﻿Maisöl

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Majoran

gedrängt um die Spindel angeordnet sind,
und welche nach außen von zahlreichen Deck-
blättern umschlossen werden. Die Körner
sind verschieden groß, gelb, weiß, rot, orange,
braun, schwarzbraun, violett oder grünlich,
streifig oder gleichförmig gefärbt und 3 bis
4 Jahre lang keimfähig. Zur Gewinnung der
Samen werden die Kolben künstlich getrock-
net und in besonderen Maschinen enthülst.
Die dabei abfallenden Deckblätter bilden
Polstermaterial und guten Papierstoff, die
Kolben Brennmaterial, die Nebentriebe
Futter. Von den zahlreichen Handelssorten,
unter denen bei uns nur die niedrigen bis
mittelhohen zur Reife kommen, seien er-
wähnt: Spelzmais, Spitzmais, Zuckermais,
Pferdezahnmais, italienischer Cinquantino oder
Fünfmonatmais, Pignoletto, Badischer, Ober-
länder, Kroatischer, Pfälzer und Mailänder
Mais. Die Samen enthalten ungefähr 13%
Wasser, 9—11% Protein, 4—8% Fett, lVa
bis 2% Mineralstoffe, 2—4% Rohfaser und
68% stickstoffreie Extraktstoffe. Sie finden
ausgedehnte Verwendung für die mensch-
liche Ernährung zur Herstellung von Pud-
dings, Polenta, Suppen, Klößen, Kuchen und
Brot, sowie in der Technik zur Fabrikation
von Stärke (Maizena, Mondamin). Brannt-
wein, Bier, Kaffeesurrogaten und Zucker.
Als Grünpflanze dient Mais, ebenso wie die
unreifen Kolben, zum Viehfutter. — Zoll:
S. Tarif Nr. 7; als Kaffeesurrogat Nr. 62;
Maismehl Nr. 162; Kraftmehl Nr. 212; Mais-
branntwein Nr. 178/79; Mais für den feineren
Tafelgenuß zubereitet Nr. 216; Maiskleie,
Maiskuchen Nr. 192.

Maisöl (lat. Oleum maydis, frz. Huile de
mals, engl. Maize oil), das in den Mais-
körnern enthaltene fette öl, scheidet sich
beim Einmaischen und der Gärung des Maises
behufs Spiritusgewinnung ab, kann aber auch
durch Auspressen oder Extraktion der zer-
kleinerten Samen gewonnen werden. Das im
Embryo (Keim) der Samen enthaltene Öl ist
von blaßgelber bis bräunlichgelber Farbe,
etwas dickflüssiger als Olivenöl und von mil-
dem Geschmack und schwachem Geruch. Sein
snez. Gew. schwankt zwischen 0,917—0.921.
Es gehört zu den nicht trocknenden Ölen.
Der Mais enthält ca. 15% fettes Öl, welches
in Nordamerika in großer Menge dargestellt
wird und sich als Schmieröl und zur Seifen-
bereitung eignet. — Zoll: S. Tarif Nr. 166/7.

Maispanier wird teils aus dem Mais-
stroh (Maisstengeln), teils aus den Mais-
Eschen, den die Kolben umhüllenden Blatt-
gebilden, bereitet. Besonders die letzteren
sind hierzu geeignet, doch liefert auch das
Maisstroh ein sehr brauchbares Material, aus
welchem man Papier in allen Graden der
Feinheit darstellen kann. Dasselbe soll fester
sein als Hadernpapier, selbst an die schärfsten
Stahlfedern kein Fäserchen abgeben und auch
nicht die Sprödigkeit anderer Strohpapiere
besitzen. — Zoll: S. Tarif Nr. 653/8. 662/4.
667.

Maiwürmer (Ölkäfer) sind Blasenkäfer
aus der Familie der Mel01 den, die in ca.

70 Arten über Europa, Asien, Afrika, Amerika
weit verbreitet sind. Unter den vielen Arten
sind besonders zu erwähnen der bunte M.
(Meloe variegatus L.) und der blaue M.
(M. proscarabeus L.). Die Käfer sind ca.
2 cm lang und besitzen in den Gelenken der
Beine eine ölige, gelbe Flüssigkeit, die sie
beim Berühren von sich geben und welche
wegen ihres Gehaltes an Kantharidin blasen-
ziehend wirkt. Von den Kanthariden unter-
scheiden sich die M. namentlich dadurch,
daß ihnen die Flügel fehlen bzw. sehr kurz
sind. Ihr Aufenthalt ist daher mehr in der
Erde. In Honig aufgesetzt, werden sie in der
Volksmedizin gegen Hundswut angewendet.

—	Zollfrei.

Majolika nennt man eine besondere Art
Steingut oder in mäßigem Feuer gebrannte
Tonware, welche über dem meist eisen-
haltigen, daher durch den Brand gelblich
oder rötlich werdenden Ton die Malerei auf
einer undurchsichtigen weißen Zinnglasur hat.
Der Name stammt von der Insel Majorka,
wo die Pisaner im 12. Jahrhundert die in die
Kirchenwände eingesetzten Schüsselchen (bac-
cioli) sahen und nach Italien mitnahmen.
Lucca della Robbia war der erste, der das
Metall der Glasur erkannte. Die anderen,
welche dieselbe Wirkung zu erzielen suchten,
pflegten auf dem eisenhaltigen Ton eine Auf-
lage von Pfeifenton, der sich weiß brennt
(Engobe) und darüber die Malerei anzubringen,
welche durch eine durchsichtige Bleiglasur
gedeckt wurde. Diese Produkte nannte man
Mezza-Majoliken. In neuerer Zeit wird
die Bezeichnung auch für manche Surrogate
gebraucht, so daß sie jetzt fast jegliche
leichtgebrannte bunte Tonware in sich be-
greift. Als bekannteste Gattungen erscheinen
die Znaimer Majoliken, welche von Alois
Klammerth durch die ganze Welt verbreitet
wurden, die Heimberger oder Schweizer
Majoliken, die Professor Keller-Leuzinger
zum erstenmal auf der Pariser Weltausstel-
lung vorführte, die italienischen Bauern-
majoliken, welche nebst den besseren Pro-
dukten von Ginori in Doccia und Castellani
in Rom sich am meisten an die alten Majo-
liken in Technik und Aussehen anlehnten.
Jetzt hat man viele Fabriken in Deutsch-
land und Österreich, die sich mit der Her-
stellung von Majolikagegenständen der ver-
schiedensten Art, wie Zimmeröfen, Kaminen.
Vasen, Figuren usw. beschäftigen. Die Ver-
packung geschieht in gereinigtem Heu oder
Stroh in Kisten oder Holzkörben, bei billigen
Waren direkt in den Waggon oder auf das
Schiff. Feinere Waren werden auch zuvor
in Papier oder Seidenpaüier gewickelt, kost-
barste Proben selbst in Watte und stückweise
in Pappschachteln verpackt (s. auch Fayence).

—	Zoll: S. Tarif Nr. 713ff.

Majoran (Meiran, lat. Herba majoranae,
frz. Marjolaine, engl. Marjoram) nennt man
die von den Stengeln abgestreiften Blätter
und Blütenstände von Majorana hortensis
oder Origanum majorana, einer einjäh-
rigen, in Griechenland und dem Orient heimi-