﻿Milchsäure Salze

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Mineralgrün

sowie etwas Zinkoxyd hinzu. Die anfangs
dünnflüssige Masse verwandelt sich unter
dem Einflüsse der Bakterien in einen dicken
Kristallbrei von milchsaurem Zink, welcher
durch Umkristallisieren gereinigt und durch
Einleiten von Schwefelwasserstoff in Schwefel-
zink und freie M. zerlegt wird. Zur Ent-
fernung gleichzeitig gebildeten Mannits löst
Man sie in Äther, destilliert den letzteren ab
und dampft die M. bis zu einem spez. Gew.
von 1,240 ein. Völlig wasserfrei wird sie nur
durch Destillation im Vakuum. — Die reine,
wasserfreie M. bildet farblose Kristalle, welche
bei 18° schmelzen und begierig Feuchtigkeit
Anziehen. In den Handel kommt meist die
sog. offizineile M. mit 75°/o Säure und
25% Wasser, ein färb- und geruchloser, stark
saurer Sirup, der aus der Luft Wasser an-
rieht und sich mit Wasser und Alkohol in
jedem Verhältnis mischt. Sie ist auch lös-
lich in Äther, hingegen unlöslich in Benzin,
Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Der
Sirup hat das spez. Gew. 1,220 und ist
optisch inaktiv. Die M. wird in der Medizin
als Ätzmittel und zu Inhalationen gegen
Rachen- und Nasenleiden benutzt. Auch
dient sie zum Auflösen diphteritischer Mem-
branen und zur Entfernung von Zahnstein,
Warzen und Hühneraugen, sowie zur Dar-
stellung der milchsauren Salze. In der Form
von saurer Milch, Sauerkraut und sauren
Gurken ist sie von ausgezeichneter diätetischer
Wirkung und neuerdings wird sie auch zur
Herstellung alkoholfreier Getränke (Tempril)
herangezogen. — Zollfrei.

Milchsäure Salze (Laktate) werden durch
Auflösen der entsprechenden Basen oder
ihrer Karbonate in Milchsäure und nach-
folgende Kristallisation dargestellt. Sie finden
z- T., wie das milchsaure Magnesium, milch-
saure Eisen, milchsaure Natron, Zink und
Morphin medizinische Anwendung. Nähere
Angaben finden sich unter den betr. Basen
angeführt. —■ Zollfrei.

Milchzucker (Laktose, lat. Saccharum
•actis, frz. Sucre de lait, engl. Sugar of milk)
tst eine eigentümliche, vom Rohrzucker ver-
schiedene Zuckerart, die sich in Menge von
3—6% in der Milch aller Säugetiere vorfindet
und nach der Gerinnung der letzteren durch
Lab in den Molken verbleibt. Zu ihrer Ge-
winnung werden die Molken durch Auf-
kochen und Filtrieren gereinigt, und die
Filtrate im Vakuum eingedampft, worauf der
M. auskristallisiert. Durch mehrfaches Um-
kristallisieren, zweckmäßig unter Zusatz von
schwefelsaurer Tonerde oder Kreide, erhält
Man ihn in reinem Zustande. Er bildet dann
entweder große rhombische, hemiedrische
Prismen, die auf Fäden oder Stäbchen aus-
kristallisiert sind, oder ein feines Pulver, das
wegen der Härte der Kriställchen zwischen
den Zähnen knirscht. Da M. ziemlich schwer
löslich ist und 6 Teile kaltes oder Z^h Teile
heißes Wasser zur Lösung erfordert, ist der
Geschmack nur schwach süß. In Äther, Al-
kohol und Chloroform ist er unlöslich. Die
spez. Drehung beträgt bei 20° +52,53°,

doch zeigt der M. in hohem Grade die
Eigenschaft der Birotation, indem die Drehung
gleich nach der Lösung wesentlich größer ist
und erst nach 24 Stunden oder nach dem
Aufkbchen die normale Höhe erreicht. In
chemischer Hinsicht ist der M. als eine Biose,
nämlich als eine Verbindung von Galaktose
und Dextrose anzusprechen. Beim Erhitzen
mit verdünnten Säuren zerfällt er in seine
beiden Komponenten, reduziert aber Feh-
Iingsche Lösung auch für sich allein. Mit
Hefe vergärt M. nicht, geht aber mit dem
Bacillus acidi lactici leicht in Milchsäure-
gärung und mit den Kumys- und Kefir-
fermenten in alkoholische Gärung über. Zur
quantitativen Bestimmung bedient man sich
der Reduktion Fehlingscher Lösung und
der Polarisation. Der M. findet in der Phar-
mazie vielfache Anwendung zur Herstellung
von Medikamenten, seine Hauptbedeutung
liegt aber in dem Verbrauche zur Versüßung
der Säuglingsmilch. Zu letzterem Zwecke
muß er natürlich möglichst rein und frei
von Milchbestandteilen, Dextrin oder Rohr-
zucker sein. Zur Prüfung auf Reinheit be-
handelt man 15 g M. eine halbe Stunde lang
mit 50 ccm verdünntem Weingeist, in wel-
chem er unlöslich ist, und versetzt das Filtrat
mit absolutem Alkohol. Eine hierbei auf-
tretende Trübung deutet auf Rohrzucker oder
Dextrin hin. Zur schnellen Vorprüfung auf
Rohrzucker, das Hauptverfälschungsmittel,
verstäubt man die feingepulverte Substanz
auf konz. Schwefelsäure, wobei M. 5 Minuten
lang unverändert bleibt, Rohrzucker aber
schwarz gefärbt wird. Weiteren Aufschluß
gewährt das Erhitzen mit wasserfreier Oxal-
säure im Wasserbade, wobei schon 5°/o Rohr-
zucker enthaltende Mischungen nach 5 Mi-
nuten völlig schwarz werden, ferner das Ver-
halten gegen Resorzin, Sesamöl und Am-
moniummolybdat. — Zoll: S. Tarif Nr. 177.

Miriargent (Halbsilber), eine in Frank-
reich aufgekommene Art Neusilber, ist
hämmerbar wie Silber und kommt demselben
an Farbe und Glanz sehr nahe, hält sich
aber länger glänzend als jenes. M. enthält
auf 1000 Teile Kupfer 700 Teile Nickel,
50 Teile Wolfram oder Antimon und 10 Teile
Aluminium. — Zoll: S. Britanniametall.

Mindjak Tangkawang, ein Pflanzenfett,
welches durch Auskochen der Samen eines
auf Borneo wachsenden Baumes, Diplok-
nema sebifera, gewonnen und von Bandjer-
massing aus in den Handel gebracht wird,
ist zur Seifenfabrikation geeignet. — Zoll:
S. Tarif Nr. 171.

Mineralgrün nennt man verschiedene,
kupfer- oder kupfer- und arsenikhaltige
Grünfarben (s. Berggrün, Kupferfarben,
Schweinfurter Grün). Als giftfreie Mi-
neralgrüne werden jetzt die Kobalt-Zink-
grüne bezeichnet, obgleich sie wegen ihres
Zinkgehaltes auch nicht ganz unschädlich
sind. Grüner Ultramarin ist dagegen ein
unschädliches M. — Zoll: S. die betreffenden
Produkte.