei Altenberg und Penig, ferner in Cornwall
und in Mähren bei Rozena vorfindet. Das
metallische L., das leichteste aller Metalle,
vom spez. Gew. 7,030, ist in seinem chemischen
Verhalten den übrigen Alkalimetallen ganz
analog und findet seines hohen Preises wegen
keine technische Anwendung. Hingegen be-
sitzen seine Verbindungen, welche an der
intensiven Rotfärbung der Bunsenflamme und
mit Hilfe des Spektralapparates in den