﻿Lokao

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Lorbeeröl

kommende Eichenrinde, die in besonderen
bchälwaldungen gewonnen wird. Das
Holz wird hier alle 12—15 Jahre von den
Stöcken geschlagen und liefert dann die sog.
Spiegel- oder Glanzrinde mit lb^'o Gerb-
stoff, während die Kinde alter Bäume nur
4—6°/o Gerbstoff enthält. Als ein wichtiger
Fortschritt dieser gut rentierenden Anlagen
ist es zu bezeichnen, daß die Buscheichen
jetzt bereits im Winter geschlagen werden,
da die Rinden dann reicher an Gerbstoff
sind, und eine Störung der Vegetation ver-
mieden wird. Das Schälen bietet nach der
Behandlung in einem Dampfapparat keine
Schwierigkeit mehr. Von anderen Rinden
kommt besonders die Fichtenrinde, die
Tannenrinde, sowie in Nordamerika die
Rinde der Hemlocktanne in Betracht.
Weidenrinde dient zum Gerben des weichen
(dänischen) Handschuhleders, ein Gemisch von
Birken- und Erlenrinde zur Darstellung
des Juchtens. Die Rinden anderer Bäume:
Lärche, Pappel, Buche, Nußbaum, Ulme und
Kastanie haben wegen ihres geringen Gerb-
stoffgehaltes weniger Bedeutung, um so
größere Wichtigkeit kommt verschiedenen aus-
ländischen Gerbmaterialien (s. d.) zu, welche
in von Jahr zu Jahr steigenden Mengen ein-
geführt werden. — Zollfrei.

Lokao (Lukao, frz. und engl. Lucao),
ein eigentümliches, schön grün färbendes
Präparat, wird von den Chinesen aus der
Rinde zweier Arten vonKreuzdorn(Rham-
nus utilis und Rh. chlorophora) auf
nicht näher bekannte Weise bereitet. Die
einige Jahre lang von China gemachten Be-
züge dürften wohl völlig aufgehört haben,
seitdem es Charvin in Lyon gelungen ist,
denselben Stoff wohlfeiler aus der Rinde
einheimischer Kreuzdornarten herzustellen.
L. bildet dünne, muldenartige Scheibchen
von blauer Farbe mit grünem und violettem
Reflex, die auf dem Bruch Kupferglanz
zeigen, ist in Wasser und Weingeist unlös-
lich, aber löslich in verdünnter Essigsäure.
Der in Europa gewonnene Farbstoff verhält
sich ebenso. Man benutzt das L. zum Grün-
färben von Seide und Wolle, weil die Farbe
die gute Eigenschaft hat, bei künstlicher Be-
leuchtung nichts von ihrer Schönheit zu ver-
lieren. — Zoll: S. Tarif Nr. 328.

Lorbeerblätter (lat. Folia lauri, frz. Feuilles
de laurier, engl. Laurel leaves), die Blätter des
edlen Lorbeerbaumes (Laurus nobilis).
Der Baum ist im Orient heimisch, findet
sich aber in Südeuropa häufig angepflanzt
und verwildert und trägt männliche und weib-
liche Blüten auf verschiedenen Stämmen.
Die Blätter sind dunkelgrün, ganzrandig und
lederartig, auf der Oberseite glänzend, unten
matt und besitzen einen aromatischen Ge-
ruch und gewürzhaft bitteren Geschmack.
Die L. bilden eines der bekanntesten Ge-
würze zum Küchengebrauch, Marinieren von
Fischen, zu Essigen und Likören und werden
in Italien auch zum Einpacken von Süd-
früchten und des Süßholzsaftes (Lakritzen)
benutzt. — Zoll: 4 M.

Lorbeerblätteröl (lat. Oleum foliorum lauri
aethereum, frz. Essence de feuilles de laurier,
engl. Oil of Laurel leaves), das kajeputölartig
riechende Öl der Lorbeerblätter, hat ein spez.
Gew. von 0,920—0,930, eine spez. Drehung
von —15 bis —19 und fängt bei 158° an zu
sieden. Die zuerst übergehenden Teile ent-
halten Pinen, die bei 180° übergehenden
Cineol, während die höher siedenden noch
nicht identifiziert sind. —- Zoll: 30 M.

Lorbeeren (lat. Baccae seu Fructus lauri,
frz. Fruits de laurier, engl. Laurel berries),
die getrockneten Früchte des Lorbeer-
baumes, haben im frischen Zustande eine
dunkelblaue Schale, die aber beim Trocknen
graubraun und runzlig wird. Die trocknen
Früchte besitzen eine dünne, hautartig ein-
getrocknete Fleischschicht, darunter eine zer-
brechliche, pergamentartige Samenhülle und
einen bräunlichen, viel Öl haltenden Kern. Ihr
Geruch ist eigentümlich, nicht angenehm ge-
würzhaft, der Geschmack bitter aromatisch
und fettig. Die L. werden nur noch selten,
hauptsächlich zur Vieharznei, zu Räucherwerk
und äußerlich gegen Krätze benutzt. Glanz und
Schwere sind Zeichen der Güte und Frische
der Ware, die gut geschützt und trocken
aufzubewahren ist, da sie leicht von Insekten
angegangen und dadurch unbrauchbar wird,
ln Italien und Griechenland dienen die fri-
schen L. zur Bereitung des Lorbeeröls. —
Zoll: 2 M.

Lorbeeröl (Loröl, Lorbeerfett, lat.
Oleum Lauri expressum, frz. Huile de fruits
de laurier, engl. Laurel oil) wird teils durch
Auspressen, teils durch Auskochen der fri-
schen Früchte des Lorbeerbaumes in
Menge von etwa 15°/o erhalten. Es hat eine
schöne grüne Farbe, bei gewöhnlicher Tem-
peratur eine schmalzartige Konsistenz, kör-
nige Beschaffenheit und stark würzhaften
Geruch, der von dem Gehalt an ätherischem
Öl herrührt. Das L. muß sich in Äther voll-
ständig und klar lösen, während 80grädiger
Weingeist nur das ätherische Öl und den
grün färbenden Stoff (Chlorophyll) auszieht,
die Fette aber ungelöst läßt. Das Öl, das
meist vom Gardasee und aus Griechenland
kommt, dient in der Medizin äußerlich zu
stärkenden Einreibungen. Es bildet auch ein
sehr wirksames Mittel zur Abhaltung von
Fliegen, denen der Geruch unerträglich ist,
und wird daher in wärmeren Ländern von
den Fleischern zum Bestreichen ihrer Läden
an Fenstern und Türen benutzt Das L. be-
steht aus den Glyzeriden der Laurinsäure und
Myristinsäure, sowie aus Chlorophyll und äthe-
rischem Öl. — Das ätherische öl der
Lorbeerfrüchte (lat. Oleum Lauri aethe-
reum, frz. Essence de fruits de laurier, engl.
Laurel volatil oil), welche davon l»/o ent-
halten, wird durch Destillation der zerklei-
nerten Früchte mit Wasser erhalten. Es ist
dünnflüssig, hellgelb, vom spez. Gew. 0,914 bis
0,935 und starkem Geruch, wird jedoch wenig
gebraucht. Es enthält hauptsächlich Cineol
neben wenig Pinen. — Zoll: fettes Lorbeeröl
s. Tarif Nr. 169. Äther. Lorbeeröl: 30 M.