﻿Mineralöle

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Mineralwässer

Mineralöle. Unter diesem Namen versteht
man sowohl die in der Erde natürlich vor-
kommenden Flüssigkeiten, Erd- oder Stein-
öl, Petroleum, Naphtha, als im weiteren
Sinne auch die durch Destillation von Stein-
und'Braunkohlen, Bergteer und bitum. Schiefer
gewonnenen öligen und flüchtigen, aus Ge-
mengen von Kohlenwasserstoffen bestehenden
Produkte. Diese Industrieerzeugnisse werden
auch wohl unter dem Namen künstliche
M. zusammengefaßt. Das weitere s. bei
Petroleum und Photogen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 239.

Mineralsäuren, im allgemeinen gleich-
bedeutend mit anorganischen Säuren,
d. h. solchen, welche nicht aus dem Pflanzen-
oder Tierreiche, sondern aus der unorgani-
schen Natur stammen. Im Transportverkehr
und in der Industrie umfaßt dieser Begriff
nur die Schwefel-, Salz- und Salpetersäure,
für welche als stark saure und zerstörende
Flüssigkeiten besondere Vorschriften hinsicht-
lich der Verpackung bestehen (s. diese Säuren).
— Zollfrei.

Mineralwässer (lat. Aquae minerales, frz.
Eaux minerales oder auch Eaux schlechthin,
engl. Mineral waters) nennt man solche zu
Trink- oder Badekuren benutzte heilkräftige
Quellwässer, welche sich entweder durch
einen höheren Gehalt an gelösten festen oder
gasförmigen Bestandteilen oder durch eine
wesentlich erhöhte Temperatur auszeichnen.
Von den letzteren, den sog. Akrothermen,
abgesehen, unterscheidet man im allgemeinen
folgende Gruppen: 1. Säuerlinge enthalten
als wesentlichen Bestandteil nur freie Kohlen-
säure, welche ihnen den angenehm säuerlich
prickelnden Geruch verleiht, und bisweilen
geringe Mengen von Kalk und Magnesia,
welche in Form der Bikarbonate gelöst vor-
handen sind. Von bekannteren M. gehören
hierhin:	das Marienbader, Reinerzer und

Wildunger Wasser. 2. Eisen- oder Stahl-
wässer sind meist reich an Kohlensäure,
in welcher etwas kohlensaures Eisenoxydul
gelöst ist, und werden daher auch als Eisen-
säuerlinge bezeichnet, wie das Wasser
einiger Quellen in Liebenstein, Schwalbach,
Pyrmont und Kudowa. Oder sie enthalten,
das Eisen in Form des Sulfates (Vitriol-
quellen). Eine besondere Stellung nehmen
die arsenhaltigen Vitriolwässer von
Leviko und Roncegno ein. 3. Schwefel-
wässer zeigen einen deutlichen Geruch nach
Schwefelwasserstoff, obgleich dieses Gas oft
nur in geringer Menge vorhanden ist. Da-
neben enthalten sie meist Kohlensäure und
Salze. Berühmte Schwefelquellen sind in
Nenndorf, Lenk, Teplitz. 4. Alkalische
Wässer schmecken infolge ihres Gehaltes
an kohlensaurem Natron meist schwach
laugenhaft und sind je nach ihrem Gehalte
an anderen Salzen in mannigfache Unter-
abteilungen getrennt. Vertreter der alka-
lischen Wässer finden sich in Fachingen,
Passug bei Chur, .Vichy, Bilin, Gießhübel,
Selters, Elster und Karlsbad. 5. Salzwässer
oder Solen enthalten vorwiegend Kochsalz

und 6. Bitterwässer schwefelsaure Mag-
nesia. — Die meisten Mineralwässer, abge-
sehen von den heißen, werden auch in
wohlverschlossenen steinernen oder gläsernen
Flaschen in den Handel gebracht. Die Fül-
lung unmittelbar aus den Quellen erfordert
große Aufmerksamkeit und Sorgfalt, damit:
von den Gasen möglichst wenig verloren geht
und Staub und andere Verunreinigungen,
durch welche der Flascheninhalt in der Regel
bald verdirbt, ferngehalten werden. Beson-
ders die Eisenwässer sind sehr empfindlich
und sondern unter dem Einflüsse der Luft
meist einen schlammförmigen Bodensatz von
braunem Eisenoxyd ab. Sie werden daher
vor der Einwirkung des Sauerstoffs dadurch
geschützt, daß man die Flaschen vollständig
bis unter den Kork füllt. Da auch so ein
Verderben der M. nicht gänzlich ausge-
schlossen ist, so erhält jeder Stöpsel auf der
Unterseite ein Zeichen eingebrannt, an wel-
chem die liefernde Firma das Alter der
Füllung erkennen kann. Alle verdorbenen
oder zu alten Bestände werden von den
Brunnendirektionen umgetauscht. -— Die
Nachbildung der natürlichen M. auf Grund
einer sorgfältigen chemischen Analyse bietet
nicht die geringste Schwierigkeit, und es liegt
auf der Hand, daß ein künstliches M.,
welches einem natürlichen chemisch analog
ist, auch die gleiche therapeutische Wirkung
ausüben muß. Das Märchen von dem
Brunnengeiste, der die geheimnisvolle
Wirkung der natürlichen Quellen erklären
sollte, ist endgültig aufgegeben worden, doch
scheint es neuerdings in Form der Radio-
aktivität wieder aufzutauchen. Als künst-
liche M. bezeichnet man in erster Linie
möglichst getreue Nachbildungen natürlicher
Heilquellen, wie sie zuerst Dr. Struve in-
Dresden herstellte. Sie müssen also sämtliche
Stoffe des Naturproduktes enthalten: das:
Selterswasser neben der Kohlensäure, dem
Kochsalz und kohlensauren Natron noch
kleine Mengen von Kaliumsulfat, Chlorkalium,.
Kalziumkarbonat, Strontian, Baryt, Lithion,
Magnesia, Eisen und Kieselsäure; die ab-
führenden Wässer Glaubersalz oder Bitter-
salz und Chlormagnesium, andere wieder
Brom, Jod, Caesium, Rubidium, Mangan und
Arsen. Daneben gibt es aber auch künst-
liche M., welche nur die wichtigsten Be-
standteile der natürlichen Vorbilder enthalten,
und endlich die reinen kohlensauren Wässer,
welche hauptsächlich als Erfrischungsmittel
getrunken werden. Zwischen den letzten
beiden Gruppen finden sich zahlreiche Über-
gangsglieder, welche, wie besonders das
künstliche Selterswasser, sowohl zu Heil-
zwecken wie zur Stillung des Durstes dienen.
Die Herstellung künstlicher M. hat zurzeit
großen Umfang angenommen und besteht im
Prinzip meist einfach darin, daß man Wasser
mit Kohlensäure unter Druck sättigt. Die
Kohlensäure (s. d.), welche in Form der
flüssigen Kohlensäure von den Fabriken ge-
brauchsfertig geliefert wird, kommt in dem
Mischkessel oder neuerdings in besonderen