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Morcheln

Molybdän

Unterröcken für Frauen stark verbraucht.
Er bildet eine Art dicken baumwollenen Bar-
chent, der auf beiden Seiten stark gerauht
ist und dadurch eine langhaarige weiche
Oberfläche erhalten hat. — Zoll: Wollene M.
s. Tarif Nr. 427 ff.; baumwollene Nr. 445 ff.

Molybdän, ein ziemlich seltenes Schwer-
metall, findet sich in der Natur nicht in
freiem Zustande, sondern nur in Form
wenig verbreiteter Mineralien, besonders des
Molybdänglanzes (Schwefel-M.) und des
Gelbbleierzes oder Wulfenits (Molybdän-
saures Blei). Das Metall entsteht beim
Glühen der Oxyde oder Chloride im Wasser-
stoffstrom, hat aber keine technische Be-
deutung und wird daher im großen nicht
dargestellt. Für die Praxis kommen lediglich
die Molybdänsäure und ihr Ammoniumsalz
in Betracht. — Die Molybdänsäure, eine
Sauerstoffverbindung von 1 Atom M. mit
3 Atomen Sauerstoff (66,6% M. und 33,3%
Sauerstoff) wird durch Erhitzen von Molybdän-
glanz an der Luft erhalten und bildet ein
weißes, geruchloses, in Wasser schwer lös-
liches Kristallpulver. Es löst sich in Am-
moniak und bildet mit ihm das Ammonium-
molybdat (Molybdänsaures Ammo-
nium), ein weißes, in Wasser lösliches,
kristallisiertes Salz. Die wichtigste Eigen-
schaft der Molybdänsäure ist die Bildung
eines gelben Niederschlages mit Phosphor-
säure, welche zur quantitativen Bestimmung
der Phosphorsäure benutzt wird und einen
erheblichen Verbrauch des Ammoniummolyb-
dats zur Folge hat. Außerdem dient das
Salz neuerdings zur Herstellung feuersicherer
Gewebe und zu Desinfektionszwecken, sowie
zum Blaufärben von Töpferglasuren. — Zoll-
frei.

Monazitsand, ein in Südamerika, Austra-
lien und im Ural vorkommendes monazit-
haltiges Gemenge verschiedener Mineralien,
bildet das Ausgangsmaterial zur Gewinnung
der für Glühstrümpfe erforderlichen seltenen
Erden. Er enthält neben 50—60% Oxyden
der Zer- und Yttriumgruppe 2% Thoroxyd,
welches durch Zersetzung mit konz. Schwefel-
säure und nachherige Fällung mit Oxalsäure
erhalten wird. — Zollfrei.

Monesia (lat. Monesia, Extractum mone-
siae, frz. Extrait de Monesie, engl. Extract
of Monesia), ein wäßriges Extrakt der aus
Brasilien stammenden und dort Buranham
genannten Monesiarinde, Cortex monesia,
wurde einige Jahre lang medizinisch ver-
wendet, ist aber jetzt außer Gebrauch ge-
kommen. M. bildet eine feste, spröde, braune
Masse von zusammenziehendem Geschmack,
welche neben Gerbsäure, Gallussäure und
Glycyrrhizin einige Bitterstoffe: Monesin
und Hivurahei'n enthält. Die Wirkung der
Rinde und des Extraktes ist eine adstrin-
gierende. — Zoll: M.-Rinde ist zollfrei.; M.-
Extrakt: 40 M.

Montanin ist ein neueres Anstrichmittel,
welches in Eiskellern, Brauereien und Bren-
nereien zum Schutze feuchter Wände gegen

Schimmelwucherung (Hausschwamm) aufge-
tragen wird und aus einer 30proz. Auflösung
von Kieselfluorwasserstoffsäure in Wasser be-
steht. — Zollfrei.

Montanwachs nennt man ein dem Zeresin
ähnliches Produkt, welches durch Extraktion
von Braunkohle mit Benzin gewonnen und
durch nachfolgende Destillation mit über-
hitztem Wasserdampf weiter gereinigt wird.
Es schmilzt bei 80° und dient als guter
Ersatz des Zeresins und Paraffins in der
Kerzenfabrikation. — Zoll: S. Tarif Nr. 249.

Morcheln (frz. Morilles, engl. Morils) sind
außerordentlich geschätzte Pilze der Gattung
Morchella, welche zahlreiche Arten bildet.
Die größte Bedeutung besitzt die echte
Speisemorchel (M. esculenta) mit rund-
lich-eiförmigem, gelbbraunem bis dunkel-
braunem Hut und hohlem, daumendickem
Stiel von weißer bis schmutzig .fleischrötlicher
Farbe. Charakteristisch für diesen Pilz,
welcher im April und Mai, seltener im
Herbste, auf schwerem, sandig-lehmigem
Boden in Wäldern und Gebüschen, auf
Bergwiesen und Feldern vorkommt, ist die
eigentümliche Zeichnung der Hutoberfläche,
welche durch zahlreiche Rippen oder Leisten
in netzförmige, vertiefte Felder abgeteilt ist.
Der Speisemorchel durchaus ähnlich sind die
Käppchen-M. (M. mitra), die Glocken-
M. (M. patula) und die Spitz-M. (M.
conica) mit spitzem, kegelförmigem Hut
und etwas länglicher gestreckten Feldern.
Die gewöhnlich im Handel als M. bezeichnete
Pilzart führt diesen Namen mit Unrecht. Es
ist vielmehr die eine besondere Gattung,
Helvella, bildende Lorchel, auch Früh-,
Stein- oder Speiselorchel genannt, die auf
dickem, weißen bis violetten Stiel den
dunkelbraunen, unregelmäßig faltigen und
runzeligen, aber nicht in Felder geteil-
ten Hut trägt. Nach dem Aufweichen in
Wasser und dem Ausbreiten des Hutes bietet
die Erkennung der charakteristischen Felder
und damit die Unterscheidung der Lorchel
von der echten M. auch im getrockneten
Zustande keine Schwierigkeit dar, und das
ist insofern von großer Bedeutung, als die
Lorchel zweifellos giftig ist. Sie ent-
hält eine äußerst giftige Substanz, die Hel-
vellasäure, welche blutkörperlösend wirkt
und heftige Verdauungsbeschwerden, Stö-
rungen der Nierentätigkeit, ja selbst den
Tod herbeizuführen vermag. Allerdings
unterliegt der Grad der Giftigkeit je nach
dem Standorte und den Jahrgängen großen
Schwankungen, aber man sollte trotzdem nie
unterlassen, die Lorchel vor dem Genuß zu
entgiften. Es gelingt dies, da die Helvella-
säure in heißem Wasser löslich ist, durch
mehrfaches Abkochen und Auspressen der
frischen Lorcheln, auch starkes Salzen
scheint entgiftend zu wirken. Die Brühe
muß fortgegossen werden. Bei gut getrock-
neten Lorcheln ist diese Maßregel weniger
von Bedeutung, da das Gift durch mindestens
vierwöchentliches Trocknen zerstört wird. —
Zoll: S. Tarif Nr. 33. 35/6.