﻿Metol

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Milch

111 metallisch grünglänzenden Stücken oder
■auch als Pulver, selten kristallisiert in den
Handel. Es gibt mit Wasser eine violette
Lösung, welche durch Zusatz von Salzsäure
grün wird. Die verschiedenen Nuancen von
M. werden zum Färben von Wolle, Seide,
und Baumwolle benutzt. Unter der Bezeich-
nung Methylviolett 5 B und 6 B kommen
andere Farbstoffe in den Handel, welche
durch Einwirkung von Benzylchlorid auf Ros-
anilin erhalten werden; s. Benzylviolett.
'— Zollfrei.

Metol, das salz- oder schwefelsaure Salz
des Monomethylparamidometakresols, ist in
verschiedenen Haarfärbemitteln, wie Aurin,
aufgefunden worden, soll aber unter Um-
ständen Hautentzündungen hervorrufen. Für
photographische Zwecke findet es, besonders
in Verbindung mit Hydrochinon, als Ent-
wickler Anwendung. — Zollfrei.

Migränin ist der den Höchster Farbwerken
geschützte Name für ein Gemisch von zirka
91 Teilen Antipyrin und 9 Teilen zitronen-
saurem Kaffem, welches als Mittel gegen
Kopfschmerzen und Migräne vielfach Anwen-
dung findet, seit 1906 aber von den Apo-
theken nur auf ärztliches Rezept abgegeben
Werden darf. — Zollfrei.

Milch (lat. Lac, frz. Lait, engl. Milk) ist
die von den Milchdrüsen der Säugetiere ab-
geschiedene und für die Ernährung der Nach-
kommen im Jugendzustande bestimmte
Flüssigkeit. Zum Begriff der Plandels-
milch, als welche in erster Linie und nahezu
ausschließlich die Kuhmilch in Frage kommt,
gehört weiter, daß sie durch vollständiges
Ausmelken gewonnen worden ist und erst
einige Zeit nach dem Abkalben in den Ver-
kehr gebracht wird. Die in den ersten Tagen
Uach dem Geburtsakt abgesonderte Flüssig-
keit (Kolostrum, Kolostralmilch, Biest-
tnilch) darf hingegen nicht verkauft werden.
Hie Milch stellt eine undurchsichtige, weiße
uis gelbliche Flüssigkeit dar, von amphoterer
Reaktion und angenehm süßlichem Ge-
schmack und besteht aus einer Emulsion von
mikroskopisch kleinen Fettkügelchen in einer
Weißen, dünnschleimigen, wäßrigen Lösung,
dem sog. Milchplasma. Bei längerem Stehen
steigen die suspendierten Fetttröpfchen an die
Oberfläche und bilden hier eine zusammen-
hängende Schicht, den Rahm oder die
Sahne. Beim Kochen gerinnt die Milch
nicht, sondern scheidet lediglich an ihrer
Oberfläche ein, hauptsächlich aus Kasein be-
stehendes, Häutchen ab. Sie gerinnt hin-
gegen beim Sauerwerden und nach Zusatz
vpn Lab. In chemischer Hinsicht ist die M.
e'n außerordentlich kompliziertes Gemisch der
Verschiedensten Substanzen, von denen neben
Wasser, geringen Mengen gelöster Gase, wie
Kohlensäure, Stickstoff und Sauerstoff, ferner
Zitronensäure, Lezithin, Cholesterin, Harnstoff
Pnd Kreatin, besonders Fett, Eiweißstoffe
jKasein und Albumin), Milchzucker und Salze
(Phosphat) anzuführen sind. Der mittlere Ge-
halt für die Tagesmilch größerer Kuhherden
In Deutschland beträgt nach Fleisch-

mann: 87,75°/o Wasser, 3,40°/o Fett, 3,50°/o
Protein, 4,60°/o Milchzucker und 0,75°/o Mi-
neralstoffe. Jedoch unterliegt die Zusammen-
setzung beträchtlichen Schwankungen, welche
durch die Rasse und die Fütterung der Tiere,
durch die Laktationsperiode, Alter, Ge-
schlechtsleben und allgemeine Haltung, Zeit
und Art des Melkens und zahlreiche andere
Umstände bedingt werden. Im allgemeinen
läßt sich sagen, daß die Höhenschläge eine
gehaltreichere, besonders fettreichere M. lie-
fern als die Niederungsrassen, daß Fütterung
mit wasserreichen Futtermitteln (Schlempe,
Rübenschnitzel) die Menge auf Kosten des
Nährstoffgehaltes erhöht, daß Störungen des
Allgemeinbefindens und mangelhafte Vieh-
haltung die Beschaffenheit ungünstig beein-
flußt, und daß der Fettgehalt um so ge-
ringer wird, je längere Zeit seit dem letzten
Melken verstrichen ist. Unter normalen Ver-
hältnissen wird man für die Milch einzelner
Kühe folgende Schwankungen annehmen kön-
nen: Wasser 86,0—89,5%, Fett 2,5—4,5%,
Trockensubstanz 10,3—14,5%, fettfreie Trok-
kensubstanz 7,8—10,5%. Die M. ist eines
der wichtigsten Nahrungsmittel, welches in
steigenden Mengen zum Konsum gelangt.
Der Jahresverbrauch der Stadt Dresden z. B.
beträgt gegen 60 Millionen 1, derjenige des
Deutschen Reiches 6—7 Milliarden 1, und
zahllose Gewerbetreibende sind nicht nur mit
ihrer Gewinnung, sondern auch ihrem Ver-
triebe beschäftigt. Ihre Hauptbedeutung liegt
darin, daß sie mit der leider abnehmenden
Fähigkeit oder Neigung der Frauen, ihre Kin-
der selbst zu stillen, mehr und mehr zu der
ausschließlichen Nahrung der Säuglinge wird,
welche gegen ungünstige Einflüsse natürlich
besonders empfindlich sind. Es liegt daher
auf der Hand, daß die für die Gesundheit
der Bevölkerung verantwortlichen Behörden
diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit ge-
widmet und besondere Vorschriften über den
Verkehr mit Milch aufgestellt haben. In
erster Linie ist natürlich die völlige Fern-
haltung der M. kranker Tiere, insbesondere
solcher Tiere, welche an Tuberkulose, Maul-
und Klauenseuche, Euterentzündungen, Darm-
erkrankungen leiden, zu fordern. Nicht min-
der selbstverständlich erscheint es, daß M.
aus Ortschaften, in denen Typhus-, Cholera-,
Diphtherie- und andere Epidemien herrschen,
ausgeschlossen wird, und daß Personen mit
ekelerregenden oder ansteckenden Krank-
heiten sich auch mit dem Vertriebe von M.
nicht befassen dürfen. Die wichtigste Maß-
nahme zur Beseitigung gesundheitlich bedenk-
licher Milch besteht in einer Erhöhung der
Reinlichkeit der Milchgewinnung, der
Fernhaltung von Schmutz, besonders Kuhkot,
welcher nicht nur Träger pathogener Keime
ist, sondern auch das Verderben der Milch
durch Säuerung beschleunigt. Trotz aller
hierauf gerichteten Bestrebungen der Hy-
gieniker läßt die Gewinnung zurzeit noch
viel zu wünschen übrig, und es ist daher not-
wendig, unter den jetzigen Verhältnissen nicht
zu umgehen, durch eine nachträgliche Be-