﻿Marsala

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Massoyrinde

Marsala, der bekannteste und beliebteste
der süßen Likörweine Siziliens, ist stark und
feurig, dem Madeira etwas ähnlich, aber
süßer. Die Farbe ist dunkelgelb, doch gibt es
auch roten M. Der Alkoholgehalt beträgt
11,6 g, der Extraktgehalt 6,4 g, der Zucker-
gehalt 3,3 g. — Zoll: S. Tarif Nr. 180/81.

Martiusgelb. Unter diesem Namen kann
man mehrere ähnliche, zur Gruppe der Nitro-
farben gehörige Teerfarbstoffe zusammen-
fassen, deren erster von Martius im Jahre
1864 entdeckt wurde. Sie werden sämtlich
durch Einwirkung von Salpetersäure auf
Alphanaphtylamin, oder auf Alphanaphthol-
sulfosäure oder endlich auch auf Naphtion-
säure erhalten. Je nachdem man das Reak-
tionsprodukt mit Ammoniak, Kali, Natron
oder Kalk sättigt, erhält man verschiedene
Salze des entstandenen Dinitroalphanaphtols,
die unter den Namen Naphtholgelb, Naph-
thalingelb, Manchestergelb, Naphtyl-
amingelb, Ganahlgelb, Jaune d’or in
den Handel kommen. — Das Kalksalz, wel-
ches gelbrote Kristalle bildet, sowie das Am-
moniak- und Natronsalz, in kleinen, glänzen-
den, orangegelben Blättchen, sind in warmem
Wasser leicht löslich, das Ammoniaksalz löst
sich auch in Spiritus. M. färbt Wolle und
Seide ohne Beizen gelb in den verschiedensten
Nuancen und ist außerordentlich ergiebig, so
daß man mit 1 kg des Farbstoffes noch
200 kg Wolle intensiv gelb färben kann. Der
Staub des M. erregt heftiges und anhaltendes
Niesen. — Zollfrei.

Marunken nennt man sowohl eine Art
kleiner gelber Aprikosen, wie auch die
großen gelben Eierpflaumen, die entweder
frisch oder auch getrocknet und in Zucker ein-
gemacht in den Handel kommen. — Zoll:
S. Tarif Nr. 47/48. 216.

Marzipan (frz. Massepain, engl. Marchpain)
nennt man einen Konditorei-Artikel, welcher
lediglich aus einem Gemisch von Mandeln
und Zucker besteht. Der Name soll sich
von dem lateinischen „panis marci“ (Brot des
Markus) ableiten, doch steht nicht fest, ob
er dem heiligen Markus, oder dem Erfinder
des M., dem sagenhaften Klosterkoch Markus
zu Ehren gewählt wurde. Ursprünglich von
kleineren Gewerbetreibenden, besonders in
Lübeck und Königsberg, hergestellt, ist M.
neuerdings ein Erzeugnis der Großindustrie
geworden. Die Fabriken verfahren in der
Weise, daß sie die süßen Mandeln brühen
und entschälen, darauf in Walzenstühlen zer-
reiben und mit Zucker innig vermischen. Zur
Erzielung des charakteristischen Geruchs und
Geschmacks nach Bittermandelöl wird meist
eine geringe Menge bitterer Mandeln hinzu-
gesetzt. Zur Verarbeitung bitterer Mandeln
ist eine längere Einwirkung von Wasser er-
forderlich. Diese hat zur Folge, daß das in
den Mandeln enthaltene Emulsin eine Zer-
legung des Amygdalins in Bittermandelöl und
Blausäure herbeiführt, welche dann bei dem
folgenden Röstprozeß in flüchtiger Form ent-
weichen. Das nach dem einen oder anderen
Verfahren hergestellte Rohmarzipan, wel-

ches normalerweise aus % Mandeln und Vs
Zucker bestehen soll, bildet das Ausgangs-
material für die Fabrikation des angewirk-
ten Marzipans und der geformten Mar-
zipanwaren (Tiere, Früchte, Figuren), und
erhält, abgesehen von Aromastoffen, wie
Rosen- oder Orangenblütenwasser, Zusätze
von Zucker und, zur Verhütung des Aus-
trocknens und Reißens, von Stärkesirup in
wechselnden Mengen, jedoch soll der Gehalt
an letzterem 10°/o des beigemischten Zuckers
nicht übersteigen. Zusätze von Mehl oder
Stärke sind gänzlich verpönt und als Ver-
fälschung zu betrachten. — Zoll: S. Tarif
Nr. 202.

Marzolano, das feinste zu Geflechten
verwendete Stroh, welches hauptsächlich in
den Strohhutfabriken zu Florenz in unge-
spaltenem Zustande verarbeitet wird. Man
gewinnt es in Italien von einer besonderen
Art Sommerweizen, Grano marzuolo,
welche im März ausgesät wird. — Zoll: Mar-
zolano-Stroh s. Tarif Nr. 27. 68. M.-Geflechte
s. Nr. 541. 588.

Massoyöl, das ätherische Öl der
Massoyrinde (s. d.), von Cinnamomum
xanthoneurum ist gelb und ziemlich dünn-
flüssig, besitzt einen aromatischen, an Nelken
und Opopanaxöl erinnernden Geruch und
scharf brennenden Geschmack. Das spez.
Gew. ist 1,050. Das Öl dreht das polarisierte
Licht nach rechts. Den Hauptbestandteil
bildet Eugenol (80°/'o) neben Safrol und ca.
6°/o einese Terpen-Gemisches, welches Pinen
enthält und Massoyen genannt worden ist.
— Zoll: S. Tarif Nr. 353.

Massoyrinde (lat. Cortex massoy, frz.
Ecorce de massoy, engl. Massoy bark). Unter
diesem Namen findet man im Drogenhandel
drei verschiedene Rinden von Bäumen aus
der Familie der Laurineen. 1. Die Rinde
von Cinnamomum xanthoneurum, in
Neu-Guinea, ist außen von einer dunkleren,
unebenen, aus gestreiften Zellen bestehenden
Schicht bedeckt. Die nächstinnere Schicht
ist körnig, mit weißen, der Außenschicht an-
nähernd parallel, aber unregelmäßig unter-
brochen verlaufenden Gefäßbündeln. Der vor
der inneren Schicht liegende Teil, welcher
Ys der Rinde ausmacht, ist dunkler gefärbt
und zeigt zahlreiche dünne Markstrahlen.
Dieser Teil ist der ölreichste und aroma-
tischste; der Geschmack ist stechend, beim
Kauen an Ceylonzimt und Raute erinnernd.
2. Die Rinde von Cinnamomum Kiamis
(Nees), auf Java, Sumatra und Borneo, von
den Malaien Kayu manis sabrang ge-
nannt, kommt in dicken Bündeln, ähnlich
der Kassia, vor, ist außen schwach gestreift,
sehr hart und holzig und von homartiger Kon-
sistenz. Die einzelnen Stücke sind groß,
ziemlich flach, außen aschgrau mit helleren
Flecken, innen auf der Bastfläche aber glatt
und dunkelbraun. Der Geruch ist schwach
aromatisch, der Geschmack widerlich gewürz-
haft, nicht bitter. 3. Die Rinde von Sassa-
fras Goesianum, von Neu-Guinea, bildet
nur dünne Stücke mit sehr schwach entwickel-