﻿Moschus

Mull

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absorbiert den Riechstoff des M. vollständig.
Destilliert man M. unter Wasserzusatz, so ent-
halt das Destillat stets Ammoniak. Nach
Hager ist im chinesischen M. bis l,5°/o kohlen-
saures Ammon enthalten, das sich beim De-
stillieren in der Vorlage als Ammoniak zeigt.
Beim Trocknen über Schwefelsäure verliert
der offizinelle M. 10'—14°/o Wasser, der
Aschengehalt beträgt 6—8°/o. Kaltes Wasser
löst vom M. bis zu 3/4; kochendes bis zu 4/s auf,
90proz. Weingeist 10—12°/o, Benzin, Chloro-
form und Terpentinöl lösen nur wenig. Die
wäßrige Lösung des Tonkin-M. wird durch
Sublimat nur getrübt, während der kabar-
dinische M. damit eine Fällung gibt. — In-
folge seines hohen Preises ist der M., be-
sonders der Tonkin-M., vielen Verfälschungen
unterworfen. Als Verfälschungsmittel
dienen bei den Moschusbeuteln hauptsächlich
Bleischrot, Zinnober, Lehm, Glas, Sand, As-
phalt, Katechu, Guano, Stärkemehl, Blut, zer-
riebenes Holz usw., sowie nachgebildete Beu-
tel, bei dem „ausgemachten“ M. namentlich
getrocknetes Blut und getrocknete Galle.
Besonders die Chinesen verstehen es ausge-
zeichnet, durch Verfälschungskünste die Käu-
fer zu übervorteilen. Der sog. Wampoo-M.
ist zum Beispiel ein aus zusammengenähten
Häuten des Moschustieres künstlich herge-
stellter Moschusbeutel, der mit getrocknetem
Ochsenblut, Salmiak und etwas M. angefüllt
ist. Auch die kabardinischen Moschusbeutel
werden häufig den chinesischen Beuteln im
Äußeren täuschend ähnlich gemacht und
ihnen untergeschoben. In vielen Fällen wird
dem Moschusbeutel durch eine künstliche
Öffnung ein Teil des M. entnommen und
so geschickt wieder zugenäht, daß die Ent-
deckung der betrügerischen Manipulation
äußerst schwierig ist. Übrigens werden auch
durch die natürlichen Öffnungen des Beu-
tels schwere Gegenstände, wie Bleischrot usw.
eingeführt, so daß die Fälschung noch
schwerer zu erkennen ist. Auch mit Spi-
ritus ausgezogene Beutel kommen vor. Im
allgemeinen deuten sehr pralle Ausfüllung
und unebenes Aussehen der Beutel auf Ver-
fälschung. Ebenso sind Beutel, welche sich
sehr weich und feucht anfühlen oder stark
ammoniakalisch riechen, als verfälscht oder
minderwertig zu betrachten. Ob „ausgemach-
ter M.“ mit getrocknetem Blut vermengt ist,
erkennt man an dem stinkenden Geruch, der
sich beim Anfeuchten mit Wasser nach eini-
ger Zeit entwickelt. Auch die Bestimmung
der Asche, die Löslichkeitsverhältnisse und
die mikroskopische Prüfung geben wichtige
Anhaltspunkte für die Reinheit eines Moschus-
Pulvers. — In der Parfümerie spielt der
M. eine ziemlich große Rolle, jedoch wird
ur kaum für sich allein verwendet, sondern
m kleinen Mengen anderen Parfüms und
Toiletteseifen zugesetzt, so daß der Moschus-
geruch nicht gesondert hervortritt, sondern
im Gesamtgeruch aufgeht. Die medizinische
Verwendung des M. ist neuerdings recht
zurückgegangen. Während noch im D. A.B. III
Moschus und Moschustinktur (aus 2°/o M.

und 10°/oigen Weingeist bereitet) enthalten
waren, hat das D. A. B. IV die Moschusprä-
parate gestrichen. M. regt das Nervensystem
an, beschleunigt den Puls und befördert die
Schweißsekretion. Er wird gewöhnlich als
Tinktur oder in Pulverform verordnet. Im
Handverkauf wird häufig Moschuspulver als
Riechmittel usw. verlangt. Für diesen Zweck
hält man eine Mischung, bestehend aus ITeil
M. und 9 Teilen getrocknetem Blut, vorrätig.
Die Moschustinktur (Tinctura moschi)
wird außer in den Apotheken auch in größe-
ren Mengen zu Parfümeriezwecken benutzt..

—	Die Moschusbeutel bewahrt man wegen
ihres starken Geruches am besten in
trockenen Blasen eingebunden auf, das
Moschuspulver in dicht schließenden Stöpsel-
gläsern, welche in einen Blechkasten gestellt
werden. — Künstlicher Moschus. Unter
diesem Namen wird eine zuerst von Bauer
dargestellte chemische Substanz von inten-
sivem Moschusgeruch, das Trinitrobutyltoluol,
in den Handel gebracht. Es bildet gelbliche
Nadeln und wird aus einem Gemisch von
Toluol und Butylchlorid hergestellt. Dieses
Gemisch erhitzt man mit Chloraluminium und
nitriert das Reaktionsprodukt mit rauchender
Salpetersäure und Schwefelsäure. Der Mo-
schusgeruch tritt besonders nach Zusatz von
etwas Ammoniak hervor. Das Präparat dient
zu Parfümeriezwecken, eignet sich aber nur
unter bestimmten Bedingungen dazu, da es
den echten M. für feinere Parfüms nicht er-
setzt. Das käufliche Produkt kommt neuer-
dings mit indifferenten Stoffen, wie Azeta-
nilid usw. vermischt, in den Handel. — Zoll:
Moschus ist zollfrei. Moschustinktur 300 M.
Künstl. Moschus s. Tarif Nr. 354.

Mottenpapier (Naphtalinpapier) ist Pa-
pier, welches in eine Mischung von Naphtalin,
Karbolsäure und Wachs, die man zusammen-
schmilzt, eingetaucht wird. Es kommt in vier-
eckigen Blättern in den Handel und wird
zwischen Kleidungsstücke und Wäsche, gelegt,
um die Motten abzuhalten. — Zoll: 12 M.

Mundwässer (Zahnwässer, lat. Aqua
dentifrica, frz. Eau dentifrice, engl. Tooth
water) nennt man kosmetische Wässer, die
zur Reinigung und Pflege der Mundhöhle
und der Zähne dienen. Zu ihrer Herstellung
verwendet man Katechu-Myrrhen und Ra-
tanhia-Tinktur mit Borsäure, Salizylsäure und
Thymollösungen, die mit aromatischen Stoffen
und ätherischen Ölen versetzt sind. Außerdem
gibt es eine große Anzahl Spezialitäten im
Handel, deren Zusammensetzung Geheimnis
der Fabrikanten ist, z. B. Odol, Kosmin u. a.

—	Zoll: 300 M.

Mule-Twist (Mulegarn) ist das weichere,
besonders als Einschuß dienende Baum-
wollgarn, welches auf der Mulemaschine
(Halb- oder Ganzselfaktor) fein gesponnen
wurde (vgl. Baumwollgarn). — Zoll: S.
Tarif Nr. 439/44.

Mull ist ein klarer, feiner, weißer und
weicher Musselin zu Frauenkleidern, Kragen
Chemisettes u. dgl., der ursprünglich aus Ost-