﻿Morisons Pillen

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Moschus

Morisons Pillen. Die mit I bezeichneten
Pillen erwiesen sich bei einer im Dresdner
Untersuchungsamt ausgeführten Prüfung als
ein Gemisch von Tubera jalapae und Radix
althaeae mit Aloe, Jalapenharz und Gummi-
grutti. Probe II bestand im wesentlichen aus
Sennesblättern und Aloe, waren hingegen frei
von Kolchizin und Koloquinten. -— Zoll: S.
Tarif Nr. 389.

Morphium (Morphin, lat. Morphium,
Morphinum, frz. und engl. Morpbine), das
wichtigste der im Opium enthaltenen Alka-
loide, wird fabrikmäßig aus dem Opium dar-
Sestellt, welches davon 10—ll°/o enthält.
Nach dem älteren Verfahren zieht man Opium
mit heißem Wasser unter Zusatz von etwas
Salzsäure aus und kocht die eingedampfte
Lösung mit Kalkmilch, filtriert und kocht
von neuem mit Ammoniumchlorid, bis kein
Ammoniak mehr entweicht. Das ausgeschie-
dene M. wird in das salzsaure Salz über-
geführt, letzteres umkristallisiert, mit Am-
moniak zerlegt und die freie Base aus Al-
kohol umkristallisiert. E. Merck extrahiert
das Opium mit kaltem Wasser, fällt das M.
mit Soda, reinigt es durch Waschen mit ver-
dünntem Weingeist und löst es in Essigsäure.
Die Lösung wird zur Entfärbung mit Tier-
kohle gekocht, mit Ammoniak gefällt, und
das freie M. aus Alkohol umkristallisiert.
Nach der 3. Methode von Robertson-Gre-
gory wird der mit heißem Wasser erhaltene
Opiumauszug mit Marmorpulver eingedampft,
darauf mit Kalziumchlorid gekocht und fil-
triert. Die sich aus dem Filtrate beim Ein-
dampfen ausscheidenden Kristalle werden ab-
gesaugt, das M. mit Ammoniak gefällt und
weiter gereinigt. — Reines M. besteht aus
farblosen, geruchlosen, stark bitter schmek-
kenden Kristallen, welche bei 110° wasserfrei
werden und bei 230° schmelzen. Es ist in
Nasser und den meisten organischen Flüssig-
keiten sehr schwer löslich, wird aber leicht
von wäßrigen Alkalien aufgenommen. Zur
Isolierung in forensischen Fällen schüttelt
man die ammoniakalische Lösung mit heißem
Amylalkohol aus. Abgesehen von den all-
gemeinen Alkalo'idreaktionen zeigt das M.
folgende charakteristische Eigenschaften: Aus
Jodsäure macht es Jod frei, welches beim
Schütteln mit Chloroform mit violetter Farbe
m Lösung geht. In konz. Salpetersäure löst
es sich mit blutroter, später gelb werdender
Farbe. Mit konz. Schwefelsäure übergossen,
njmmt es in einer Formaldehydatmosphäre
eine violette Farbe an. — Das reine M. wird
Wegen seiner geringen Löslichkeit nur selten
therapeutisch verwendet, sondern zu diesem
Zwecke meist in Salze übergeführt. Die
größte Bedeutung haben: das salzsaure M.
(Morphinum hydrochloricum seu mu-
tiaticum), das essigsaure M. (Morphi-
num aceticum) und das schwefelsaure M.
(M. sulfuricum), gut kristallisierende Salze,
Welche in Form ihrer wäßrigen Lösung als
schmerzstillende und schlafbringende Mittel
’nnerlich und in Form von Injektionen ange-
wandt werden. Neben ihnen finden sich noch

weinsaures, milchsaures, valeriansaures M. und
andere Salze im Handel. Sämtliche Morphin-
salze sind starke Gifte und dürfen in Apo-
theken nur gegen ärztliches Rezept abgegeben
werden. — Zollfrei.

Morsellen, ein Zuckergebäck, wurden
ursprünglich nur in Apotheken bereitet, werden
jetzt aber auch von Konditoren in den Handel
gebracht. Sie bilden länglich-viereckige, tafel-
förmige Stücken von verschiedenem Aussehen
und bestehen aus Zucker, den man nur bis
zur Flugprobe gekocht und mit verschiedenen
Substanzen aromatisiert hat. Es gibt daher
sehr viele Sorten, mit Ingwer-, Vanille-,
Ananas- u. Himbeergeschmack, ferner solche,
die in der Zuckermasse zerschnittene Man-
deln, Pistazien, Nüsse und dergl. enthalten.
Die Ware wird kiloweise, oder in feine Käst-
chen von 100—500 g Gewicht verpackt, ver-
kauft. — Zoll: S. Tarif Nr. 202.

Moschus (Bisam, frz. Muse, engl. Musk)
stammt von dem Moschustier, Moschus
moschiferus L., einem den Hirschen ver-
wandten, ungehörnten, zierlichen Tier, welches
in den Hochgebirgen des östlichen Asiens,
im Himalaya, in Tibet, Tonkin, Sibirien und
der Tatarei in einer Höhe von 1000—2000 m
lebt. Das Männchen hat hauerartig hervor-
ragende Eckzähne und trägt auf dem Bauche,
10'—12 cm hinter dem Nabel und 2—3 cm
vor der Rute, einen drüsigen, als Moschus-
beutel bezeichneten Behälter, welcher den
durch äußerst starken Geruch ausgezeich-
neten Bisam oder Moschus einschließt.
Der Beutel ist bis 6 cm lang, 3 cm breit,
4—5 cm hoch, auf der dem Bauche zuge-
wendeten Seite flach und kahl, auf der nach
außen gekehrten Seite gewölbt und mit
dicken, steifen Haaren besetzt. Die konvexe
Seite besitzt zwei Öffnungen, die Beutel-
öffnung und eine durch die Muskelhaut ver-
laufende für die Rute. Die Wandung des
Beutels ist doppelt, die äußere muskellös, die
innere dünn. Innen ist der Beutel hohl und
mehr oder weniger mit dem sich krustenartig
absondernden Moschus erfüllt, der im frischen
Zustande teigig und rötlichbraun ist, später
aber trocken und krümlig wird. Der M. ist
gleich dem Bibergeil ein Sekret und dient
wahrscheinlich zur Anlockung der Weibchen.
Die Moschustiere finden sich nur selten in
Rudeln, gewöhnlich kommen sie vereinzelt
vor und werden entweder auf der Jagd erlegt
oder in Schlingen gefangen. Den getöteten
Tieren wird sofort der Beutel samt der dazu
gehörigen Bauchhaut ausgeschnitten und an
der Luft oder auf heißen Kaminen getrocknet.
Der in den Beuteln eingeschlossene M. ge-
langt unter der Bezeichnung Moschus in
vesicis in den Handel, der aus den Beuteln
herausgenommene M. unter der Bezeichnung
Moschus ex vesicis. Im Handel erscheinen
besonders zwei Sorten von Moschus: tonki-
nesischer und kabardinischer M. Der
Tonkin-M., tibetanische M., chine-
sische M. ist die beste, allein offizineile
Sorte, welche aus Tonkin und der chinesi-
schen Provinz Szechuan stammt und über