﻿Marmor

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Marron

dings geglückt, die eine und andere natür-
liche Lagerstätte solcher Anticos wieder aufzu-
tinden, so namentlich die Maina in Griechen-
land, welche bereits den Künstlern des Alter-
tums die prachtvoll grünen und roten, schwarz
geaderten Varietäten geliefert hat. Nach den
Hauptfarben hat man außerdem auch weißen,
schwarzen, grünen, gelben, roten (nero, verde,
giallo, rosso) M. Schwarzer, durch Kohlen-
teilchen gefärbter M. kommt bei Bergamo (der
i*>g- Paragon), solcher mit gelben Adern, bei
Karrara neben weißem vor. Sehr guter und viel
verwendeter schwarzer M. findet sich auch in
der Gegend von Lüttich. Grüner M. kommt
m verschiedenen Varietäten im Genuesischen
vor. Der in Griechenland wieder aufgefun-
dene verde antico ist eine Breccie von schwarz-
grünem Serpentin mit weißem Kalkstein als
Bindemittel. Einfarbig gelber M. (giallo an-
tico) von unbekannter Herkunft ist selten und
wird nur zu Einlagen verwendet. Rote Mar-
morsorten kommen von Verona, Lugezzana
und Narbonne. Der rosso antico aus Griechen-
land ist durchzogen Von weißen und schwarzen
Adern und mit schwarzen Punkten übersät.
Je satter das Rot ist, und je weniger Adern
vorhanden sind, desto höher wird er geschätzt.
In der Nähe von Karrara bricht man auch
einen dunkelblauen oder blaugrauen M. mit
weißen Adern, welcher Bardiglio genannt
wird. Der sog. Zwiebelmarmor (Cipollino)
ist eine Abart des weißen pentelischen und
zeigt auf weißem Grunde grüne Ringel, die
an Durchschnitte von Zwiebeln erinnern. Die
Breccienmarmore sind nach Art ihrer Be-
standteile und Färbungen sehr verschieden.
Zu ihnen gehört der Florentiner Ruinen-
marmor, welcher auf hellerem Grunde dunkel-
braune Figuren zeigt, die Ähnlichkeit mit
zerfallenen Bauwerken haben. Die M., welche
Tierreste, wie Muscheln, Schnecken u. dgl.
einschließen, tragen den Gesamtnamen Mu-
schelmarmor (Lumachello), und werden
gern zu Tischplatten, Säulen u. dgl. ver-
arbeitet. Sie finden sich öfter in Italien, in
Belgien, wo der sog. St. Annenmarmor eine
sehr ausgedehnte Verwendung findet, in Thü-
nngen, im Harz, bei Altdorf in Bayern, bei
Ischl usw. Der schönste hierher gehörige M.
ist der Lumachell von Bleiberg in Kärnten,
der in den schönsten Regenbogenfarben schim-
rnert. — Als reich an schönen Marmorarten
sind noch zu nennen: Portugal, mit feinem,
weißen und schwarzen M., Savoyen, welches
besonders grauen M. in Menge besitzt, die
Inseln Sardinien und Korsika, dann Algerien,
wo man alte Römerbrüche wieder aufgefunden
bat, und wo es rein weißen, rötlichen, gelb-
lichen und schön schwarzen, weiß geaderten
M. gibt. Von Spanien weiß man nur im
allgemeinen, daß es reich an schönen Marmor-
steinen ist, die Gewinnung scheint jedoch un-
bedeutend zu sein. Frankreich hat in den
Pyrenäen und Vogesen viele Marmorbrüche
in bunten Sorten, ebenso Belgien, eines der
an M. reichsten Länder, welches besonders
in der Gegend von Namur und Gent schönen
schwarzen M. besitzt. In Anglesea bricht man

unter anderen Verde di Corsica, so genannt,
weil die Musterung genau mit der eines kor-
sischen M. übereinstimmt und wie dieser die
Farben grün, schwarz, weiß und dunkelpurpur-
rot in unregelmäßiger Anordnung zeigt. Die
in Deutschland vorkommenden M. entbehren
meist der lebhaften Farben und bilden ihre
Adern und anderen Zeichnungen aus schwarz,
weiß, grau und braun, haben aber doch zu-
weilen ein sehr hübsches Aussehen. Man
fertigt daraus Grabsteine, Inschriftplatten und
andere Steinhauerarbeiten, zum Teil auch
kleinere gedrehte und geschnittene Gegen-
stände. Aus Thüringen gehen marmorne Kin-
derspielkugeln, die sog. Schusser (Mar-
beln), weite Handelswege. Weiter wird in
Blankenburg am Harz, in Schlesien (bei
Habelschwerdt), in Böhmen und Bayern (bei
Bayreuth), im Salzburgschen (der rötliche
M. vom Untersberg) und bei Recklinghausen
in Westfalen M. gefunden. Reich an verschie-
denen bunten Marmorarten ist endlich das
Nassauische, wo sie zu den mannigfaltigsten
Gegenständen verarbeitet werden. — Aus feinem
bunten Marmor werden besonders in Italien
Kunstwaren, wie Urnen u. dgl. gefertigt, die
sogar zu den Leipziger Messen kommen.
Doch ist zu bemerken, daß man dabei nicht
selten der Natur durch künstliche Färbungen
verschönend nachhilft, die vom M. leicht und
tief eingesaugt werden. Man erhält z. B.
Dunkelrot durch salpetersaure Silberlösung,
Purpur mit Goldlösung, Hellgrün mit Grün-
span. Außerdem werden auch Stoffe wie
Drachenblut und Gummigutt benutzt. Feiner
M. wird häufig nur als eine Art Furnierung
verwendet, indem man ihn in dünne Tafeln
zersägt und geschickt auf Gegenstände kittet,
die aus einem geringeren Material bestehen.
So erzeugt man scheinbar marmorne Wände,
Säulen, Tischplatten und andere Mobilien.
Der starke Verbrauch an M. hat die ita-
lienischen Vorräte nahezu erschöpft. Die
karrarischen Brüche ergeben in neuerer Zeit
nicht mehr so reine Massen wie früher, so
daß die Künstler jetzt schon häufig penteli-
schen M. aus Griechenland verarbeiten. —
Unrein weiße, sowie schlecht gefärbte Sorten,
wenn sie nicht viele fremde Materialien ein-
schließen, bilden ein gutes Material zum
Kalkbrennen. — Zoll: Marmorblöcke, rohe
oder bloß behauene, s. Tarif Nr. 234. 680.
Platten, Säulen, ungeschliffene Steinmetz-
arbeiten s. Tarif Nr. 682/3. 685/7. 690/2. M.,
künstlicher und Waren daraus, s. die all-
gemeine Anmerkung 2 zu Abschnitt 13.

Marron (Kastanienbraun, Chatin) ist
ein Sammelname für verschiedene braune bis
braunrote Teerfarbstoffe, welche bei der
Bereitung des Fuchsins aus der Schmelze als
Nebenprodukte gewonnen werden, aber auch
durch Behandlung von Fuchsin mit salz-
saurem Anilin in der Hitze dargestellt werden
können. Die verschiedenen Sorten von Mar-
ron bestehen neben geringen Mengen von
Fuchsin aus Gemengen von Chrysanilin, Viol-
anilin und deren Zersetzungsprodukten. —
Zollfrei.