﻿Meeräsche

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Meerschaum

sowie höchstens; 8 g Extrakt enthalten sollen.
Von einem Medizinal-Ungarwein wird außer-
dem verlangt, daß er natursüß ist, also keinen
Zuckerzusatz erhalten hat. — Zoll: S. Tarif
Nr. 180/1.

Meeräsche (Mugil), ein zu den Stachel-
flossern gehörender Fisch, bildet zwei
Arten, gemeine M. oder Großkopf (Mu-
gil cephalus), welche nur im Mittelmeer
vorkommt, 31—63 cm lang wird und bräun-
hchgrau mit bläulichen und goldigen Längs-
streifen aussieht, und die Grauäsche (Mugil
capito). Die letztere kommt bis zur Nordsee
vor und wurde früher auch in Frankreich in
großen Mengen eingesalzen und verbraucht,
besonders zur Fastenzeit. Der Fisch gilt noch
letzt als Delikatesse, ist aber nicht mehr
häufig und behebt genug, um Gegenstand des
Großhandels zu sein. — Zoll: S. Tarif Nr.
115. 117.

Meerrettich (Mährrettig, Grän, Gren,
Nr an, lat. Radix armoraciae, frz. Racine
d’armoise, engl. Horse radish root), dieWurzel
von Cochlearia armoracia, eines der be-
liebtesten Küchengewächse, wird in einigen
Gegenden, besonders bei Rastatt, Bamberg,
Erlangen, Würzburg, Ulm und Jena ange-
baut. Die ausgebreitetsten Kulturen finden
sich aber im Spreewalde, wo die meisten
Dörfer sich damit beschäftigen. Im Herbste
wird die Ware nach Lübbenau gebracht, wo-
hin Aufkäufer aus Bayern, Böhmen usw.
kommen. Der M. darf nicht zu scharf, aber
auch nicht zu milde und zu wenig aromatisch
sein. Die besten, fein und etwas süßlich
schmeckenden dicken Wurzeln haben eine
glatte, gelblichweiße Schale. Der M. ist peren-
nierend, da, wo er einmal gebaut worden
war, schwer auszurotten, und verbreitet sich
durch die tiefgehenden Wurzeltriebe weit im
Boden. Aufbewahrt werden die Wurzeln im
Sandeinschlag in Kellern und in Bündeln in
den Handel gebracht. — Zollfrei.

Meerschaum (frz. Ecume de mer, engl.
Turkish tobacco-pipe-clay), ein seiner che-
mischen Zusammensetzung nach dem Speck-
stein, Talk und Serpentin sehr nahe stehen-
des, amorphes Mineral, besteht aus wasser-
haltiger, kieselsaurer Magnesia, istgelblichweiß
oder graulichweiß, feinerdig, leicht und locker,
fühlt sich etwas fettig an und haftet stark an
der Zunge. Der M. findet sich in derben
fassen und Knollen, am schönsten zu Kilt-
schik in Kleinasien, nicht weit von Konieh,
dem ehemaligen Iconium, in wenig mächtigen
Bagern unter Mergel, und wird von türkischen
Kaufleuten in Form von Klumpen, sog.
Klötzen, oder nierenförmigen Stücken, die
•üi Ecken und Kanten abgerundet sind, nach
Konstantinopel, Triest, Budapest in den Han-
del gebracht, Hauptstapelplatz ist Wien. Das
Beschneiden geschieht, um die häufig in der
Masse vorkommenden fremden Einschlüsse
Und harte, schwer zu bearbeitende Partien,
sogenannte Kreidemasse, wenigstens äußer-
lich zu entfernen und eine gleichartig er-
scheinende Oberfläche herzustellen. In einer

Kiste sind 60—200 Stücke enthalten, die sorg-
fältig ausgesucht und sortiert werden müssen.
Von anderen Fundorten sind zu erwähnen:
Thiva, das ehemalige Theben, Negroponte
und die Krim, ferner Hrubschitz in Mähren,
Portugal und Valecas unweit Madrid, jedoch
stehen alle anderen Vorkommen den klein-
asiatischen nach. Einen Hauptanhalt zur Be-
urteilung der Güte gibt das spez. Gew. der
einzelnen Blöcke, indem die auf dem Wasser
schwimmenden Hohlräume enthalten oder zu
porös sind, während die zu schweren, schnell
untersinkenden, harte Stellen und fremde Ein-
schlüsse erwarten lassen. Guter M. schwimmt
anfangs auf dem Wasser, sinkt aber, nach-
dem er sich vollgesaugt hat, unter, denn sein
spez. Gew. ist dann von 0,8 auf 2,0 ge-
stiegen. Immerhin bleibt der Ankauf des
Rohstoffs für die Meerschaumverarbeiter eine
riskante Sache, da sich beim Verarbeiten
immer noch vieles als minderwertig heraus-
stellen kann. Kleine, weniger in die Augen
fallende Fehler, wie Pünktchen, Adern, Wol-
ken sind stets vorhanden und lassen sich in
der Regel an jedem fertigen Stück auf finden,
ja werden sogar als Zeichen der Echtheit an-
gesehen, da künstlich hergestellte Massen
solche Naturfehler nicht haben. — Die Ver-
arbeitung des Rohstoffes geschieht an ver-
schiedenen Orten, hauptsächlich in Wien,
Budapest, Ruhla, Lemgo, Nürnberg, Essen,
Paris, Turin und Genua, seit einiger Zeit auch
in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Vorzugsweise verfertigt man Zigarren-
spitzen und Pfeifenköpfe, aber auch klei-
nere Figuren und Nippes aus M. Die Ver-
arbeitung erfolgt in der Weise, daß man den
M. zunächst in Wasser legt, damit er weich
wird, worauf er sich beliebig schneiden, auf
der Drehbank abdrehen und auf andere Weise
bearbeiten läßt. Die fertigen Stücke werden
dann getrocknet und hierauf eine Zeitlang
in geschmolzenen Nierentalg eingetaucht,
nach dem Herausnehmen und Erkalten ab-
geschabt und mit erweichtem Schachtelhalm
oder Tripel poliert. Zuweilen werden sie auch
noch in geschmolzenes Wachs getaucht und
mit Flanell abgerieben. Die bei der Verarbei-
tung des M. entstehenden Abfälle finden zur
Herstellung sog. Masseköpfe oder unech-
ter Meerschaum waren Verwertung. Sie wer-
den zu diesem Zwecke fein gemahlen, mit
Wasser geschlämmt und gekocht und darauf
mit etwas weißem Pfeifenton vermischt. Der
Brei wird in Kasten gegossen, in welchen er
unter starkem Schwinden zu Blöcken ein-
trocknet, die durch künstliche Wärme noch
weiter, aber nicht völlig ausgetrocknet und
dann zu Waren verarbeitet werden. Für ge-
ringere Waren wird der Teig in Formen ge-
gossen und gebrannt. Um echten M. von un-
echtem zu unterscheiden, soll man den Gegen-
stand mit der Kante einer Silbermünze
streichen, wobei unechter M. einen grauen
Strich, wie mit Bleistift annimmt, echter hin-
gegen nicht. — Zollsatz: Meerschaum, auch
künstlicher, ist zollfrei. M.-Waren s. Tarif
Nr. 709.