﻿Mirabellen

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Mitisgrün

Rieselapparaten mit dem Wasser zusammen.
Das letztere nimmt die Kohlensäure auf und
wird sofort auf Flaschen gefüllt. Zur Ver-
meidung von Gesundheitsschädigungen sind
an die Mischapparate und an das Wasser
verschiedene Anforderungen zu stellen. Die
Apparate insbesondere müssen den Vorschrif-
ten des Gesetzes vom 25. Juni 1887 ent-
sprechen. Sie dürfen nicht mit einer mehr
als 10 o/o Blei enthaltenden Legierung ge-
lötet oder mit einer mehr als 1% Blei ent-
haltenden Legierung verzinnt sein. Kupfer-
gefäße müssen gut verzinnt werden. Das
Wasser soll am besten destilliertes, zum min-
desten aber ein reines gutes Trinkwasser
sein._ •— Zollfrei.

Mirabellen, eine Art rötlichbraune oder
gelbe runde Pflaumen von sehr gutem Ge-
schmack und feinem Aroma, werden in Frank-
reich und den Rheingegenden gezogen und
nicht nur frisch, sondern auch getrocknet,
sowie mit Zucker eingemacht in den Handel
gebracht. — Zoll: M. frisch und getrocknet
s. Tarif Nr. 47/8. M. für den feineren Tafel-
genuß zubereitet Nr. 216.

Mirbanöl (lat. Oleum mirbani, frz. Essence
de mirban, engl. Oil of mirbane), eine stark
nach bitteren Mandeln riechende Flüssig-
keit, wird vielfach noch als künstliches
Bittermandelöl bezeichnet. Diese Be-
zeichnung ist aber falsch, weil das echte
Bittermandelöl, welches ebenfalls synthetisch
dargestellt werden kann, aus Benzaldehyd
besteht, während M. als Nitrobenzol an-
zusprechen ist. Es wird in der Weise dar-
gestellt, daß man Benzol in einem dünnen
Strahle in rote rauchende Salpetersäure oder
beim fabrikmäßigen Betrieb in ein Gemisch
von konzentrierter Salpetersäure und Schwe-
felsäure einfließen läßt und die Flüssigkeit
unter gleichzeitiger Abkühlung umrührt. Im
ersteren Falle verdünnt man mit Wasser,
worauf das Nitrobenzol zu Boden sinkt; im
letzteren Falle schwimmt es auf der Schwefel-
säure, wird von letzterer getrennt und durch
Waschen mit verdünnter Sodalösung oder
verdünntem Ammoniak und durch Behand-
lung mit Wasserdampf gereinigt. Das reine
Nitrobenzol, auch Nitrobenzin oder Nitro-
benzid genannt, bildet eine farblose bis
gelbe, stark lichtbrechende Flüssigkeit vom
sPez. Gew. 1,209, welche sich leicht in Al-
kohol, Äther und Benzol, nicht aber in Wasser
löst, bei 205° siedet und giftig ist. Es findet
in der Parfümeriebranche an Stelle des
Bittermandelöls, ferner zur Darstellung von
Anilin und Anilinfarben, sowie zahlreicher
organischer Präparate ausgedehnte Anwen-
dung. Zum Parfümieren ordinärer Seifen,
sowie für die Zwecke der Teerfarbenfabrika-
hon geht man meist nicht vom reinen, son-
dern von einem toluolhaltigen Benzol aus
und erhält dann ein Gemisch von Nitrobenzol
und Nitrotoluol, welches sich durch seinen
Siedepunkt von 200—240° und sein spez.
Gew. von 1,180 von dem reinen Produkt
unterscheidet. Für die Darstellung des ge-
wöhnlichen Anilinrots oder Fuchsins ist der

Toluolgehalt sogar unbedingt notwendig. —
Verfälschungen des M. mit Alkohol er-
kennt man durch Schütteln mit Wasser und
Untersuchung der wäßrigen Lösung mit
Schwefelsäure und Kaliumdichromat. — Der
Nachweis des Nitrobenzols selbst, beson-
ders in Nahrungsmitteln (Marzipan), denen es
seiner Giftigkeit wegen selbstredend nicht zu-
gesetzt werden darf, gelingt durch Über-
führung in Anilin mit Eisen und Schwefel-
säure und Ausschüttelung mit Äther. Das
beim Eindunsten hinterbleibende Anilin gibt
mit Chlorkalk eine purpurviolette Färbung.
M. wird in Blechflaschen oder Glasballons
verschickt und muß vor Licht geschützt auf-
bewahrt werden. — Zollfrei.

Mispeln (Aschpein), die Scheinfrüchte
des gemeinen oder deutschen Mispelstrau-
ches (Espelbaum, Hespelstrauch, Mispeltute,
Mespilus germanica L.), eine selten ange-
baute Obstart, welche erst im teigigen Zustand
ihren charakteristischen Geschmack entwickeln,
werden frisch, gekocht und eingemacht genossen
und auch zu Branntwein und Most verarbeitet.
Der Baum liefert ein geschätztes Nutzholz.
Man. baut mehrere Sorten: deutsche, halb-
wilde mit kleinen Früchten, großfrüchtige
italienische und holländische frühzeitige, fer-
ner Birnmispeln, großblütige M. und M. ohne
Steine. Der teigige Zustand wird durch den
Frost oder durch Lagern auf Stroh erreicht.
Als Handelsware kommt die M. nur ein-
gemacht in Betracht. —- Zoll: S. Tarif Nr. 47.

Mistel (Eichenmistel, lat. Stipites seu
Viscum quemum, frz. Gui, engl. Mistletoe)
ist die bekannte, auf verschiedenen Baum-
gattungen (nicht Eichen) vorkommende
Schmarotzerpflanze aus der Familie der
Loranthaceen. Die Blätter sind lederartig,
gelbgrün, die Zweige stark verästelt. Die
Früchte sind mehrsamige Beeren, die von
der Misteldrossel gern genossen und durch
deren Exkremente übertragen werden. — Die
Verwendung der M. ist neuerdings wieder
in Aufnahme gekommen, indem Vogel- oder
Fliegenleim daraus hergestellt wird. Na-
mentlichjapan exportiert seit mehreren Jahren
eine Art Mistelleim, der so zähe und stark
klebrig ist, daß er nur in Vermischung mit
Öl und Harz als Fliegenleim verwendet wer-
den kann. Dieser japanische Mistelleim be-
steht u. a. aus Viszin, einem kautschuk-
ähnlichen Körper. Die neueren Arten von
Fliegenfängern sind mit solchen Leimverbin-
dungen gefüllt. Die Mistel selbst gilt vielfach,
namentlich in England, als geheiligte Pflanze
und vertritt dort unseren Weihnachtsbaum.
— Zoll: Mistel ist zollfrei. Mistelleim 7 M.

Mititl, eine' aus Wollfett und Milch her-
gestellte Emulsion mit einem Feuchtigkeits-
gehalte von ca. 50°/o, findet neuerdings zur
Herstellung von medizinischen und kosme-
tischen Salben Anwendung. — Zoll: S. Tarif
Nr. 258; als kosmetisches Mittel s. Nr. 355.
358.

Mitisgrün (Wienergrün, Neugrün),eine
schöne grüne Farbe für Öl- und Wassermalerei,