﻿Marmor

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Marmor

zu, ja es sind völlige Kunstprodukte im Handel
vorgefunden, welche nahezu gänzlich aus
künstlich rot gefärbtem Stärkesirup bestan-
den, und denen nur durch einige hineinge-
rührte Fruchtkerne ein marmeladenähnliches
Aussehen verliehen worden war. Mit der
Einführung einer geordneten Nahrungsmittel-
kontrolle sind die gröbsten Übelstände in-
zwischen beseitigt worden. Zusätze von Stärke-
sirup, Teerfarbstoffen u. dgl. werden den
Käufern auf Etiketten bekannt gegeben, und
eine weitere Besserung der bestehenden Zu-
stände kann von dem gemeinsamen Zu-
sammenwirken der reellen Fabrikanten und
der Nahrungsmittelchemiker erwartet werden.
Als erste Voraussetzung einer endgültigen
Regelung ist natürlich zu fordern, daß Him-
beer-M. nur aus Himbeeren und Zucker
besteht, während eine aus Himbeeren und
Äpfeln bestehende Ware als Himbeer-
Äpfel-M. gekennzeichnet wird. Sog. Ge-
mischte M. oder M. mit Phantasienamen,
wie Kaiser-M., Haushalt-M., dürfen ein Ge-
misch verschiedener Früchte, daneben aber
nur Zucker, keinen Stärkesirup enthalten. Die
Kennzeichnung aller Abweichungen muß in
deutlicher Weise erfolgen. Dringend er-
wünscht wäre es, wenn die Fabrikanten sich
entschließen wollten, wertlose Zusätze, wie
ausgelaugte Preßrückstände, gewaschene
Himbeerkerne u. dgl. gänzlich zu vermeiden.
Die echten M. kommen meist in verschlosse-
nen Originalbüchsen, die stärkesiruphaltigen
und die völligen Kunstprodukte vielfach auch
in Blecheimern zum Verkehr. — Zoll: S.
.Tarif Nr. 213.

Marmor (frz. Marbre, engl. Marble) nennt
man im allgemeinen alle politurfähigen, zu
Bildhauerarbeiten geeigneten Kalksteine, ohne
daß sich zwischen M. und gemeinen Kalk-
steinen eine scharfe Grenze ziehen ließe.
Von dem ersteren verlangt man außer dem
feinen Gefüge vor allem schöne Färbung
oder Zeichnung, und unterscheidet hiernach
zahlreiche Varietäten. Die Mineralogie son-
dert dieselben in zwei Klassen von ganz un-
gleicher Art der Entstehung. — Der körnige
Kalk, Urkalk oder eigentliche M., welcher
sich meistens als Ausfüllung von Klüften
anderen Gesteins findet, hat sich jedenfalls
aus feurigem Flusse abgeschieden, und zwar
unter solcher Bedeckung, daß die Kohlen-
säure nicht entweichen konnte. Bei der
Wiedererstarrung nahm die Masse dann die
feinkörnige kristallinische Struktur an, die
sie auf Bruchflächen dem Zucker ähnlich er-
scheinen läßt. Diese Annahme wird durch
die Tatsache unterstützt, daß gewöhnlicher
Kalkstein, wenn er unter Luftabschluß, etwa
in einem verstopften Flintenlaufe, geglüht
wird, unter Festhaltung seiner Kohlensäure
schmilzt und sich in körnigen Kalk umwan-
delt. Solcher M. ist daher immer einfarbig,
weiß oder mit leichtem Stich in andere Far-
ben und enthält keine Einschlüsse außer an
den Berührungsstellen mit anderen Gesteinen,
niemals aber Reste organischen Ursprungs
(Versteinerungen). Der rein weiße M. dieser

Gruppe bildet den eigentlichen Statuen-
marmor. — Die zweite Gruppe, der sog.
Architekturmarmor, ist ein aus Wasser
als Schlamm abgesetzter und dann erhärteter
dichter Kalkstein, mit den mannigfachsten
Färbungen, Flecken und Adern, die durch
das Hinzukommen fremder Bestandteile, wie
Metalloxyde, Mineralien, Erdharze u. dgl. er-
zeugt werden. Manche Arten enthalten zahl-
reiche versteinerte Muschelarten, Schnecken-
häuser und Reste von Krustentieren einge-
schlossen, deren Zeichnungen auf der ge-
schliffenen Fläche oft sehr schön hervortreten.
Sie heißen daher Muschelmarmor. —
Breccienmarmor dagegen sind solche Sor-
ten, die aus mehr oder minder eckigen Bruch-
stücken bestehen, welche in einer allgemeinen
Kalkmasse eingebettet liegen und durch sie
zu einem Ganzen verkittet sind. — Die Be-
zeichnungen der Marmorsorten sind entweder
von ihren Ursprungsorten oder von ihren
Färbungen und Zeichnungen, oder von beiden
zugleich abgeleitet. Der weiße Statuen-
marmor, welcher als Handelsware die meiste
Bedeutung hat und am weitesten versendet
wird, findet sich für Zwecke der Bildhauerei
geeignet nur in Italien und Griechenland.
Die bekannteste Ware ist der karrarische
M., der an mehreren Stellen um die Stadt
Karrara im ehemals modenesischen Bezirk
Massa gebrochen und von dem benachbarten
Hafenort Avenza ausgeführt wird. Die besten
Sorten kommen von Crestola und Poggio-
Silvestro, von den um Serravezza liegenden
Gruben stammt der geschätzte M. von Fal-
covia, der feinste Italiens, Saccharides ge-
nannt. In Griechenland ist Paros, eine Insel
der Zykladen, der Fundort des besten weißen
M. (Parischer M.), daneben das Pentelikon-
gebirge, dessen M. gleich neben dem von
Paros rangiert und diesen an Weiße noch
übertrifft. Geringere Arten weißen M. finden
sich auf mehreren griechischen Inseln; so
namentlich auf Tinos, wo man sehr schönen,
weißen, schwarzen und gestreiften M. bricht,
der in großen Quantitäten in die Türkei aus-
geführt wird. In Deutschland liegt nur an
einzelnen Punkten weißer M. von unreiner
Färbung, der aber nicht zu Bildhauerarbeiten,
sondern nur zu Tischplatten u. dgl. brauchbar
ist, so in einigen Teilen des Erzgebirges,
Fichtelgebirges, Harzes und Odenwaldes. Im
Erzgebirge gibt es zwar einen Bruch, dessen
Stein so weiß ist wie der von Karrara, aber es
finden sich keine großen Blöcke, sondern nur
kleine Stücke. — Farbige und bunte Sorten
sind vor allem wieder in Italien häufiger als
weiße, doch nimmt man es hier mit der Nomen-
klatur weniger genau und bezeichnet zuweilen
auch Gesteine als M., die gar nicht aus kohlen-
saurem Kalk bestehen. Manche Namen
führen den Beisatz antico, was besagt, öaft
diese Spezies von unbekannter Herkunft sei,
oder aus schon im Altertum erschöpften
Brüchen stamme. Solcher M. kann daher nur
noch aus altrömischen Ruinen entnommen
werden, ist also selten und wird nur in dünne
Platten zersägt verwendet. Indes ist es neuer-