﻿Malamborinde

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Malvenblätter und -bluten

wein, stammt aus der spanischen Provinz
Malaga und wird meist als Weißwein aus
der Pedro-Ximenez-Traube nach den ver-
schiedensten Methoden hergestellt. Die
Grundlage der meisten Produkte bildet der
Aino maestro, ein im Zustande beginnen-
der Gärung durch Zusatz von 15°/o Alkohol
stumm gemachter Most und der Vino
Tierno, der durch Auspressen von Trocken-
beeren mit Vs Wasser gewonnen wird. Sie
erhalten meist Zusätze von Aropa, d. i. in
flachen Pfannen auf Vs seines Volums einge-
kochter süßer Most, oder von Color, der
noch weiter zur Sirupsdicke eingedampften
Aropa. Beide sollen außerdem vielfach mit
Auszügen von Feigen, Johannisbrot und
Zuckersirup vermischt werden. Durch ent-
sprechende Vereinigung der genannten Mate-
rialien entstehen die verschiedenen Malaga-
weine, von denen zu uns die dunkelbraun
gefärbten, viel Color enthaltenden, Sorten
gelangen. Als mittlere Zusammensetzung gibt
König an: 12,6 g Alkohol, 22,09 g Extrakt,
18,32 g Zucker, 0,51 g Gesamtsäure, 0,55 g
Glyzerin und 0,42 g Mineralstoffe, jedoch
schwankt die Zusammensetzung sehr, und
neben dem zuckerreichen Dulce delcolor
gibt es sehr herbe, als Vino seco bezeich-
nete Sorten. Die aus den höher gelegenen
Gegenden stammenden Mountains Weine
gehen meist nach England. Rote M. sind
ziemlich selten und meist als Alicante an-
zusprechen. — Zoll: S. Tarif Nr. 180/1.

Malamborinde (lat. Cortex Malambo, frz.
Ecorce de malambo, engl. Malambo bark), die
Rinde von Croton Malambo, einer baum-
artigen Euphorbiacee Venezuelas und Neu-
Granadas, besteht aus rinnenförmigen Stücken,
welche mit einem leicht ablösbaren, weiß-
gelblichen Kork bedeckt sind. Darunter liegt
eine gelbbraune Mittelrinde, während die
Innenfläche glatt und blaß zimtfarben, der
Bruch körnig, faserig erscheint. Geruch und
Geschmack erinnern an Mazis. Die Rinde
wird in Südamerika als Fiebermittel medi-
zinisch verwendet. — Zollfrei.

Malariapastillen enthalten 1 g salzsaures
Chinin und 0,002 g arsensaures Natrium.

Malarin, ein schwach nach Jasmin riechen-
des hellgelbes Kristallpulver vom Schmelz-
Punkt 88°, wird durch Erhitzen gleicher Teile
Azetophenon und Paraphenetidin dargestellt
und ist daher als Azetophenonphenetidid
anzusprechen. Das in Wasser unlösliche, in
Alkohol und Äther lösliche Präparat wird
neuerdings als Fiebermittel empfohlen. —
Zollfrei.

.. Maltonweine nennt man eine Reihe wein-
ahnlicher Getränke, welche nach einem von
Dr. Sauer in Hamburg erfundenen, außer-
ordentlich interessanten Verfahren aus Malz-
würze hergestellt werden. Die letztere wird
zunächst durch Zusatz von Milchsäurebazillen
Oer 50° einer Säuerung überlassen, bis der
Milchsäuregehalt 0,6—0,8 °/o beträgt, dann auf
75° erhitzt, und nach dem Abkühlen mit rein-
gezüchteten Weinhefen in Gärung versetzt.
Hierbei nimmt die Flüssigkeit einen ausge-
Merck’s Warenielikon. 5. Anfl.

sprochenen Weingeschmack und das der ver-
arbeiteten Hefe entsprechende Aroma an.
Die hauptsächlichsten, als Malton-Sherry,
Malton-Portwein und Malton-Tokayer
bezeichneten Erzeugnisse sind, abgesehen von
dem Ersatz der Weinsäure durch Milchsäure,
den entsprechenden Traubenweinen sehr ähn-
lich zusammengesetzt. Ihr Geschmack ist, mit
Ausnahme des an Bierwürze erinnernden Mal-
ton-Tokayers, rein weinartig, ihr Preis aller-
dings verhältnismäßig hoch. — Zoll: S. Tarif
Nr. 185.

Maltose ist eine dem Rohrzucker nahe-
stehende Zuckerart mit 12 Atomen Kohlen-
stoff, also eine Biose, welche bei der Ein-
wirkung von Diastase auf Stärke, d. h. bei
der Bierbrauerei und Branntweinbrennerei
entsteht und auch als Zwischenprodukt bei
der Behandlung von Stärke mit Säuren ge-
bildet wird. Ihre spez. Drehung beträgt 137°.
Bei der Hydrolyse mit verd. Säuren liefert
sie 2 Moleküle Glykose, reduziert Fehlingsche
Lösung und liefert mit Phenylhydrazin ein
bei 206° schmelzendes Osazon. M. bildet den
im Bier enthaltenen Zucker und wird neuer-
dings in Form harter feiner Nadeln im großen
dargestellt. — Zoll: krist. oder gebrannt, sowie
sirupartig s. Tarif Nr. 177.

Malvenblätter und -blüten (lat. Herba s.
Folia malvae, frz. Feuilles de mauve, engl.
Mallow leaves; lat. Flores malvae, frz. Fleurs
de mauve, engl. Mallow flowers). 1. Die ge-
trockneten Blätter und Blüten der bei uns
häufig an Zäunen, Mauern, auf Schutthaufen
und sonstigen unkultivierten Stellen wach-
senden Arten wilder Malven oder Käse-
pappeln, Malva silvestris und M. ro-
tundifolia aus der Gattung der Malva-
ceen. Die Blüten der ersteren sind rosa
oder blaurot gefärbt, mit dunklerem Geäder
durchzogen und werden beim Trocknen blau,
die der anderen, kleineren, rötlich bis weiß
und violett geadert. Als Handelsware gehen
diese Blüten unter dem Namen Flores
malvae vulgares s. silvestris. Die Blätter
des Malvenkrautes (Herba s. Folia malvae)
sind kurzgestielt, herzförmig, kreisrund, stumpf
fünflappig, gekerbt und weich behaart. Blätter
und Blüten werden ihrer Schleimbestandteile
wegen zu Teemischungen und im Aufguß
bei katarrhalischen Leiden verwendet. — Von
größerer Bedeutung sind 2. die Flores mal-
vae arboreae cum calycibus: Malven-
blüten mit Kelchen, und solche ohne Kelche:
Flores malvae arboreae sine calyci-
bus, die Blüten der Gartenmalve oder
Stockrose, des bekannten, oft mehr als
mannshohen Ziergewächses, der Eibisch-
pflanze, Althaea rosea. Die großen
Blumen zeigen verschiedene Färbungen, rosa,
weiß, gelb, purpur- bis dunkelbraunrot oder
Schwarzpurpur. Doch wird nur die letztere
Varietät, die schwarze Malve, benutzt und
wegen des Farbstoffs ihrer Blüten angebaut.
Mit Abkochungen der entkelchten Blüten
lassen sich unter Anwendung von Beizen
hübsche, aber nicht dauerhafte Farben auf
Zeuge in violetten und anderen Nuancen her-

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