﻿Menthol

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Messing

Menthol (Menthakampfer, lat. Mentho-
lum) bildet den wichtigsten Bestandteil des
Pfeffe rminzöls, aus dem es sich bei starker
Abkühlung in langen prismatischen Kristallen
abscheidet. Zur Darstellung benutzt man
vorwiegend das japanische Pfefferminz-
öl, welches aus nahezu reinem M. besteht, so-
wie das von Japan eingeführte Roh-M., welches
nur aus Petroläther oder Alkohol umkristalli-
siert zu werden braucht. Die übrigen Pfeffer-
minzöle werden vorher durch fraktionierte
Destillation von den beigemengten Terpenen
befreit, und aus dem Rückstände das M. abge-
schieden. Das M. besitzt den Geruch und Ge-
schmack des Pfefferminzöls, schmilzt bei 42,2°
und ist linksdrehend. Es siedet bei 211—212°
unzersetzt, läßt sich aber schon bei niederer
Temperatur sublimieren. In chemischer Hin-
sicht ist es ein dem Kampfer nahestehender
sekundärer Alkohol, dessen entsprechendes
Keton, das Menthon, den zweiten Haupt-
bestandteil des Pfefferminzöls bildet. Auf
dieser Kenntnis beruht ein neues Verfahren
zur Gewinnung des gesamten, im Pfefferminzöl
enthaltenen, M. Die von der Kristallisation
des M. zurückbleibenden Mutterlaugen be-
stehen zu 60°/o aus Menthon und zu 40% aus
Menthol, die sich weder durch Kristallisation,
noch wegen der naheliegenden Siedepunkte
(Menthon 206°) durch fraktionierte Destil-
lation trennen lassen. Man behandelt sie
daher mit Hydroxylamin, wodurch das Men-
thon in Oximidomenthon übergeführt
wird. Das letztere kann als ein basischer
Körper durch verdünnte Schwefelsäure in
Lösung gebracht, und so von dem rein zu-
rückbleibenden M. getrennt werden. Das
Menthon gibt bei der Behandlung mit
Natrium in ätherischer Lösung ebenfalls M.,
so daß nahezu das ganze Pfefferminzöl in
M. übergeführt wird. — Reines M. muß
völlig trocken und ohne Rückstand sublimier-
bar sein. Eine Auflösung in 1 Teil Eisessig
muß mit 6 Teilen Schwefelsäure und 1 Teil
Salpetersäure farblos bleiben, während eine
schmutzig blaugrüne Färbung Thymol an-
zeigt. Ein aus amerikanischem Pfefferminzöl
hergestelltes Produkt wird als Pipmenthol
m den Handel gebracht. M. findet im Ge-
misch mit Milchzucker ausgedehnte Anwen-
dung als Schnupfpulver (Mentholinpulver),
ferner als M.-Lanolin gegen Frostbeulen,
Ms M.-Vaseline gegen Rheumatismus, und
m Form von Stiften gegen Migräne (Mi-
gränestifte). ln reinem Zustande dient es
mm Inhalieren bei Asthma, sowie innerlich
gegen Rheumatismus, Durchfälle, Erbrechen.
— Zoll: S. Tarif Nr. 353.

Mercolintschurz ist ein mit Quecksilber-
salbe imprägniertes Gewebe, welches gegen
venerische Krankheiten auf der Brust ge-
tragen .wird. — Zoll: S. Tarif Nr. 389.

Merino (engl. Merino, Marrino) heißen
leichte geköperte Zeuge aus Kammwolle mit
dreifädigem, auch vierfädigem, auf beiden
Seiten gleichem Körper. M. kommen in allen
Karben und gemustert vor und waren eine
Zeitlang zu Frauenkleidern und Umschläge-

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

tüchern sehr beliebt. Die durch Sengen,
Scheren und heißes Pressen mit Glanz appre-
tierten Stoffe kamen ursprünglich aus Eng-
land und wurden dann auch in Deutschland
und Frankreich fabriziert. Gegenwärtig ist
die Ware meist durch die in Deutschland
zuerst gefertigten Thibets (vollere und
weichere Stoffe ohne glänzende Appretur) ver-
drängt worden. Eine wohlfeilere hierher ge-
hörige Ware, ein halbwollener, dreifädig ge-
köperter M. mit baumwollener Kette und
Kammgarneinschlag, führt die Bezeichnung
Paramatta. — Zoll: S. Tarif Nr. 518.

Mesotan, eine klare, ölartige Flüssigkeit
von aromatischem Geruch und dem spez. Gew.
1,200, besteht aus dem Salizylsäuremethoxy-
methylester und wird durch Behandlung von
Chlormethyläther mit Natriumsalizylat herge-
stellt. Es ist in Wasser wenig, in Alkohol,
Äther, Benzol und fetten Ölen leicht löslich.
Im Gemisch mit Olivenöl dient es an Stelle
von Gaultheriaöl zum Bepinseln der Haut bei
Rheumatismus, hat aber wegen der leichten
Abspaltung von Formaldehyd oft unangenehm
reizende Nebenwirkungen. Zur Vermeidung
von Zersetzungen muß M. vor Licht und
besonders vor Feuchtigkeit gut geschützt auf-
bewahrt werden. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Messing (frz. Lacton, engl. Yellow brass,
Brass) ist die gebräuchlichste Legierung der
beiden Metalle Kupfer und Zink, welche
sich zwar in jedem beliebigen Verhältnis zu-
sammenschmelzen lassen, aber erst bei einem
Überschuß des Kupfers brauchbare Legie-
rungen liefern. Die gewöhnlichen Sorten des
gelben Messings enthalten 24—36% Zink.
Bei einem weiteren Herabgehen des Zink-
gehaltes auf 18—8% erscheinen die Legie-
rungen nicht mehr hell messinggelb, sondern
rotgelb (Rotmessing, Rotguß oder Tom-
bak) oder goldgelb (Mannheimer Gold,
Prinzmetall, Similor, Pinchbeak). Das
unechte Nürnberger Blattgold enthält 85%
Kupfer und 15% Zink. Von dem Verhältnis
der beiden Metalle zueinander hängen die
Eigenschaften der Legierung ab. Insbesondere
wächst mit steigendem Kupfergehalt die Dehn-
barkeit, während die Farbe gleichzeitig röter
wird. Letztere Angabe ist jedoch nicht für alle
Fälle gültig, indem z. B. ein 40% Zink ent-
haltendes M. röter aussieht als ein 20prozen-
tiges. Zur Darstellung des M. wurde früher
Galmei mit zerkleinertem Kupfer und Kohlen-
staub direkt zusammengeschmolzen, während
man heutzutage stets von den reinen Metallen
ausgeht. Die letzteren werden zunächst in
kleineren Tiegeln im Gemisch mit Kohlen-
klein und mit Kohlenstaub überschichtet zum
Schmelzen erhitzt, dann der Inhalt aller Tiegel
vereinigt, gerührt und abgeschäumt und in
Mulden gegossen. Die erstarrte, noch heiß
zerschlagene Masse liefert das Rohmaterial
für Gelbgießereien, das sog. Stückmessing.
Zur Herstellung des von Pumpen- und
Spritzenfabrikanten, Graveuren und Gürtlern
benutzten Tafelmessin gs wird die ge-
schmolzene Legierung zwischen zwei große,
mit Lehm und Kuhmist überzogene Granit-

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