﻿Muskatblüte

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Muskatöl

seit 1885 bekannter Teerfarbstoff, welcher
durch Einwirkung von salzsaurem Nitrosodi-
methylanilin auf Alphadioxynaphthalin erhal-
ten wird und als braunviolettes, in heißem
Wasser lösliches Pulver in den Handel kommt.
Das M. färbt mit Brechweinstein und Tannin
gebeizte Baumwolle blau. — Zollfrei. -—
2- Ein Alkaloid, welches im Fliegenpilz
(Agaricus muscarius) enthalten ist und
dessen giftig wirkendes Prinzip bildet. Das
schwefelsaure Salz desselben (lat. Musca-
nnum sulfuricum) hat neuerdings medizinische
Verwendung gefunden. Es bildet kleine, farb-
lose Kristalle, welche eine ähnliche, die Pu-
pille des Auges verengernde Wirkung, wie das
Physostigmin zeigen. — Zollfrei.

Muskatblüte (Mazis, Folie, Forlie, lat.
und frz. Macis, engl. Mace) nennt man den
Samenmantel (Arillus) des echten
Muskatnuß baumes(Myristicafragrans,
frz.Muscadier, Musquö, engl. Nutmeg, Musky),
eines 10—15 m hohen Baumes, der auf den
Banda-Inseln heimisch ist und in den meisten
tropischen Gegenden Asiens und Südamerikas
kultiviert wird. Die Bäume tragen vom 9.
bis in das 80. Jahr hinein Früchte, von denen
in der Zeit der Vollkraft bis 2000 Stück pro
Jahr geerntet werden. Die Früchte enthalten
in einer fleischigen, später lederartig werden-
den Hülle je einen Samen, der von einem
zerschlitzten Samenmantel umgeben ist. Der
letztere, im frischen Zustande ein fleischiges,
karminrotes Häutchen, wird nach der Be-
seitigung der Fruchtschale abgezogen und an
der Luft getrocknet und bildet dann eine
hornartige zerbrechliche Masse von orange-
gelber Farbe und feurig gewürzhaftem Ge-
ruch und Geschmack. Als Unterabteilungen
unterscheidet man je nach der Art der Ge-
winnung bisweilen Klimmfolie von ge-
pflückten, Rangfolie von abgefallenen und
Gruis- oder Stoff-Folie von halbreifen,
utinderwertigen Früchten. Die M. enthält nach
König: 9,65°/o Wasser, 5,30% Stickstoff-
substanz, 6,66% ätherisches Öl, 24,63% Fett,
44,81% stickstofffreie Extraktstoffe, 6,31%
Pohfaser und 2,64% Asche. Der Gehalt an
ätherischem Öl soll nach den „Vereinbarungen“
tnindestens 4,50% betragen, der Aschengehalt
3% und der Sandgehalt 0,5% nicht über-
steigen. Das Gewürz ist Verfälschungen durch
Zwieback, Mehl, Kurkuma, Olivenkerne und
ändere Abfälle in hohem Grade ausgesetzt,
deren Nachweis mit Hilfe des Mikroskops
Unschwer gelingt. Besonders aber hatte sich
'n den letzten Jahren die Beimengung der
spg- Bombay-Mazis, des Samenmantels
pner unkultivierten Art (Myristica ma-
labarica), eingebürgert, welche ohne jeden
Würzwert ist. Sie unterscheidet sich durch
uinen höheren, bis zu 35% steigenden, Fett-
gehalt und durch einen in besonderen Kugel-
gellen abgelagerten dunkelgelben Farbstoff,
der mit Alkalien rot wird. Zum Nachweise
dieses Verfälschungsmittels kocht man den
alkoholischen Auszug mit Kaliumchromat-
Jösung, wobei Bombay-M. ockerfarbig bis
uraun wird, echte M. hingegen unverändert

bleibt. Mit Ammoniak wird der Auszug aus
echter M. rosa, aus Bombay-M. tief orange
bis gelbrot. Weitere Anhaltspunkte bietet die
Kapillaranalyse und die Bestimmung des
Petrolätherauszugs. Den Bemühungen der
Nahrungsmittelkontrolle ist es gelungen, die
Verfälschungen der M. zu beseitigen, und die
Fabrikanten haben sogar beschlossen, Bom-
bay-M. auch unter Deklaration nicht mehr
zu verwenden. — Eine geringere, aber immer-
hin noch brauchbare M.-Sorte stammt von
der auf Neu-Guinea heimischen Myristica
argentea und wird als Papua-M. in den
Handel gebracht. — Zoll: S. Tarif Nr. 67.

Muskatnüsse (lat. Nuces moschatae, frz.
Noix de muscadier, engl. Nutmeg) sind die
Samen des Muskatnußbaumes, Myris-
tica fragrans und der Myristica argen-
tea. Die letzten führen meist die Bezeichnung
Papua- oder 1 a n g e M. und sind geringwertiger.
Zu ihrer Gewinnung werden die Samen nach
Entfernung des Fruchtfleisches und des Arillus
über Feuer scharf getrocknet, bis sie beim
Schütteln klappern. Darauf werden die Stein-
schalen mit hölzernen Hämmern zerschlagen,
und die Kerne zum Schutze gegen Insekten-
fraß in Kalkmilch gelegt und dann getrocknet.
Die M., welche nur selten gepulvert in den
Handel kommen, sind durch ihren hohen
Gehalt an Fett (34%) und an ätherischem Öl
(8—15%) ausgezeichnet. Sie sollen nicht mehr
als 3,5% Asche mit 0,5% Sand hinterlassen.
Verfälschungen durch äußerliche Verschöne-
rung wurmstichiger, verdorbener Waren sind
bisweilen vorgekommen, auch hat man aus
Mehlteig und Ton hergestellte völlige Kunst-
produkte im Handel angetroffen. Sie sind
leicht daran zu erkennen, daß sie beim Ein-
weichen in Wasser zerfallen. Die M. finden
beschränkte medizinische, hingegen ausge-
dehnte küchenmäßige Verwendung und müssen
zum Schutze gegen Verschimmeln trocken
aufbewahrt werden. — Zoll: S. Tarif Nr. 67.

Muskatöl. Aus den Nüssen wird sowohl
ätherisches wie fettes öl gewonnen. —
Das ätherische M. (Oleum nucis moschatae
aethereum, frz. Essence de muscade, engl.
Oil of nutmeg) erhält man durch Wasser-
dampfdestillation von Mazis oder gepulverter
Nüsse als eine farblose, dünne Elüssigkeit,
die sich bei längerer Aufbewahrung durch
Oxydation verdickt. Sie ist rechtsdrehend,
hat ein spez. Gew. von 0,865—0,920 und
löst sich in einem Gemisch gleicher Teile
Äther und Alkohol. Das M. enthält neben
Terpenen, wie Rechts- und Linkspinen und
Dipenten einige Sauerstoffverbindungen, My-
ristikol, Myristizin und Myristizinsäure. —
Zoll: 30 M. — Das fette Öl (Muskat-
butter, Muskatbalsam, lat. Oleum nucistae,
frz. Beurre de muscade, engl. Butter of
nutmeg) wird durch Auspressen der pulveri-
sierten Nüsse zwischen heißen Platten ge-
wonnen. Es enthält neben 4% ätherischem
öl 52% flüssiges und 44% festes Fett, welches
im wesentlichen aus Myristin besteht. Das
spez. Gew. beträgt 0,990—1,000, der Schmelz-
punkt 38,5—51,0, die Jodzahl 40—50. Das