﻿Manna

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Maräne

daher noch klar zu hecheln. Die weißen,
zu feineren Arbeiten tauglichen Fasern bilden
immer nur Vs—1/« der Masse, das übrige ist
Material für den Seiler. Aus den besten und
glänzendsten Fasern fertigt man Klingelzüge,
Gürtel, Arbeitsbeutel und andere geflochtene
Sachen, Schnüre u. dgl. — Zoll: S. Tarif
Nr. 48. 470. Gespinstwaren aus M. s. Nr.472ff.

Manna (lat. Manna, frz. Mannö, engl.
Manna) nennt man den an der Luft einge-
trockneten Saft der Mannaesche (Fraxi-
nus Ornus), eines Baumes, der 6—9 m Höhe
erreicht und in ganz Südeuropa vorkommt,
aber als Wildbaum zur Mannagewinnung nicht
tauglich ist. Vielmehr liefern nur einige
Kulturvarietäten Manna, und es gibt sonach
keine Mannawälder, sondern nur Pflanzungen.
Am ausgedehntesten finden sich die letzteren
m einigen Distrikten Siziliens und auf der
Ostseite von Kalabrien, ferner im ehemaligen
Toskana, in Dalmatien und auf einigen griechi-
schen Inseln. Der Baum läßt seinen Zucker-
saft aus dem Stamme teils freiwillig, teils
durch künstliche Einschnitte tropfenweise aus-
treten. Man beginnt mit der Gewinnung in der
trockenen Jahreszeit, gewöhnlich Anfang Juli,
indem man die Schnitte zuerst nahe am
Boden macht und dann allmählich weiter
nach oben vorrückt. In den Spalt befestigt
man einen Strohhalm oder ein Blatt, worauf
der Saft eintrocknet oder auf Blätter ab-
tropft, die am Fuße des Baumes in einer dazu
gemachten Grube ausgebreitet sind. Die aus
dem unteren Stammteil oder von älteren Bäu-
men erhaltene Masse ist von geringerer Güte,
als die von den oberen Partien und von
jungen Bäumen. Anderseits ist die Witte-
rung auf Güte und Menge der Ernte von be-
deutendem Einfluß. Zu einer guten Ernte
gehört anhaltend trockenes, helles Wetter.
Nebel und Regen machen die M. unbrauch-
bar, und es genügt ein Tag starken Regens,
um die ganze Ernte zu vereiteln. Die Ware
besteht, abgesehen von der im Handel nicht
vorkommenden M. in Tränen (M. in lacrymis),
aus zwei äußerlich verschiedenen Sorten,
Röhr enmanna (M. canellata) und gemeine
M. (M. gerace seu in sortis, häufig auch M.
calabrina genannt, obschon sie meistenteils aus
Sizilien kommt). Die Röhrenmanna besteht
aus langen flachen oder rinnenförmigen,
dünnen Stückchen von weißgelblicher Farbe,
welche mürbe, brüchig, ziemlich trocken und
etwas durchscheinend sind und einen rein
süßen, schleimigen Geschmack haben. Sie ist
die von jungen Bäumen und aus den höheren
Stammteilen gesammelte Ware, welche bei
günstigem Wetter rasch auf Blättern und Zwei-
gen eingetrocknet ist. Sie wird abgenommen
und nachgetrocknet. Die gemeine M., M.
calabrina seu gerace, welche von alten
Stämmen und in der Erdnähe gewonnen wird
und auch von Luftfeuchtigkeit beeinflußt ist,
besteht aus braunen, ziemlich feuchten, helle-
ren und härteren Klümpchen, die von einer
dunkleren, schmierigen Masse zusammenge-
halten werden. Häufig finden sich Rinden-
Iragineilte u. dgl. darunter. — Die wichtigsten

Bestandteile der M. sind Mannit, Glukose
und Schleim. Die Röhrenmanna schmeckt
angenehm süßlich, während die gemeine M.
etwas kratzend und bitter schmeckt, beide
wirken purgierend. — Mit dem Namen Manna
belegt man auch noch verschiedene andere
getrocknete Säfte, die keine Handelswaren
sind und nur zum Teil Mannit, zum Teil
auch andere Zuckerarten enthalten, z. B.
Briangoner M., von einer Art Lärche (Larix
decidua), spanische M. von Cistus ladanifera,
persische von Hedysarum Alhagi und austra-
lische von Eucalyptus mannifera. Manna ist
in Deutschland, als Arzneimittel, dem freien
Verkehr entzogen. — Zollfrei.

Mannagrütze (Schwaden, Schwaden-
grütze). Diesen Namen führen die Samen
einer Grasart, Glyceria fluitans (Manna-
schwingel, Flutgras, Grashirse, Hori-
schengras), welche in der Gegend von
Königsberg, Danzig und Elbing ähnlich wie
Hirse zubereitet und genossen werden. Dieses
Gras wird nicht angebaut, sondern wächst in
den feuchten Niederungen massenhaft wild.
Die durch Ausschütteln auf untergelegten
Tüchern gesammelten Samen sind noch klei-
ner als Hirse und haben, nachdem sie von
ihren braunen Hülsen befreit wurden, eine
hellgelbe, der Hirse ähnliche Farbe. — Zoll:
S. Tarif Nr. 6.

Mannit (Mannazucker) ist eine im
Pflanzenreiche sehr verbreitete zuckerähn-
liche Substanz, die jedoch in größerer Menge
nur in der Manna vorkommt (in den besten
Sorten bis zu 80°/o). Zu seiner Darstellung
kocht man die M. mit Alkohol aus und
bringt die Lösung zur Kristallisation. Der
M. erscheint in weißen, geruchlosen Kristallen
von schwachsüßem Geschmack, welche beim
Erhitzen auf 166° schmelzen und beim Er-
kalten kristallinisch erstarren. Bei 200° C
verwandelt sich ein Teil in Mannitan. In
heißem Wasser löst sich der M. leicht, von
kaltem braucht er 6Vs Teile. Er ist nicht
gärungsfähig. M. kann auch künstlich her-
gestellt werden und findet als Abführmittel
und als Zucker für Diabetiker Anwendung. —
Zollfrei.

Mannocitin nennt man eine Mischung von
Wollfett mit Kampferöl, welche als Rost-
schutzmittel Verwendung findet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 130.

Maräne (nicht zu verwechseln mit der
Muräne), ein zu der Familie der Lachse ge-
höriger Fisch, von dem man mehrere
Arten unterscheidet. Die gewöhnliche oder
große M. (Madue-M., Coregonus Ma-
raena) lebt in sehr tiefen Landseen, nament-
lich im Bodensee und einigen norddeutschen
Seen und kommt nur zur Laichzeit aus der
Tiefe in seichtere Stellen. Außerdem findet
sie sich in den großen Süß wasserseen Nord-
amerikas und wird dort auch mit gutem Er-
folge künstlich gezogen. Das Fleisch ist sehr
schmackhaft, aber nur wenig haltbar. Der
Fisch stirbt sofort, wenn er aus dem Wasser
kommt, und kann nur in Eis verpackt ver-
sendet werden. Unter 40 cm Länge soll er