﻿Muräne	318	Muskarin

indien stammt, gegenwärtig aber in Europa
überall erzeugt wird, wo feine Baumwoll-
waren gefertigt werden. Man nennt dieWare
auch Moll, (s. d.) was aber ebenso gut einen
feinen Molton bezeichnen kann. Mull dient
außerdem zur Herstellung von Verbandstoff
und Bindematerial. — Zoll: S. Tarif Nr. 445ff.

Muräne (Muraal), ein aalähnlicher
Fisch, Gymnothorax muraena, der zu-
weilen bis 6 kg und darüber schwer wird,
lebt im Mittelländischen Meere, in geringer
Anzahl auch im Atlantischen Ozean. Die
Grundfarbe des Vorderleibes ist lebhaft gelb,
die des hinteren geht ins Bräunliche über,
der Rücken zeigt braune Flecken, welche
durch dunklere Binden umschlossen und von-
einander abgegrenzt werden. Das Fleisch gilt
als höchst schmackhaft. — Frische M. sind
zollfrei.

Murexid (Purpursaures Ammoniak,
Rouge de Naples). Dieser nach Murex,
die Purpurschnecke, benannte Farbstoff
hat eine Zeitlang das hohe Interesse der tech-
nischen und Modewelt erregt, um bald darauf
von einer anderen glänzenden Erscheinung,
den Anilinfarben, zur Seite gedrängt zu wer-
den, so daß er jetzt ganz außer Gebrauch
gekommen ist. Als Ausgangsmaterial zu seiner
Herstellung dient die Harnsäure (s. d.), die
am bequemsten aus Peru-Guano abgeschieden
wird. Harnsäure liefert mit verdünnter Sal-
petersäure Alloxan, dessen heiße Lösung
mit kohlensaürem Ammoniak gefällt wird. In
den Handel kam der Farbstoff teils in Teig-,
teils in Pulverform, oder als braune, grün-
schillernde Kriställchen. Die mit M. auf
Zeugen erzielten Farben sind zwar schön,
aber sehr unbeständig. — Zollfrei.

Musalina, ein zur Erzielung größerer Bin-
digkeit der Wurstfüllung angepriesenes Prä-
parat, besteht aus technisch reinem Eiweiß.
Im Hinblick auf den unkontrollierbaren Ur-
sprung derartiger Produkte ist den Fleischern
von der Verwendung des Mittels dringend
abzuraten, da die Beimischung solcher, dem
Normalbegriff der Wurst fremder Stoffe als
Verfälschung angesehen wird. — Zoll: S.
Tarif Nr. 389.

Muschelgold (Malergold, echte Gold-
bronze, frz. Or en coquille, engl. Shell
gold) nennt man fein verteiltes, staubförmiges
Gold, welches zu Buntdrucken und in der
Malerei Verwendung findet und gewöhnlich,
mit Gummischleim oder Honigwasser ange-
rieben, in kleine Flußmuschelschalen gefüllt
verkauft wird. Man erhält das M. meistens
durch Zerreiben der Abfälle der Gold-
schlägerei, seltener durch Reduktion einer
Chlorgoldlösung mit Chlorantimon. Ebenso
wird durch Zerreiben von Blattsilberabfällen
Muschelsilber dargestellt. Als unechtes
M. oder Musivgold bezeichnet man die
verschiedenen Arten von Bronzen. — Zoll:
S. Tarif Nr. 769 ff.

Muscheln. Von diesen zu den Weich-
tieren gehörigen kopflosen, mit einer zwei-
klappigen Schale versehenen Tieren bilden

mehrere Arten, die zur Nahrung dienen,
einen Handelsartikel, so die Austern (s. d.),
die Miesmuscheln und die eßbare Herz-
muschel. Von anderen, nicht eßbaren Mu-
scheln werden vielfach die Schalen in den
Handel gebracht, und namentlich die PcrL-
mutterschalen (s. d.) bilden einen nicht
unbedeutenden Handelsartikel. — Die Mies-
oder Pfahlmuschel (Mytilus edulis) ist
gewöhnlich gemeint, wenn man im Handel
von Muscheln ohne nähere Bezeichnung
spricht. Man findet sie in fast allen Meeren
Europas, namentlich in der Nordsee und
Ostsee auf Sandbänken. In einigen Gegenden
werden sie gezüchtet, indem man verzweigte
Holzstämme (Muschelbäume) in den Meeres-
boden versenkt, so daß sie ganz vom Wasser
bedeckt sind. An diese Stämme und Zweige
setzen sich die Miesmuscheln an. Diese Zucht
wird z. B. in der Kieler Bucht, ferner bei
Esuandes in Frankreich (schon seit dem
13. Jahrhundert), im Meerbusen von Tarent,
bei Venedig usw. betrieben. Man versendet
die Miesmuscheln auch mit Essig übergossen,
in Gläser eingesetzt. M. aus unreinen Gewäs-
sern sind zuweilen giftig. — Von der Herz-
muschel werden zwei Arten genossen, die
große oder stachelige, Cardium echina-
tum, namentlich an der englischen Küste und
im ganzen Nordseegebiete, und die kleinere.
Cardium edule, ebendaselbst und auch in
der Ostsee. Über Muschelwaren siehe Perl-
mutter. — Zoll: S. Tarif Nr. 119.	124.

Muschelschalen s. Tarif Nr. 156.

Musivgold (unechtes Malergold) be-
steht aus einer Verbindung von 64,9 °/o Zinn
und 35,1 °/o Schwefel, Doppelschwefelzinn. Zur
Vereinigung der beiden Elemente gibt es
verschiedene Methoden, die mehr oder
weniger schöne Produkte liefern. Man stellt
z. B. ein Amalgam aus 4 Teilen Zinn und
2 Teilen Quecksilber her, welches nach dem
Vermischen mit 2V2 Teilen Schwefel und
2 Teilen Salmiak im Sandbade anfänglich
schwächer, später stärker erhitzt wird. Salmiak
und Quecksilber verflüchtigen sich, und das
M. sammelt sich am Boden und an den Wan-
dungen der Retorte in Form schön gold-
glänzender, der echten Goldbronze sehr ähn-
licher Flitter an. Es wird sowohl in trockener
Form zum Bronzieren, als auch unter Siegel-
lack, in Gummi abgerieben oder in Firnis
zum Malen goldähnlicher Verzierungen ver-
wendet. —- Das Musivsilber, das in ähn-
licher Weise zu falschen Versilberungen dient,
ist ein Amalgam von Zinn, Wismut und
Quecksilber. Drei Teile des ersteren werden
mit drei Teilen des anderen zusammen-
geschmolzen. Die Legierung wird gepulvert
und mit 11/2 Teilen Quecksilber verrieben, bis
das Ganze zu einem silberfarbigen Pulver
verbunden ist, das mit Eiweiß, Gummilösung
oder Firnis zum Drucken, Malen und Schrei-
ben benutzt wird. Man bezieht beide Artikel
von Nürnberg, Fürth, Augsburg und Mün-
chen. — Zoll: S. Tarif Nr. 265. 331. 336.

Muskarin. Diesen Namen führen zwei ganz
verschiedene chemische Verbindungen. 1. Ein