﻿Meißner Weine

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Melissenkraut

samen, besonders der giftigen Kornrade und
des Taumellolchs, ferner Brandsporen und
Mutterkorn aufgefunden worden, während
eigentliche Verfälschungen durch Kreide,
Gips, Schwerspat und Tonerde zu den größten
Seltenheiten gehören. Ihr Nachweis gelingt
unschwer mit Hilfe der chemischen Analyse,
kann aber auch schon vom Gewerbetreiben-
den geführt werden, indem er das M. in
Chloroform schüttet. M. bleibt darin schwim-
mend oder suspendiert, während mineralische
Beimengungen sofort zu Boden sinken. Zu-
sätze von geringwertigen zu teureren Mehl-
sorten, wie Mais- oder Leguminosen- zu
Weizenmehl werden auf mikroskopischem
Wege erkannt. —■ Zoll: S. Tarif Nr. 162.

Meißner Weine. Die an der Elbe zwischen
Meißen, Dresden und Pirna gebauten sächsi-
schen Weine sind in ihren weißen Sorten
leichte, etwas säuerliche, aber angenehm
schmeckende Tischweine, während die roten,
mehr körperhaltigen zum Verschneiden klei-
ner Medocs zum Versand kommen. Die Rot-
weine der besten Lagen werden von Kennern
dem Burgunder gleich geschätzt. Die besten
Sorten sind die Sparweine, welche auf dem
kleinen Spargebirge, Meißen gegenüber,
wachsen, sowie auch die vom Ratsweinberge.

Meisterwurzel (lat. Rhizoma imperatoriae,
frz. Rhizome d’impöratoire, engl. Master wort)
ist der getrocknete Wurzelstock der Dol-
denpflanze Peucedanum Ostruthium,
eines ausdauernden Gewächses, das in den
höheren Gebirgen Deutschlands und in den
Voralpen heimisch ist, in Gärten gezogen ward
und auch verwildert vorkommt. Die Wurzel-
stöcke ohne die langen fadenförmigen Fasern
sind fingerdick, etwas plattgedrückt, geringelt,
längsrunzlig, warzig höckerig und von grau-
brauner Farbe, innen gelblichweiß und mit
großen braunen Harzpunkten versehen. Ge-
ruch und Geschmack sind ähnlich wie bei
der Angelikawurzel, aromatisch, beißend ge-
würzhaft. Die im Herbst von 2- bis 3 jährigen
Pflanzen zu sammelnden Wurzeln sollen nur
von wildwachsenden Pflanzen genommen wer-
den. Sie kommen aus der Schweiz, dem
Riesengebirge, sowie einigen anderen Orten
und dienen zu Tierarznei und als Zusatz bei
der Bereitung bitterer Liköre. Die M. enthält
ätherisches öl, Imperaterin, Ostruthin u. a.
Bitterstoffe. Sie ist dem Insektenfraß sehr
unterworfen und muß daher in gut verschlos-
senen Gefäßen und an trockenen Orten auf-
bewahrt werden. — Zoll: M.-Wurzel ist zoll-
frei. Äth. Öl: 30 M.

Mekkabalsam (Opobalsam, lat. Balsa-
nium de mecca, frz. Baume de mecque, engl.
Balsam of mecca), ein Balsam harz, wird in
dem arabischen Küstengebiete von einem
Baume, Balsamodendron gileadense,
gewonnen, aus dessen Stamm es teils frei-
willig, teils durch künstliche Einschnitte aus-
fließt. Der M. ist eine braunrötliche, trübe
Masse von der Konsistenz des venetianischen
Terpentins und an Rosmarin und Zitronen
erinnerndem Geruch. Man benutzt ihn für
die Zwecke der Parfümerie. — Zollfrei.

Melado. Unter diesem Namen kommt von
Westindien aus ein stark eingedickter Zucker-
rohrsaft in den Handel, der unterwegs größ-
tenteils kristallinisch erstarrt und in europäi-
schen Raffinerien gereinigt und auf Hutzucker
verarbeitet wird. — Zoll: S. Tarif Nr. 176.

Melasse nannte man ursprünglich den
braunen, sirupartigen Rückstand von der
Fabrikation des Zuckers aus Zuckerrohr. In
neuerer Zeit versteht man fast nur noch die
Endsirupe der Rübenzuckerfabriken darunter,
welche zwar noch erhebliche Mengen Zucker
enthalten, deren gleichzeitig hoher Salzgehalt
aber die Abscheidung des Zuckers durch ein-
fache Kristallisation verhindert. Die verschie-
denen, zur Gewinnung des Zuckers vorge-
schlagenen Methoden, welche teils auf dem
Prinzipe der Diffusion (Osmose-Verfahren),
teils auf der Darstellung von Kalk-, Stron-
tian- oder Barytsaccharat beruhen, scheinen
zur Zeit kaum noch praktische Bedeutung
zu haben. Vielmehr wird die meiste M. jetzt,
besonders im Gemisch mit Torf, Häcksel oder
Rübenschnitzeln, als Viehfutter oder zur
Branntweinbrennerei benutzt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 176.

Melilotenkraut (lat. Herba meliloti, frz.
Sommitö fleurie de mölilot, engl. Melilot)
stammt von dem wohlriechenden gelben
Steinklee (Melilotus officinalis), einer
zweijährigen Pflanze mit kleeartigen Blättern
und gelben Schmetterlingsblüten, die sich
mehr oder weniger häufig, überall an Wegen,
Rainen und auf trockenen Wiesen vorfindet.
Der Geruch der frischen Pflanze, die blühend
eingesammelt wird, ist schwach honigartig.
Beim Trocknen aber tritt ein starker, ange-
nehmer Geruch auf, welcher auf der An-
wesenheit von an Melilotsäure gebundenem
Kumarin beruht. Das Kraut dient gepulvert
zu erweichenden Umschlägen und zur Dar-
stellung des Melilotenpflasters, ferner in
größeren Mengen in Tabaksfabriken zur Par-
fümierung von Schnupftabak, an Stelle von
Tonkabohnen. Eine besondere Art, Melilotus
coerulea, wird in der Schweiz zur Bereitung
des Kräuterkäses verwendet. — Zollfrei.

Melissenkraut (lat. Herba seu Folia me-
lissae, frz. Feuilles de melisse, engl. Balm
leaves). Die Melisse (Melissa of ficinalis),
aus der Gattung der Labiaten, wächst wild
in den Gebirgen des mittleren und südlichen
Europa. Die bei uns in Gärten und für
Handelszwecke besonders in Thüringen auf
Feldern gezogene Zitronmelisse ist eine
Spielart (var. citrata) und unterscheidet sich
von der wilden außer einigen äußeren Merk-
malen durch einen starken zitronenähn-
lichen Geruch. Die ausdauernde Pflanze hat
oberhalb dunkel-, unten hellgrüne, mit ein-
zelnen steifen Haaren besetzte eirunde, lang-
gestielte, gekerbte Blätter und weiße Lippen-
blüten. Das Kraut wird kurz vor der Blüte
geschnitten, im Schatten rasch getrocknet
und unter gutem Verschluß aufbewahrt.
Man benutzt es im Haushalt bisweilen
zur Darstellung eines wohlschmeckenden
Tees, offizinell als aromatisches und nerven-