﻿Mohnöl

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Moll

von Bäckern gern gekauft wird. Der M. ge-
deiht am besten in leichten und mittleren
Bodenarten. Er leidet von Krankheiten nur
wenig (Schimmelpilze), aber viel durch Vögel
(Krähen, Meisen, Spechte), Mäuse, Wind, Re-
gen bei der Ernte und nasse Kälte, die
Maden des Weißfleckrüßlers und des Mohn-
■wurzelrüßlers, Engerlinge, Schnecken, ver-
schiedene Blattläuse, Kohleulen und Mohn-
gellenmücken. Der Mohn wird im August
und September geerntet, in Bündel gebunden
und zur Trockne in Puppen aufgestellt, aus-
geschüttelt, sofort in Kufen oder auf Tüchern
oder erst später gedroschen. Bei feuchtem
Wetter wächst er leicht aus und läßt viel
Samen ausfallen. Manche schneiden deshalb
bereits auf dem Felde die Köpfe ab. An-
gebaut wird die Mohnpflanze nicht nur wegen
ihrer Samen, sondern auch wegen des Öles
(s. d.) und des Opiums (s. d.). Der weiße M.
blüht weiß, bringt weißlichen Samen und
ist zum pharmazeutischen Gebrauch vorge-
schrieben. Der schwarze M. blüht rosa und
hat schwärzliche oder blaugraue Samen. Ver-
wendet werden die Mohnsamen außer zur Öl-
gewinnung auch zu Emulsionen, als Vogel-
futter und in Bäckereien zum Aufstreuen auf
Gebäck. — Die unreifen Mohnköpfe, (lat.
Capita papaveris seu Fructus papaveris imma-
turi, frz. Tötes de pavots, engl. Poppy heads)
enthalten verschiedene narkotische Opium-
alkaloide, z. B. Morphium, Narkotin u. a.
und werden zur Herstellung des Mohnsirups
benutzt. Als Beruhigungsmittel für Kinder
werden Mohnköpfe in der Volksmedizin oft-
mals verlangt. Ihrer schädlichen Wirkungen
halber sind sie aber dem freien Verkehr
entzogen. — Zoll: Mohn und Mohnköpfe
2 M.

Mohnöl (lat. Oleum papaveris, frz. Huile
de pavot, Huile blanche, engl. Poppy oil,
Poppy seed oil), das fette Öl der Mohn-
samen, wird durch kalte Pressung in Menge
von etwa 40%, durch warme Pressung in einer
Ausbeute bis zu 60% gewonnen, als ein blaß-
gelbes dünnflüssiges Öl von angenehmem Ge-
ruch und Geschmack. Es gehört zu den trock-
nenden Ölen, erstarrt bei —18 bis —20° und
löst sich leicht in Äther und heißem Alkohol,
"Sowie in 30 Teilen kalten Alkohols. Das
spez. Gew. beträgt 0,920—0,935, die Jodzahl
130—140. Zur Herstellung des gebleichten
M. setzt man das Öl mit Salzwasser der Ein-
wirkung des Sonnenlichtes aus. Das M.
bildet ein beliebtes Speiseöl und dient außer-
dem zur Herstellung von Seifen, medizi-
nischen Emulsionen und in der Malerei. Es
muß in gut verschlossenen, vollen Flaschen
kühl aufbewahrt werden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 166/67.

Moires (gewässerte Zeuge) nennt man
verschiedene Gewebe aus Seide oder Wolle,
welche über ihre ganze Fläche, oder, wenn
sie eingewebte Figuren haben, auf dem da-
zwischenliegenden Grunde eine sog. Wässe-
rung, einen wellenartigen Schimmer zeigen,
der nicht durch die Weberei bewirkt, son-
dern erst nachträglich durch Pressen hervor-

gebracht wird. Das eigentliche Moirieren
besteht darin, daß man zwei Stücke Zeug,
mit den rechten Seiten aufeinandergelegt,
noch feucht zwischen zwei heißen, scharf
pressenden und glättenden Walzen langsam
hindurch gehen läßt. Bei Stoffen mit Damast-
figuren kann nur ein Stück, zusammen mit
einem Drucktuch auf einmal durchgeführt
werden. Hier nimmt nur der härtere Grund
das Moirö an, während die atlasartigen Fi-
guren wegen ihrer größeren Weichheit un-
verändert bleiben. Die zum Moirieren be-
stimmten Zeuge haben in ihrer Kette immer
viel stärkere Fäden als im Schuß, und diese
letzteren sind es besonders, welche die Wäs-
serung bewirken. Sie liegen in den beiden
aufeinandergepreßten Stücken nicht voll-
kommen parallel, sondern kreuzen sich viel-
fach unter sehr spitzen Winkeln. Auf den
Übergangsstellen ist die Zeugdicke am stärk-
sten. Es erhält also hier den meisten Druck,
wodurch sich die Spiegel bilden. Durch ver-
schiedene Mittel kann man das Aussehen der
Wässerung abändern. Läßt man z. B. das
Zeug vor dem Eintritt in die Walzen über
die Kante einer oder zweier Schienen schlei-
fen, welche wellenförmig angeschnitten sind
und in entgegengesetzter Richtung hin und
her bewegt werden, so ergeben sich verschie-
dene Spannungen und Richtungen der Fäden,
welche einen anderen Effekt zuwege bringen,
als beim glatten Einlauf des Stoffes entsteht.
Man unterscheidet hiernach namentlich
Moirö antique mit Musterung, die sich über
größere Flächen verbreitet, und Moird fran-
Cais mit streifenförmiger Musterung. — Zoll:
Seidenmoird s. Tarif Nr. 401 ff.; Wollenmoird
Nr. 427 ff.

Moleskin ist die in England gebräuchliche
Bezeichnung für feine Westenstoffe, die auf
baumwollenem Grunde Muster aus feinster
Wolle haben. Hauptsächlich versteht man
darunter einen feinen, dichten, gerauhten und
geschorenen Barchent. — Zoll: S. Tarif
Nr. 427 ff. 445 ff.

Molken (Wedicke, Schotten, Sinte,
Käsemilch) nennt man den Rückstand bei
der Käsefabrikation aus Milch oder Mager-
milch, welcher der Hauptsache nach aus
Wasser und Milchzucker besteht. Man ver-
wendet die M. zur Darstellung von Milch-
zucker und Molkenpastillen, zum Kurgebrauch
und zum Verfüttern. — Zoll: S. Tarif Nr. 133.

Moll (frz. Molleton, engl. Molton, Multon).
Darunter versteht man ein weiches lang-
haariges Gewebe aus guter Mittelwolle,
welches entweder leinwand- oder köperartig
gewebt, auf beiden oder nur einer Seite ge-
rauht und mit einem Schnitt geschoren ist.
In der Dichtheit und Walke steht das Zeug
zwischen Flanell und Fries, ist lockerer als
dieser und dichter als jener. M. wird wie
Flanell zu warmhaltenden Unterkleidern ver-
wandt. Die Farbe ist meist weiß, zuweilen
auch grau, blau, rot und grün. Doppelte M.
haben auf jeder Seite eine besondere Fär-
bung. — Neuerdings wird häufig auch baum-
wollener M. fabriziert und besonders zu