﻿Nadal

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Nahrungsmittel

in Nürnberg. Eine andere Sorte N. sind die
kleinen, aus Stearinmasse hergestellten Ker-
zen. — Zoll: 23 M.

Nadal, eines der neuen zur Konservierung
von Hackfleisch empfohlenen Präparate, be-
steht aus freier Benzoesäure und Natrium-
benzoat.

Nährmittel (Nährpräparate). Unter die-
sen Bezeichnungen werden seit einiger Zeit
Erzeugnisse der chemischen Industrie auf den
Markt geworfen, welche die Nährstoffe ent-
weder in aufgeschlossener und daher leichter
resorbierbarer Form oder in erhöhter Konzen-
tration enthalten. Obwohl in diesem Sinne
auch die in einem besonderen Artikel be-
sprochenen Kindermehle als Nährmittel an-
zusprechen sind, rechnet man im allgemeinen
nur solche Erzeugnisse zu ihnen, welche im
wesentlichen aus stickstoffhaltigen Substanzen
(Eiweiß, Pepton) bestehen. Die löslichen
Proteinnährmittel sind hauptsächlich als
Heilmittel oder diätetische Präparate zu be-
urteilen. Mit ihrer Darreichung bezweckt
der Arzt, Kranken mit geschwächtem Ver-
dauungsapparat die Ernährung zu erleichtern.
Ihre Herstellung besteht demnach in einer
Art künstlicher Verdauung, d. h. isolierte Ei-
weißstoffe werden mit Hilfe von Chemikalien
oder durch Pepsin und andere Enzyme in
eine lösliche Modifikation übergeführt. Als
Ausgangsmaterial für Produkte der ersten
Art dient vielfach das Kasein, welches mit
Natronlauge, Glyzerinphosphorsäure, Am-
moniak, Soda lösliche Verbindungen liefert
(s. Eukasin, Galaktogen, Nutrose, Sanatogen).
Auch Blut wird durch Behandlung mit Chemi-
kalien vielfach in lösliche, besonders eisen-
haltige Nährpräparate übergeführt (Fersan,
Hämoglobin, Sicco). Durch gleichzeitige Ein-
wirkung von überhitztem Wasserdampf und
von Chemikalien sollen Toril, Somatose,
Sanose, Kemmerichs Fleischpepton und ver-
schiedene Fleischsäfte, von denen die wich-
tigsten in besonderen Artikeln besprochen
sind, hergestellt werden. Die mit Hilfe von
Enzymen hergestellten Nährmittel zeigen je
nach der Art der benutzten Enzyme wesent-
liche Unterschiede. Pepsin-Peptone werden
durch Einwirkung von Pepsin und Salzsäure
auf Fleisch hergestellt, und zwar verwendet
man am besten ausgekochtes Fleisch, weil
die Fleischbasen ungünstige Wirkungen aus-
üben sollen. Die Peptone sind wegen ihres
bitteren Geschmacks in neuerer Zeit vielfach
aufgegeben worden. Pankreas-Peptone
entstehen durch Einwirkung von Pankreatin
in alkalischer Lösung auf Stickstoffsubstanzen,
werden aber ebenfalls nur wenig verordnet.
Schließlich kann man auch gewisse pflanzliche
Enzyme (besonders Papayotin) zur Herstellung
löslicher Abbauprodukte des Eiweißes ver-
wenden. Die angeführten Präparate sind z. T.
außerordentlich teuer, können aber nicht hier-
nach und ihrem Nährwert, sondern lediglich
nach ihrer medizinischen Wirksamkeit be-
urteilt werden. Ganz anders steht es mit
der zweiten Gruppe, den unlöslichen Pro-
teinnährmitteln, welche das Eiweiß in

unveränderter Form, nur in isoliertem Zu-
stande enthalten. Sie werden aus billigen
pflanzlichen und tierischen Stoffen, Weizen-
kleber, Abfällen der Fleischfabrikation und
dergl. durch Entfetten und durch Bleichen,
sei es mit Wasserstoffsuperoxyd oder auf
andere Weise hergestellt, und sollen z. T. dazu
dienen, den Eiweißmangel in der Nahrung
der ärmeren Bevölkerungskreise auszuglei-
chen. Daß sie hierfür meist zu teuer sind,
ist in einigen der besonderen Artikel über
Plasmon, Roborin, Soson, Tropon näher aus-
geführt worden. -— Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Nährsalze. Die von einigen Ärzten ver-
tretene Anschauung, daß der menschliche
Organismus ganz allgemein an einem Mineral-
stoffmangel leide, hat zur Entstehung sogen.
Nährsalze geführt, welche den Menschen, ganz
gleichgültig, ob sie gesund oder krank sind,
zum Kauf angeboten werden. Am bekann-
testen sind die Lahmannschen Pflanzen-
nährsalze, welche aus Extrakten von Vege-
tabilien (Obst, Gemüsen) bestehen sollen und
sonach die Mineralstoffe in organischer Bin-
dung an Äpfelsäure, Weinsäure oder Zitronen-
säure enthalten. Im Gegensatz zu diesen,
welche immerhin auf einer, wenn auch be-
strittenen, wissenschaftlichen Anschauung be-
ruhen, stellen die meisten übrigen Nährsalze
willkürlich zusammengeworfene Mischungen
von Mineralstoffen ohne jede rationelle Grund-
lage dar. Insbesondere bestehen die zahl-
reichen Präparate von Herrn Julius Hensel
zum Teil bis zur Hälfte aus Kochsalz und
enthalten vielfach sogar gewöhnliche Infu-
sorienerde (Kieselgur). Ohne die Bedeutung
der Mineralstoffe für die Ernährung irgendwie
zu verkennen, wird man doch im allgemeinen
die Zufuhr von Nährsalzen als zwecklos be-
zeichnen können. Eine rationell zusammen-
gesetzte Nahrung enthält hinreichende Mineral-
stoffmengen für den gesunden Organismus,
und für den Kranken muß der Arzt von Fall
zu Fall das passende Mittel auswählen. —
Zoll: Nährsalze als Geheimmittel 500 M.

Naftalan (Nafalan) besteht aus einer Lö-
sung von 3—4°/o Seife in gewissen Rück-
ständen der Petroleumdestillation und bildet
eine dunkelgefärbte salbenartige Masse, welche
erhebliche Mengen Wasser aufzunehmen ver-
mag und gegen Verbrennungen und Haut-
krankheiten Verwendung findet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 258. Als Arzneimittel Nr. 388.

Nahrungsmittel nennt der Chemiker die
zur Ernährung des menschlichen Körpers ge-
eigneten zusammengesetzten Stoffe, wie
Fleisch, Milch, Brot, Gemüse, während er
ihre einzelnen Bestandteile als Nährstoffe
bezeichnet. Das Nahrungsmittel Fleisch be-
steht z. B. aus den Nährstoffen: Wasser,
Eiweiß und Fett; die Milch aus Wasser,
Kasein, Fett und Milchzucker usf. Das all-
tägliche Leben und die Rechtsprechung macht
diesen Unterschied im allgemeinen nicht,
sondern betrachtet als Nahrungsmittel alle
Stoffe, welche — sei es in fester oder flüssiger
Gestalt — der Ernährung des menschlichen
Körpers dienen. In diesem erweiterten