﻿Metanil gelb

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Methylviolett

platten gegossen. Die 6—20 mm dicken Plat-
ten sind zunächst rauh und durch Oxyd ge-
schwärzt und werden daher durch Beizen,
Schaben, Hobeln oder durch Glätten zwischen
stählernen Walzen weiter vorgerichtet. Durch
mehrmaliges Strecken der Platten entsteht
das Messingblech und aus letzterem das
Drahtband, welches die Drahtzieher ver-
arbeiten. M. wird häufiger als Kupfer und
Zink allein verwendet, weil es die guten
Eigenschaften beider Metalle vereinigt und
doch billiger als Kupfer ist. Es übertrifft
das Kupfer an Härte und Widerstandsfähig-
keit gegen Atmosphärilien und besitzt eine
schönere Farbe und große Politurfähigkeit.
Wie Kupfer ist M. in der Kälte sehr dehn-
und hämmerbar, läßt sich mit Leichtigkeit
strecken, treiben, zu dem dünnsten Blech aus-
walzen und zu feinstem Draht ausziehen.
Wegen seiner Dünnflüssigkeit füllt es die
Formen gut aus und gibt dichte Güsse. —
Rotguß wird in derselben Weise wie M.
hergestellt, erhält aber für manche Zwecke
einen geringen Zusatz von Zinn. Er ist nicht
nur tiefer von Farbe, sondern auch feiner im
Korn, weicher und dehnbarer, und wird so-
wohl zu größeren Gußstücken, Maschinen-
teilen u. dgl., als auch zu Kurzwaren benutzt.
Der tiefere Farbenton läßt den Rotguß zur
Herstellung vergoldeter Bijouteriewaren (un-
echter Goldschmuck) besonders geeignet er-
scheinen. Die ebenfalls hierher gehörenden
Leoninischen Waren aus vergoldetem
Draht und Lahn, die Tressen, Kantillen und
Quasten werden nach dem Verfahren der
Zementation in der Weise hergestellt, daß
man die kupfernen Drähte und Bleche in
feuerfesten, luftdicht verschlossenen Kasten
zugleich mit Zink erhitzt. Das Zink verdampft
und verbindet sich mit dem Kupfer auf der
Oberfläche der Gegenstände zu Messing. —
Zoll: S. Tarif Nr. 869/80. S. auch Unter-
abschnitt 17 H.

Metanilgelb (Orange MN), ein zur
Gruppe der Azofarben gehöriger, seit 1882
bekannter Teerfarbstoff, findet sich in ver-
schiedenen Arten im Handel. Das eigentliche
M., ein braungelbes, in Wasser mit orange-
gelber Farbe lösliches Pulver, besteht aus
dem Natronsalze des Metaamidobenzolsulfo-
säureazodiphenylamins und färbt Wolle im
sauren Bade orangegelb. Die Sulfosäure des
M. führt die Bezeichnung Metanilgelb S.
Metanilorange I wird durch Einwirkung
von Metadiazobenzolsulfosäure auf Alpha-
naphtol, Metanilorange II auf Betanaphtol
erhalten. — Zollfrei.

Methylblau, ein dem Anilinblau verwandter,
1862 entdeckter Teerfarbstoff, entsteht
durch Einwirkung von Anilin auf Pararos-
anilin, Sulfurieren des gebildeten Triphenyl-
rosanilins und Sättigen mit Soda. Das M.
ist daher das Natronsalz der Triphenylpara-
rosanilintrisulfosäure. Man erhält es als
dunkelblaues, in Wasser lösliches Pulver,
welches gebeizte Baumwolle blau färbt. —
Zollfrei.

Methylenblau (Bleu de Poteaux), ein
seit 1876 bekannter Teerfarbstoff, wird er-
halten, wenn man eine salzsaure Lösung von
Nitrosodimethylanilin mit Schwefelwasserstoff
reduziert und das Produkt mit Eisenchlorid
behandelt. Hierauf setzt man Chlorzink-
lösung und Kochsalz zu, wodurch der Farb-
stoff als Chlorzinkverbindung gefällt wird.
Zurzeit stellt man den Farbstoff ausschließ-
lich nach dem sog. Thiosulfatverfahren
her, indem man Paraamidodimethylanilin bei
Gegenwart von unterschwefligsaurem Na-
trium oxydiert, die entstandene Thiosulfo-
säure durch Behandlung mit Chromat und
Dimethylanilin in das entsprechende Indamin
überführt und letzteres mit Chlorzinklösung
kocht. Das Endprodukt, das Leukomethylen-
blau gibt dann bei der Oxydation mit Eisen-
chlorid den Farbstoff. Man erhält das M.
entweder als dunkelblaues Pulver oder in
kupferartig glänzenden Nadeln, die in Wasser
löslich sind. Der Farbstoff eignet sich zum
Blaufärben von Seide und mit Tannin ge-
beizter Baumwolle und findet auch beschränkte
medizinische Anwendung. — Zollfrei.

Methylgrün (Lichtgrün, Parisergrün,
Grünpulver, Vert ötincelle, Vert lu-
miöre), ein seit 1871 bekannter Teerfarb-
stoff, besteht aus der Zinkchloridverbindung
des Chlormethylhexamethylpararosanilinchlor-
wasserstoffs und wird durch Behandlung von
Methylviolett mit einer Lösung von Chlor-
methyl in Amylalkohol und nachherigen Zu-
satz von Chlorzink dargestellt. Man erhält
das M. in grünen Kristallen, die sich in
Wasser leicht mit blaugrüner Farbe lösen
und zum Färben von Seide und Baumwolle
benutzt werden. Wendet man bei der Dar-
stellung anstatt Chlormethyl Bromäthyl an,
so erhält man eine andere Sorte M., die in
chemischer Hinsicht als Äthylgrün anzu-
sprechen ist. •— Zollfrei.

Methylorange (Dimethylorange, Di-
methylanilinorange), ein Teerfarbstoff,
der 1875 entdeckt wurde und aus dem Natron-
salze des Sulfanilsäureazodimethylanilins be-
steht, bildet ein ockergelbes, in Wasser lös-
liches Pulver und wird gewöhnlich auch als
Orange III bezeichnet. Vergl. Orange. —
Zollfrei.

Methylviolett (Methylanilinviolett,Pa-
riser Violett, frz. Violet de Paris, Violet
direct), ein schon seit 1861 bekannter Teer-
farbstoff, besteht gewöhnlich aus einem
Gemenge von Salzen zweier Basen, nämlich
des Pentamethylpararosanilins und des Hexa-
methylpararosanilins. Man erhält den Farb-
stoff durch Oxydation von Dimethylanilin mit
Kupfernitrat und Kochsalz und Entfernen des
Kupfers durch Schwefelleber. An Stelle des
Kupfernitrats kann auch Kupfersulfat und
chlorsaures Kali angewendet werden. Um
mehr rötliche Nuancen zu erzielen, nimmt
man ein Gemenge von Dimethylanilin und
Methylanilin. Durch Auskochen des Reak-
tionsproduktes mit Salzsäure erhält man die
Chlorwasserstoffverbindung der Basen, welche
mit Kochsalz ausgefällt wird. Das M. kommt