﻿Matikoblätter

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Medizinalweme

rauchlose Flamme gezogen, darauf zu Bün-
deln vereinigt und über schwachem Feuer
getrocknet. Die gerösteten Blätter werden
schließlich pulverisiert oder gemahlen. Sie
enthalten dann neben den bekannten Pflanzen-
stoffen 0,8—2°/o Kaffein, ferner etwas Harz,
Zitronensäure und Cholin. M. hat für den
europäischen Handel wenig Bedeutung, wird
aber in Südamerika unter dem spanischen
Namen: Yerba (Kraut) in großen Mengen
verbraucht. Als Verfälschungsmittel sind die
pulverisierten Früchte, sowie die Blätter ver-
wandter Arten aufgefunden worden. — Zoll:
S. Tarif Nr. 34.

Matikoblätter (lat. Folia matico, frz. Feuil-
les de matico, engl. Matico leaves). Unter
diesem Namen kommt eine Droge im Handel
vor, welche aus den zusammengepreßten Blät-
tern, Stengel- und Blütenresten einer in Peru
wachsenden Piperacee, Piper angusti-
folium var. cordulatum und ossanum,
sowie einiger verwandter Arten besteht. Die
Blätter sind lanzettförmig, mit stark hervor-
tretender Mittelrippe, beiderseits runzlig netz-
artig wie Salbeiblätter und auf der Unterseite
weißfilzig. Sie riechen beim Zerreiben scharf
gewürzhaft und schmecken schwach pfeffer-
artig und etwas bitter. Das neue Mittel,
dessen Wirkungen amerikanische Ärzte zuerst
erkannten, wurde in Europa besonders durch
die vielfach angepriesenen Geheimmittel des
Apothekers Grimault in Paris, Matiko-Injek-
tion und -Sirup, bekannter, findet aber jetzt
ziemlich ausgedehnte Anwendung. Es wirkt
vornehmlich auf die Schleimhäute und wird
gegen Schleimflüsse, z. B. Tripper, in Form
von Einspritzungen angewandt, sowie gegen
Lungenbluten und Verdauungsstörungen. Die
Blätter enthalten unter anderen 2,7 °/o eines
ätherischen Öles und ein bitteres Weichharz,
denen die Wirkung zugeschrieben wird. —
Das Matikoöl, welches man für sich in
Gelatinekapseln verordnet, ist hellgelb, dick-
flüssig, schwerer als Wasser und von bren-
nend gewürzhaftem Geschmack. Es hat ein
spez. Gew. von 1,060—1,130 und enthält
Asaron. — Zoll: Matikoblätter sind zoll-
frei. M.-Öl: 30 M. M.-Sirup als Geheimmittel:
500 M.

Matta nennt man diejenigen Pulver, welche
zur Verfälschung gemahlener Gewürze be-
nutzt werden, und wertlose Pflanzenstoffe,
Abfälle u. dgl. ohne Geruch und Geschmack
darstellen. Man erteilt ihnen annähernd die
Farbe derjenigen Gewürzmehle, welchen sie
zugemischt werden sollen, und hat dement-
sprechend M. für Pfeffer, Zimt, Ingwer usw.
Der Handel mit diesem Betrugsartikel wurde
früher in großem Umfange betrieben, ist
aber durch die Einführung der Nahrungs-
mittelkontrolle unterbunden. —

Maulbeerblätter. Der für die Seidenzucht
wichtige Maulbeerbaum oder Molber-
baum (Morus Tourn.) mit den Sorten:
weißer (Morus alba), schwarzer (Morus
nigra), roter (Morus rubra) und indi-
scher oder chinesischer Maulbeerbaum
(Morus indica) liefert in seinem Laub die

Nahrung der Seidenraupen. Da, wo man die
Seidenzucht im großen betreibt, pachten die
Züchter das Laub von den Besitzern der
Güter, während es in Deutschland wegen
der geringen Zahl der Züchter als Handels-
artikel kaum in Frage kommen kann. Das
Laub darf nicht naß sein und nicht vom Frost
gelitten haben. Man kann von 1000 ein-
jährigen Stämmchen bis 100 kg, von sechs-
jährigen bis 1800 kg Laub erhalten und auf
1 ha bis zu 6400 Bäume ziehen. — Zollfrei.

Maulbeeren (lat. Baccae seu fructus mori,
frz. Fruits de mürier, engl. Mul berries), die
Früchte der verschiedenen Arten von Maul-
beerbäumen, dienen sowohl als ein ange-
nehmes Obst, als auch zur Bereitung eines
Sirups oder Muses, welches medizinisch z. B.
bei Halsleiden und ähnlich dem Himbeersirup
verwendet wird. Die Früchte sind hierzu
frisch zu verwenden. Der aus dem Orient
stammende Baum wird im ganzen Süden
und auch in Süddeutschland häufig gepflanzt.
Die Früchte sind braunschwarz, brombeer-
ähnlich und sehr saftig und schmecken an-
genehm süßsäuerlich. Diejenigen des weißen
Maulbeerbaumes sind kleiner, weiß oder rot,
von Geschmack aber nur süßlich fade. —
Zoll: S. Tarif Nr. 47/48.

Mauvein (Mauve, Malvenfarbe, Phe-
namin, Rosein, Lydin, Perkins Pur-
pur, Anilein, Anilinpurpur, Indisin,
Rosolan, Tyralin, Violin) ist einer der
ältesten bekannten Anilinfarbstoffe, der
1856 von Perkin entdeckt wurde. Er wird
durch Behandlung einer verdünnten Lösung
von schwefelsaurem toluidinhaltigem Anilin
mit Chlorkalk oder mit doppeltchromsaurem
Kali und Schwefelsäure hergestellt und ge-
langt in den Handel als rotvioletter Teig,
der nur in kochendem Wasser etwas löslich
ist. — Zollfrei.

Mavrodaphne, einer der feinsten griechi-
schen Weine von der Insel Patras, gleicht
in Farbe und Qualität dem besten Portwein.
Man versendet ihn teils in Fässern, teils in
griechischen Originalflaschen von 0,7 1 In-
halt. Er verliert, wie die meisten andern,
griechischen Weine, beim Lagern in kalten
Kellern an Glanz und Klarheit, erlangt aber
seine ursprüngliche Beschaffenheit wieder,
wenn er warm gelagert wird. Man bewahrt
ihn daher am besten in Flaschen aufrecht
gestellt, in ebenerdigen, frostfreien Räumen
auf. — Zoll: S. Tarif Nr. 180/1.

Medizinalweine nennt man diejenigen
Weine, welche von Ärzten zur Stärkung
Kranker oder Genesender verordnet werden
und zur Bereitung verschiedener Arznei- und
Stärkungsmittel Verwendung finden. Alle M.
müssen rein und unverfälscht, sowie von guter
Beschaffenheit sein und den gesetzlichen An-
forderungen entsprechen. AnXeres und andere
Süßweine, z. B. Madeira, Marsala, Gold-
Marsala, Gelben Portwein, sowie die Trocken-
weine Ungarns, Siziliens, Griechenlands und
des Kaplands stellt das D.A. B. außerdem die
Forderung, daß sie in 100 cm nicht weniger
als 11 g und nicht mehr als 16 g Alkohol,