﻿Melonen

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stärkendes Mittel. — Die Pflanze enthält
ca. 0,1% ätherisches Öl (Melissenöl, lat.
Oleum melissae, frz. Essence de melisse, engl.
Balm oil), das bei schwacher Destillation mit
Wasser gelöst bleibt (Melissenwasser, lat.
Aqua melissae, frz. Eau destillße de melisse,
engl. Balm water), bei wiederholtem Destil-
lieren über mehrere Posten Kraut aber frei
auf dem Wasser schwimmend erhalten wird.
Das Öl ist gelblich, dünnflüssig, und von
starkem Aroma, findet aber seines hohen
Preises wegen in der Parfümerie nur be-
schränkte Anwendung. Durch Destillation
des Krautes nebst anderen würzhaften Stoffen
mit Weingeist wird der Melissegeist oder
Karmelitergeist dargestellt, der sowohl
als Parfüm wie zu medizinischem Gebrauch
dient. — Zoll: M. ist zollfrei. Melissenöl:
30 M. Melissenwasser und Melissengeist s.
Tarif Nr. 386.

Melonen (Arbuse, frz. und engl. Melon)
sind die Früchte einer zu den Gurkengewäch-
sen (Cucurbitaceen) gehörenden Pflanze,
Cucumis melo, welche in Asien und Afrika
heimisch ist und noch jetzt wild wachsend
angetroffen wird, ihren eigentlichen Wohl-
geschmack aber erst in kultiviertem Zustande
erlangt. Ihr Name leitet sich von der griechi-
schen Insel Melos, dem jetzigen Milo ab.
Die M. war schon den alten Phöniziern be-
kannt, wurde von den Arabern nach Spanien
eingeführt und wird jetzt in allen Mittelmeer-
ländem, besonders Italien, angebaut. Große
Mengen M. werden auch in Ungarn ge-
züchtet, während die Früchte bei uns, wegen
ihres hohen Wärmebedarfs nur in Treibhaus-
kultur gedeihen. Die M. kommen in zahl-
reichen, durch Form, Größe, Farbe und
Zeichnung der Oberfläche unterschiedenen
Varietäten in den Verkehr. Es gibt rot-, gelb-,
grün- und weißfleischige, glatte, gerippte oder
mit Netzgeflecht überzogene, klein- und groß-
früchtige Sorten. Die besten italienischen M.,
nach dem päpstlichen Schlosse Cantalupo in
der Mark Ankona auch Kantalupen, sonst
Zatte, genannt, sind plattgedrückt und run-
zelig und besitzen ein orangerotes oder grün-
liches, sehr zuckerreiches und aromatisches
Fleisch. Von anderen Sorten sind zu nennen
die ungarische Theißperle, die Turke-
stan-M., die Zucker- und Malteser-M.,
die außerordentlich aromatische Ananas-M.
von Athen, die grünfleischige türkische M.,
die griechische Königs-M. und die grüne
Sarepta-M. Bei uns werden besonders die
mittelgroßen, grünlichen, gepreßten Früchte
geschätzt. — Einer anderen Art Citrullus
vulgaris (Cucumis citrullus) gehört die
sog. Wassermelone (frz. Melon d’eau, engl.
Water melon) an, deren Fleisch nur im Innern
rot, süß und saftig ist und zum Unterschiede
von der echten M. schwarze oder rötliche
Samen umschließt. Die M. enthält neben
91,5% Wasser, 0,84% Protein, 0,13% Fett,
3,45% Zucker, 2,90% stickstofffreie Extrakt-
stoffe, 0,66% Rohfaser und 0,52% Asche.
Sie bildet eine außerordentlich beliebte Frucht,
welche teils, wie in Italien die Wassermelone,

geradezu als Volksnahrungsmittel Verwen-
dung findet, teils bei uns nach Zusatz von
Zucker, oder in Ungarn mit Paprika als
Delikatesse geschätzt wird. — Zoll: S. Tarif
Nr. 33. 36; in Zucker eingekocht, sowie in
hermetisch verschlossenen Büchsen s. Tarif
Nr. 216.

Mengkorn (Mengfrucht) ist ein Gemenge
verschiedener Getreidearten, meistens Rog-
gen und Weizen, welche absichtlich unter-
einander gebaut werden. Der Anbau von
zusammen wachsenden Getreidearten oder
Hülsenfrüchten ist sicherer und darum der
Ertrag etwas höher, das Gemenge aber nicht
so gut wie die Einzelfrüchte verkäuflich. Der
Preis ist daher etwas geringer als derjenige
der Einzelfrüchte. M. kommt nur im Lokal-
handel vor und ist nicht zu verwechseln mit
den Gemischen aus mehreren Sorten gleicher
Frucht, wie sie besonders im Großhandel in
den Ostseeländern gebräuchlich sind. — Das
Mengfutter, von welchem in der Land-
wirtschaft viel Gebrauch gemacht wird, setzt
man aus verschiedenen Sämereien, besonders
aus Wicken und Hafer oder aus Gräsern
und Kleesämereien zusammen. — Zoll: Der
Verzollung wird der Zollsatz des am höchsten
belegten Bestandteils zugrunde gelegt, falls
dessen Menge mehr als 10% beträgt.

Mennige (Bleimennie, Bleizinnober,
Bleirot, rotes Bleioxyd, Saturn-
zinnober, lat. Minium, Plumbum oxydatum
rubrum, frz. Mine, Rouge de saturne, engl.
Red lead) wird dargestellt durch wiederholtes
Erhitzen (Brennen) von feingemahlener Blei-
glätte auf 450° bei Luftzutritt, bis das gelbe
Bleioxyd in ein lebhaft rotes Pulver über-
gegangen ist. Nicht zu verwechseln
mit Eisenmennie (s. d.)l Eine besonders
feine und feurige Sorte, die Orange-M.
(Pariser-M., frz. Mine orange, engl. Satur-
nine red) entsteht durch Erhitzen von Blei-
weiß oder kohlensaurem Blei. M. ist ein
schweres rotes, in Wasser unlösliches Pulver
und besteht in chemischer Hinsicht aus einem
Gemenge von Bleioxyd und Bleisuperoxyd,
welches auch wohl als ein Salz der hypotheti-
schen Orthobieisäure aufgefaßt wird und
90,7% Blei neben 9,3% Sauerstoff enthält.
Beim Übergießen mit Salpetersäure färbt sich
die M. unter Abscheidung von Bleisuperoxyd
und gleichzeitiger Bildung von löslichem Blei-
nitrat braun, hingegen wird sie durch Salpeter-
säure unter Zusatz von Zucker oder Oxalsäure
völlig gelöst. Die M. wird als Malerfarbe
in Öl und auf Kalk benutzt, ist jedoch’
hierzu wegen ihrer geringen Haltbarkeit nicht
zu empfehlen. Wichtiger ist ihre Verwendung
in Firnis als rostschützender Anstrich zum
Grundieren von Eisen, ferner mit Bleiweiß
und Firnis zusammengeknetet als Kitt für
Flanschen an Dampfleitungsröhren und kupfer-
nen Destillationsapparaten, sowie zur Her-
stellung feiner Bleigläser (Kristallglas, op-
tische Gläser) und Glasuren. M. ist giftig und
unterliegt somit den Vorschriften für Gifte
und für Bleifarben (s. d.). — Zoll: S. Tarif
Nr. 324. 336.